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31. Januar 2011, 15:59 Uhr

Enteignet Google!

Die Suchmaschine ist angetreten, das Wissen der Welt allgemein zugänglich zu machen. Doch der Konzern gefährdet das Projekt und stellt den Kommerz an erste Stelle. Larry Page sollte Google den Nutzern schenken. Ein Essay von Peter Ehrlich

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Google sammelt weltweit Daten und vermarktet sie im Netz - demnächst auch vom neuen Bürogebäude in Los Angeles aus© Kevork Djansezian/Getty Images/AFP

Ich habe nichts gegen Google . Die Suchmaschine erleichtert mir die Arbeit. Sie hat den Journalismus produktiver gemacht, wie vorher in den 80er-Jahren der Computer, in den 90ern das Mobiltelefon und die E-Mail. Was für meine Branche gilt, gilt für viele andere auch. Ich bin sonst nicht für Enteignungen.

Wer eine Idee hat, die ihm Milliarden einbringt, soll die Milliarden haben, wenn er sich an die Regeln hält. Das Problem ist nur, dass Google nicht in die Regeln der modernen Marktwirtschaft passt. Google steht an einem Scheideweg. Die Frage lautet: Sollen Informationen stets mit ihrer wirtschaftlichen Nutzung verknüpft werden oder nicht? Ich meine nein. Deshalb muss die Suchmaschine enteignet werden - und in den Besitz ihrer Nutzer gelangen. Wenn die Nutzer das wollen, können sie es sogar durchsetzen.

Fangen wir vorn an: Google ist eine geniale Idee, den Gründern Sergey Brin und Larry Page kann man dafür dankbar sein. In nur einem Dutzend Jahren sind die weltgrößte Bibliothek und das weltgrößte Archiv entstanden. Das Web machte es möglich, dass physisch nichts gesammelt und nichts gekauft werden musste dafür, Google ist der große Katalog, in dem wir binnen Sekunden aus Abertrillionen Informationen für uns relevante heraussuchen.

Doch nun kommt das Aber. Google erschien vielen Bundesbürgern im vergangenen Jahr erstmals als undurchsichtiger Moloch, als sich die Menschen bewusst wurden, dass man ihr Haus und ihre Straße nicht nur einigermaßen grobkörnig aus der Satellitenperspektive (Google Earth) sehen kann, sondern auch die Straßenansicht samt Blumen oder Wäsche auf dem Balkon. Das Unbehagen kam nicht allein daher, dass Google Häuser fotografiert - das darf jeder Tourist. Das Unbehagen kam aus dem Gefühl heraus, dass Google nun Informationen, die wir freiwillig geben, mit Informationen kombiniert, auf die wir keinen Einfluss haben. Wenn Google eine Bibliothek ist, dann ist es eine, bei deren Betreten sich jemand hinter mich stellt, der jeden Schritt und jede Lektüre verfolgt.

Damit will ich nicht sagen, dass Google eine weltweite Stasi ist. Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Google ist eine Firma, die Informationen sammelt, keine geheime Armee. Außerdem weiß Google zunächst ja gar nicht, wer ich bin. Die Maschine kennt nur die IP-Adresse, also den Namen des Computers. Aber auf jedes Endgerät "pflanzt" Google Cookies, die die Suchanfragen der IP-Adresse zuordnen und speichern. Bei der nächsten Suche findet die Maschine das Gewünschte dann oft schneller. So lernt Google das Sucherverhalten seiner Nutzer kennen.

Das größere Problem bei Google ist, dass die Firma erheblich dazu beiträgt, dass immer mehr Daten kommerziell genutzt werden können. Google durchsucht Mails seines kostenlosen Dienstes Gmail nach werberelevanten Begriffen. Google hat für Betreiber anderer Webseiten Google Analytics entwickelt, das nach Ansicht deutscher Datenschützer gegen deutsche Gesetze verstößt. Google Analytics speichert und untersucht die Aktivitäten von bestimmten IP-Adressen.

Peter Ehrlich ...

Peter Ehrlich ... ... leitet das Brüsseler Büro der "Financial Times Deutschland". Er googelt fast täglich, ist aber auch Fan gedruckter Bücher und schmökert gern in seinem antiquarisch erworbenen "Petit Larousse" von circa 1905.
Foto: FTD/Marco Urban

 
 
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