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10. August 2009, 19:40 Uhr

Das Ende der E-Mail naht

Rund 90 Prozent aller E-Mails sind ärgerlicher Spam. Die Technik ist veraltet. Längst gibt es leistungsstärkere und praktischere Nachfolger. Wie wir morgen elektronisch kommunizieren werden. Von Felix Disselhoff

E-Mail, Facebook,

Was sagt die Kristallkugel über die Zukunft der Mail?© Colourbox

Ursprünglich sollte uns die E-Mail das Leben vereinfachen. Menschen sollten schneller und ungezwungener miteinander kommunizieren können. Das war in grauer Vergangenheit, genauer im Jahr 1971, als der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson die erste E-Mail der Welt an seine Kollegen schickte.

In Deutschland feiert die E-Mail immerhin schon ihr 25-Jähriges. Mit einem leicht fehlerhaften "Wilkomen!" begrüßten die US-Wissenschaftler vom Computer Sciene Network vor einem Vierteljahrhundert ihre Kollegen an der Universität Karlsruhe. Sechs Stunden brauchte die Mail damals von Kalifornien an den Oberrhein.

Mittlerweile werden täglich rund 200 Milliarden Mails verschickt. Ganze 180.000.000.000, also rund 90 Prozent davon, sind Spam. Mails, die niemand lesen möchte, landen Tag für Tag in den Briefkästen der Nutzer. Ein Konstruktionsfehler sorgt dafür, dass das Web an digitaler Verschmutzung leidet. Egal, ob als harmlose Spam oder mit Computerviren verseucht: Die E-Mail-Kommunikation steckt in einer ernsthaften Krise.

Die Spam-Misere

Paul Ferdinand Siegert, der sich an der Leuphana-Universität Lüneburg dem Thema Kulturinformatik widmet, erklärt das Problem so: Die ersten Mail-Systeme der 1970er Jahre waren so konstruiert, dass keine Überprüfung des Absenders vorgesehen war. Der Forscher nennt das "einen gravierenden Fehler". Doch dieser wurde nicht behoben. Bis heute verzichtet das Protokoll zum Senden einer E-Mail auf die genaue Überprüfung des Absenders. Ein Konstruktionsfehler im so genannten SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) hat die digitale Kommunikation also fast 30 Jahre lang geprägt. Inzwischen arbeiten Spezialisten an der Beseitigung der Probleme.

Doch die liegen nicht nur in der Technik. Soziale Netzwerke und die Möglichkeit, mit mobilen Endgeräten ständig und überall online zu sein, machen Mails zunehmend überflüssig. Wie überflüssig, verdeutlicht ein kleines Gedankenspiel. Vergleichen Sie doch ein für Sie wichtiges Dokument in einer Mail mit einer Cola, die sie gerne trinken möchten. Würden Sie erst auf einen Anruf des Supermarktes warten, der Sie über das Eintreffen der Cola-Lieferung benachrichtigt, um sich auf den Weg zu machen, die Cola zu kaufen, sie zu Hause in den Kühlschrank zu stellen, um sie dann Stunden später trinken zu dürfen? Wohl kaum. Doch ähnlich umständlich kommunizieren wir alle per Mail. So bekommen Sie erst eine Meldung, dass eine Nachricht eingetroffen ist. Nach dem Öffnen des Mail-Programms lesen Sie die Mail. Das ist zeitraubend und aufwändig. Vor allem für den Arbeitsalltag braucht die Mail aus ökonomischer Sicht längst eine Generalüberholung.

Das zeigen auch aktuelle Zahlen. Instant Messenger wie Skype und Icq werden von Millionen genutzt, die Mail entwickelt sich bei den Jungen zum Auslaufmodell. Bei den 14- bis 29-Jährigen konkurriert die klassische E-Mail mittlerweile mit den Echtzeit-Technologien: Fast jeder zweite Surfer (45 Prozent) zwischen 14 und 29 Jahren unterhält sich lieber via Chat mit anderen. Messaging-Dienste nutzen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren besonders häufig - 94 Prozent der Mädchen und 86 Prozent der Jungen versenden Sofortnachrichten im Web (Quelle: Bitkom 2009). Und gerade Applikationen wie Nimbuzz oder Fring für das Iphone verbinden gleich mehrere Messenger auf einem Smartphone.

Seite 1: Das Ende der E-Mail naht
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