HOME

Neue Optik, rasante Technik: So will Firefox endlich das Comeback schaffen

Jahrelang war Mozillas Firefox in Deutschland der Browser der Wahl. Dann lief Chrome ihm den Rang ab. Jetzt will der Fuchs endlich den Sprung zurück auf die große Bühne schaffen - mit jeder Menge radikaler Änderungen.

Die Stern-Seite in der Mozilla Firefox 57 Nighly

Die überarbeitete Tab-Leiste mit ihren harten Kanten springt sofort ins Auge.

Als Mozillas das erste Mal das Licht der Internet-Welt erblickte, beherrschte Microsofts Internet Explorer praktisch ohne Konkurrenz das Netz. Doch der Firefox war schneller, sicherer und sogar erweiterbar - und die Nutzer wechselten begeistert. Mit dem Aufstieg von Google Chrome kam die Wende. In Deutschland hielt sich der Fuchs noch länger, doch seit Ende letzten Jahres liegt auch hierzulande Chrome ganz vorne. Jetzt will Mozilla das Comeback wagen.

Mit der Firefox-Version 57 sollen drastischste Änderungen in den Browser einziehen. Mozilla schraubt nicht nur an der Technik, sondern will auch den Look das erste Mal seit Jahren kräftig umkrempeln. Seit April 2014 die "Australis" genannten Optik einzog, hat sich der Browser kaum verändert. Jetzt kommt "Photon" - und krempelt Look und Bedienung noch einmal kräftig um.

Das Menü des Mozilla Firefox 57 Nighly

Das Menü des Firefox 57 (rechts) fällt deutlich sachlicher aus als die bisherige Version mit ihren verspielten Symbolen (links)

 

Firefox im neuen Gewand

Das sieht man schon auf den ersten Blick: Nach der runden von Australis zeigt Photon klare Kante. Die Tabs sind scharfkantig statt abgerundet, der Firefox wirkt durch die kleine Änderung deutlich weniger verspielt. Das zeigt sich auch im Menü: Die Kachelsymbole, wie die venezianische Karnevals-Maske als Symbol für den Privat-Modus, gibt es zwar weiterhin. Sie sind aber deutlich geschrumpft und hübschen nur noch als kleines Logo ein trockenes Text-Menü auf. Back to Business, könnte man sagen. 

Die Menü-Symbole an sich haben ebenfalls einen neuen Look erhalten, sie bestehen nun alle aus wenigen Strichen. Besonders gut erkennbar sind sie so aber nicht mehr. Das Lesezeichen-Menü neben der Adress-Leiste wird nun etwa mit vier Strichen bebildert. Erst, wenn man mal drauf drückt, versteht man, dass es sich wohl um Bücher im Regal handeln soll. Gut: Der Nutzer kann selbst bestimmen, welche Shortcuts hier gezeigt werden. Das Symbol für die Startseite und das Neuladen einer Seite wechseln indess die Seite, sie wandern zurück auf ihren früheren Platz links von der Adressleiste. Ob die neue Optik gefällt, ist sicher Geschmackssache. Sie wirkt aber klarer und aufgeräumter.

Das Lesezeichen-Menü des Mozilla Firefox 57 Nighly

Die minimalistischen Symbole sind nicht überall eine Verbesserung. Wer würde ohne Kontext darauf kommen, dass die vier Striche Bücher im Regal darstellen sollen?

 

Quanten-Technik

Auch unter der Haube konzentriert man sich wieder auf das Wesentliche: Nachdem der Firefox jahrelang als extrem schnell galt, wurde er im Laufe der letzten Jahre immer träger. Mit neuen Technologien wie der langsamen Einführung einer Multiprozess- und der finalen Umsetzung der sogenannten Quantum-Technologie soll sich das nun wieder ändern.

Die Multiprozess-Architektur kennen Chrome-Nutzer schon seit Jahren. Sie trennt den an sich und die geöffneten Elemente in einzelne Prozesse auf. Hängt sich ein einzelner Tab auf, bleibt so nicht gleich der Browser stecken. Firefox 57 erweitert das auch noch auf Add-Ons, die nun ebenfalls einen eigenen Prozess bekommen sollen. Das für seine Abstürze berüchtigte Adobe Flash bleibt dann ganz allein hängen, der Rest läuft weiter stabil und schnell.

Quantum dagegen soll die Berechnung der Seiten so optimieren wie nie. Mozilla gibt rasantes Laden, butterweiches Scrollen und eine ruckelfreie Wiedergabe von Medien als Eckpunkte an. Mit Quantum will man die in die Jahre gekommene Gecko-Engine in die Zukunft hieven. Erste Schritte waren schon in den jüngsten Firefox-Versionen enthalten, mit Version 57 soll das erste Mal die vollständige Integration kommen.

Mozilla wirft Add-Ons raus

An einer Stelle gibt es aber einen deutlichen Rückschritt: wirft mit einem Handstreich Tausende Erweiterungen aus dem Programm. Der Grund: Mit Firefox 57 werden nur noch Add-Ons unterstützt, die auf der Webextension-Schnittstelle basieren. Ältere Schnittstellen fallen weg - und damit auch jede Menge älterer Erweiterungen. Bei den Entwicklern hat das bereits bei der ersten Ankündigung 2015 für mächtig Unruhe gesorgt. Weil Webextension eine Zahl von Feature nicht unterstützt, werden sich viele ihrer Projekte nicht portieren lassen. Die Nutzer werden also altgeliebte Erweiterungen verlieren. 

Natürlich hat Mozilla Gründe für die Entscheidung: Als Webextensions erstellte Erweiterungen lassen sich nicht so einfach manipulieren und versprechen so mehr Sicherheit. Zudem verhindern sie ein weit verbreitetes Problem: Veröffentlichte Mozilla eine neue Firefox-Version, waren oft plötzlich einige Erweiterungen nicht mehr benutzbar, weil sich tief im System etwas verändert hatte. Weil Webextensions klarere Regeln haben, sollte das nun nur noch in Ausnahmefällen vorkommen. Nach dem Schnitt werden also weniger Add-Ons vorhanden sein - die funktionieren dafür aber zuverlässiger.

Das Logo des Mozilla Firefox 57 Nighly

Der neue Firefox bekommt auch ein neues Logo. Die merkwürdigen Farben sind allerdings der Vorab-Version geschuldet. Die finale Version wird sicher nicht lila sein. Die Unterschiede am Logo selbst fallen subtiler aus, etwa der weniger zackige Schwanz

Reicht das für ein Comeback?

Wer sich nun auf den neuen Firefox freut, muss sich aber noch in Geduld üben: Aktuell ist der Browser erst bei Version 55, Nummer 57 ist aktuell für den 17. November diesen Jahres geplant. Eine Testversion ("Nightly") lässt sich aber bereits hier herunterladen.

Ob die Änderungen Mozilla wieder an die Spitze bringen können, muss sich zeigen. Die Änderungen beziehen sich nur auf die Desktop-Version, die größten Marktanteils-Verluste musste man aber bei den Mobilgeräten hinnehmen. Das Aufkommen des Smartphones habe man zu lange verschlafen, gab Firefox-Chef Chris Beard vor kurzem im Interview mit "Cnet" zu. Den Thron wird Mozilla wohl nicht mehr erobern: Firefox hat derzeit weltweit einen Marktanteil von etwa 12 Prozent. Konkurrent Chrome kommt auf über 60 Prozent - Tendenz steigend. Vielleicht reicht es aber für einen Platz auf dem Treppchen.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.