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Netflix-Chef im Interview: Das sind die Pläne des TV-Killers

Netflix hat unsere Sehgewohnheiten verändert. Im stern-Interview spricht Reed Hastings über deutsche Serien, Apple und die Faszination an echten Kriminalfällen.

Netflix-Chef Reed Hastings

Netflix-Chef Reed Hastings spricht über deutsche Serien, Apple und globale Rechte

Herr Hastings, Netflix gibt's seit vergangener Woche in 130 weiteren Ländern, insgesamt in 190 Ländern. Sie haben die "Geburtsstunde eines globalen Fernsehsenders" verkündet. Ist das schon der Tod des linearen Fernsehens, wie wir es kennen?
Ach was. Es ist noch riesig. 98 Prozent ist lineares Fernsehen, nur ein oder zwei Prozent sind das Internet. Aber jeder weiß, dass das Internetfernsehen wachsen wird. Aus vier Gründen. Erstens, jeder kann jederzeit gucken, auch eine Serie am Stück. Zweitens, das geht auf jedem Bildschirm: auf dem Smartphone, auf dem Tablet, auf dem Fernseher. Drittens, es ist personalisiert. Das Programm erinnert sich, wo sie bei dem Film zuletzt waren, gibt Ihnen Empfehlungen. Viertens, es ist eine App. Und die wird stets besser und jeden Monat aufgefrischt.

Sie haben gesagt, das lineare Fernsehen habe die Gesellschaft verändert. Wie wird das Internetfernsehen die Gesellschaft verändern?

Das ist schwer vorherzusagen. War bei der Erfindung des Autos klar, wie es die Welt verändern würde? Bei der Erfindung des Telefons? Ein positiver Aspekt wird sicher sein, dass sich etwa Deutsche polnische Filme angucken können, oder Filme aus Südafrika, aus den USA oder aus Japan. In der globalen Gemeinschaft kann man sich gegenseitig besser verstehen.

Gibt es denn so etwas wie einen globalen Geschmack?

Nein, es wird viele verschiedene Vorlieben geben. Aber jeder schätzt Qualität, wunderbare Filme wie Star Wars oder Avatar.

Manche sagen, Sie würden mit Netflix vor allem Filme und Serien für eine globale Bildungselite liefern, für Menschen, die Englisch können.

Sie meinen Filme wie die mit Adam Sandler?

Nein, die meine ich nicht, ich meine Serien wie "House of Cards".

Das ist nur eine einzige Serie. Ja, die gucken manche aus der Schicht, die Sie erwähnt haben. Aber wir beziehen auch Prügel für die Adam Sandler Show. Aber normale Menschen lieben die einfach.

Jetzt streamen Sie in 90 Ländern. Wird ihre Verhandlungsmacht gegenüber den Studios so nicht größer?

Ja, das wird sie.

Und wie hat das Streaming die Machtverhältnisse zwischen TV-Sendern und den Verbrauchern verändert?

Wir haben direkten Kontakt mit den Verbrauchern. Das ist ein Riesenunterschied. Wir können Empfehlungen geben, wir bekommen Informationen über den Zuschauer. Hört der nach 20 Minuten auf einen Film zu gucken, wissen wir das. Wenn das viele Leute tun, wissen wir, dass etwas falsch läuft. Das ist dann kein sehr guter Film.

Wie entscheiden Sie denn, ob Sie einen Film in Auftrag geben?

Wir wollen etwas Eigenes haben, keine Kopie von einem anderen Film. Wir werten viele Daten aus, wir gucken auf die Tabellen. Aber wenn wir entscheiden, dann hören wir auf unsere Intuition und unsere Erfahrung.

Was machen Sie denn genau mit den Daten?

Nehmen Sie den Fall Adam Sandler. Wir sehen uns an, wie seine Filme laufen, was für Gruppen die gut finden, in welchen Regionen. Dann hören wir uns an, welche Themen er gerne mit uns umsetzen würde. Aus all dem generieren wir eine Einschätzung, wie hoch das Zuschauerpotential für den entsprechenden Film ist. Dann geben wir unsere eigene Einschätzung ab: Der Film liegt drüber oder drunter. Manchmal vertun wir uns auch ordentlich.

Wann ist das geschehen?

Wir hatten das gerade bei der True-Crime-Geschichte "Making a Murderer". Das ist ein Dokumentarfilm und trotzdem sehr beliebt. Wir haben das vor zwei Jahren angeschoben, und jetzt ist es gigantisch.

Was fasziniert die Leute denn so an echten Kriminalfällen?

Die Frage: Hat er's getan oder nicht.

Aber das ist doch auch die Kernfrage in jedem Krimi.

Ja, aber es ist Fiktion, ohne Wahrheit. Dort geht es um die Absichten des Schriftstellers. Das ist auch ok. Aber das echte Leben scheint faszinierender. Jetzt ist er im Gefängnis. Weil die ihn geleimt haben oder weil er schuldig ist? Meine Frau sagt, die haben ihn reingelegt. Ich finde, dass er schuldig ist. Jeder denkt anders.

Wie kam es, dass Sie sich für "Making a Murderer" entschieden haben?

Ich habe mich nicht dafür entschieden. Für mich wäre das auch zu weit gegangen. Aber ich habe sehr gute Mitarbeiter, und die Regisseure hatten unglaublich viel Material.

Sind weitere True-Crime-Filme geplant?

Klar produzieren wir jetzt weitere.

Morgan Stanley schätzt, dass sie 2016 2,5 Milliarden Dollar ins Programm stecken. Wir lange halten Sie solche Investitionen durch?

Es sind über fünf Milliarden. Und es geht nicht ums Durchhalten. Wir wollen zehn Milliarden ausgeben. Es wird ein paar Jahre dauern, bis wir entsprechend viele Abonnenten haben. Aber wir würden sehr gerne sehr viel mehr Filme in Auftrag geben.

Die hohen Kosten rauben Ihnen nicht den Schlaf?

Wenn es viel kostet, aber viele Leute gucken zu, dann funktioniert das doch. Es kommt auf das Verhältnis von Kosten und Zuschauern an. Aber es stimmt schon. Der Markt ist umkämpft, die Preise steigen. ProSieben und RTL kauften früher viele US-Serien. Aber die Preise dafür haben sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Wir bieten, Amazon bietet. Die Hersteller sind sehr glücklich, diejenigen, die Filme kaufen müssen, weniger.

Bislang produzieren Sie vor allem Serien, Dokumentationen und einzelne, längere Filme. Können Sie sich vorstellen, eine klassische Fernsehshow wie etwa "Das Dschungelcamp" bei Netflix zu produzieren?

Bislang machen wir nur Formate mit genauem Skript. Alles andere haben wir bislang gelassen. Und das werden wir auch noch ein paar Jahre so handhaben.

Worin besteht für Sie die größte Herausforderung für Netflix?

Die globale Expansion zu managen. Wir wollen in Kambodscha so beliebt sein wie in den USA. Aber noch haben wir nur ein minimales Verständnis davon, wie sich der Geschmack in Kambodscha von dem in Thailand oder in Vietnam unterscheidet. Wir müssen viel lernen.

Es gab Gerüchte, Apple wolle Time Warner kaufen, um seine eigene Video-on-Demand-Plattform zu starten. Haben Sie Angst vor Tim Cook?

Nein, Apple zeigt uns auf seinen Apple-TV-Geräten. Die sind ein großartiger Partner.

Sie rechnen nicht damit, dass die zu Konkurrenten werden?

Das kann schon sein, wenn ich auch nicht an einen Zusammenschluss glaube. Aber in unserem Spektrum gibt es so viele Konkurrenten, dass eine Firma mehr, und sei es Apple, nicht auffällt.

Sie haben ein französisches "House of Cards" in Auftrag gegeben: "Marseille". Planen Sie auch eine deutsche Serie?

Absolut. Wir haben uns Deutschland auch schon sehr genau angesehen. Wir hoffen, dass wir demnächst, irgendwann in den nächsten Monaten, eine Ankündigung werden machen können.

Sie wollen ein globaler Anbieter sein. Gleichzeitig sorgen Sie jetzt dafür, dass Tricks nicht mehr funktionieren, die es deutschen Zuschauern erlaubt haben, sich ein amerikanisches Abo zu holen. Wie passt das zusammen?

Wir haben bestimmte Rechte eben nur für die USA und Kanada und dürfen die Filme deutschen Kunden nicht zeigen. Unsere Lösung dafür sind globale Lizenzen, wie etwa bei "How to get away with murder" oder "Gotham". Für alle unsere Eigenproduktionen, außer den ersten beiden, gibt es nun globale Rechte. Und in die Richtung drängen wir auch. Aber die Studios zwingen uns, etwa VPN-Techniken zu blockieren, wenn wir das können.

Bisher haben sie die Trickserei doch auch toleriert.

Nicht bewusst. Wir konnten sie einfach nicht verhindern. Jetzt gibt es Techniken, mit denen das zu funktionieren scheint.

In Europa schlägt US-Techfirmen viel Skepsis entgegen. Google. Facebook. Haben Sie das auch schon erlebt?

Nein, nicht gegenüber Netflix. Wir investieren viel auch in lokale oder regionale Produktionen, wie "The Crown" in Großbritannien. Das hilft.

Sie haben gerade verkündet, 100 Millionen Dollar für Schulen in Kalifornien spenden zu wollen. Warum tun Sie das?

Weil ich's kann. Und weil ich tatsächlich etwas an der öffentlichen Bildung in den USA verbessern möchte.

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  Beamer: Epson ETH-TW5300  Kurz vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich liebäugeln viele Fans mit dem Kauf eines Beamers. Ein guter Tipp ist der ETH-TW5300 von Epson. Der Full-HD- und 3D-Beamer bietet gutes Bild für vergleichsweise wenig Geld (580 Euro).

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Interview: Florian Güßgen
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