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Sky verbietet Bundesliga-Kündigung: So kam ein Kunde trotzdem aus seinem Vertrag

Weil Sky nicht mehr alle Bundesliga-Spiele zeigt, wollen viele Kunden aus ihren Verträgen. Doch der Sender sieht kein Sonderkündigungsrecht. Ein Kunde kam trotzdem aus dem Vertrag - und erklärte uns, wie er das schaffte.

Zwei Fußball-Spieler laufen an einem Sky-Logo neben dem Platz vorbei

Sky steht bei vielen Kunden für die Bundesliga. Jetzt gibt es deswegen Ärger.

Seit dieser Saison zeigt Sky nicht mehr alle Spiele der Bundesliga. Viele Kunden versuchten deshalb, den Vertrag per Sonderkündigung zu beenden. Für die meisten blieb das erfolglos, einer bekam sogar eine schlicht freche Mail eines Sky-Mitarbeiters. Richard D.* hat es aber geschafft. Und erklärte uns, wie er das gemacht hat.

Das Problem der Kunden: Sky sieht wegen der gestrichenen Spiele generell kein Sonderkündigungsrecht. Das Angebot habe sich nicht grundlegend geändert, argumentiert der Sender. Weil ein Teil der Rechte an den Konkurrenten Eurosport ging, mussten 40 Spiele aus dem Programm gestrichen werden. Gemessen an den 612 Spielen, die insgesamt in der ersten und zweiten Bundesliga ausgetragen werden, sei das nur ein Anteil von wenigen Prozent, erklärte Sky auf Nachfrage. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen teilte gegenüber dem stern diese Einschätzung.

Falsche Werbeversprechen

Herr D. sieht das anders. Seiner Ansicht nach erfüllt seine Seite des Vertrages nicht, erklärte er gegenüber dem stern. "Ob man da nun 10, 5 oder 30 Prozent der Spiele nicht zeigt, spielt da für mich als Kunde keine Rolle." Als der Jurist deshalb sein langjähriges Sky-Komplett-Abo im Mai kündigt, erkennt der Sender das zwar an, nennt im Laufe eines Schriftverkehrs, der dem stern vorliegt, aber den 31. Mai nächsten Jahres als frühesten Termin. D. fechtet die Entscheidung sofort an - wegen arglistiger Täuschung.

Sein Argument: Wäre ihm die Sachlage bewusst gewesen, hätte er sein Abo nicht verlängert. Obwohl Sky von den gestrichenen Spielen schon seit Sommer 2016 wusste, habe man die Kunden nicht darüber informiert und sogar weiter mit dem Slogan "Alle Spiele - alle Tore" geworben. Der ist dem Sender mittlerweile per einstweiliger Verfügung untersagt worden.

Den Vorwurf der arglistigen Täuschung lässt Sky natürlich nicht auf sich sitzen. Man habe die Werbung angepasst, heißt es in der Antwort. Eine Anfechtung wegen einer nicht umgestellten Werbemaßnahme sei nicht möglich. Der Sender gibt sich in der Mail selbstsicher: "[Wir sind] überzeugt, dass der Vertrag auch bei Kenntnis der neuen Rechtesituation, in gleicher Weise geschlossen worden wäre."

Am Ende klappt es doch

D. geht daraufhin in die Offensive. Die nicht umgestellte Werbung will er nicht als Grund akzeptieren, die fehlenden Spiele seien ein klarer Sachmangel. Ein telefonisches Einigungsangebot seinerseits, den Vertrag auf einen günstigeren Monatsbeitrag auf Neukundennivau umzustellen, hat der Kundenservice nicht angenommen. Er sehe sich daher zur Klage gezwungen, teilt er dem Sender mit. 

Dann hat Sky wohl genug. Weil er ein langjähriger Kunde sei, akzeptiere man die außerordentliche Kündigung nun doch "aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht", erklärt der Sender in der letzten Mail. Ob Sky damit auf D.s Hartnäckigkeit reagiert oder eine Klage vermeiden möchte, ist nicht nachzuvollziehen.

D. schaut indes wieder Bundesliga - bei Sky. In einem Neuvertrag zahlt er nun 45 Euro weniger im Monat. Ganz so, wie er es Sky angeboten hatte.

*Name von der Redaktion geändert

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