So spielt sich die neue Konsole

6. Juni 2012, 11:37 Uhr

Zombies, Superhelden, Mario: Die ersten Spiele für Nintendos neue Konsole Wii U zeigen, wie gut das neue Gamepad ist und wie es selbst bekannte Spiele völlig neu erfinden kann. Von Carsten Görig, Los Angeles

Selber spielen ist das Beste. Vor allem dann, wenn man gerade eine Pressekonferenz hinter sich gebracht hat, in der es einer Firma nicht gelungen ist, ihr neues Produkt zu erklären. Nintendo hat genau das geschafft: Trotz aufwändiger Präsentation verstand kaum einer der Anwesenden, was die Nintendo Wii U wirklich kann. Wie man mit dem neuen Gamepad spielt. Und was für kreative Möglichkeiten es eröffnet. Beim Vorgänger, der Nintendo Wii, war das einfacher: Deren Controller sah aus wie eine Fernbedienung, hatte wenig Knöpfe und wurde einfach geschwungen, um zum Tennisschläger, Lenkrad oder Gewehr zu werden. Alles war selbsterklärend.

Ich verstehe nur Bahnhof

Das ist bei der Wii U deutlich anders. Auf den ersten Blick sieht das Steuerungsgerät aus wie ein Tablet-Computer mit vielen Knöpfen. Sehr vielen. Es ist sozusagen ein kleines iPad mit Steuerungsknüppeln und jeder menge Buttons. Dazu kommen Mikrofon und Kamera und im Inneren werkeln Bewegungs- und Beschleunigungssensoren. Viele Elemente, die so lange verwirren, wie man versucht, sie ohne Spiel zu verstehen. Legt man aber selbst Hand an, überrascht, wie gut das große Gerät in der Hand liegt, wie leicht sich alle Knöpfe erreichen lassen.

Viele Bedienelemente sind aber nicht deshalb gut, weil sie gut in der Hand liegen. Sie sind erst dann gut, wenn Spieleentwickler damit sinnvolle Sachen gestalten und sie möglichst unauffällig einsetzen. Zumindest in den ersten Spielen scheint das gelungen zu sein. Am besten vielleicht bei "Nintendoland", einem virtuellen Vergnügungspark, in dem sich verschiedene Minispiele befinden, die auf bekannten Nintendomarken wie "The Legend of Zelda", "Donkey Kong" oder "Animal Crossing" basieren. Sie sind hauptsächlich dafür da, das neue Gamepad zu erklären und zu zeigen, was damit möglich ist. Und das ist eine Menge.

Einer gegen alle

Das Spiel zeigt eindrucksvoll, was Nintendo unter dem viel zitierten "asynchronem Gameplay" versteht: Wenn mehrere Spieler gemeinsam spielen, haben nicht alle das gleiche Ziel. Die Verteilung auf verschiedene Bildschirme macht es möglich. So sammeln in "Sweet Days" vier Spieler auf dem Fernsehbild Süßigkeiten, während der fünfte auf dem Gamepad-Bildschirm die Mitspieler jagt. Im Grunde nichts anderes als das Kinderspiel "Fangen", aber charmant umgesetzt und durch die verschiedenen Perspektiven sehr spannend.

Das auf "Donkey Kong" basierende "Crash Course" lässt Spieler durch ein Leitern- und Röhrensystem navigieren, indem die Bewegungssensoren im Gamepad Plattformen bewegen. "Nintendoland" wird sicher das Spiel sein, mit dem die meisten Wii-U-Käufer ihre Konsole kennenlernen - und viel einfacher und effektvoller könnte es kaum sein. Die meisten anderen Wii-U-Spiele, die auf der E3 spielbar sind, konzentrieren sich eher auf einzelne Aspekte des Controllers. "Batman: Arkham City" zum Beispiel, eines der besten Spiele des letzten Jahres, wurde an die neue Steuerung angepasst und benutzt vor allem den zusätzlichen Bildschirm mit Touchfunktion. Während auf dem Fernseher das normale Spielbild zu sehen ist, fungiert das Gamepads als Karte, Auswahlbildschirm für Ausrüstung oder Lenkung für den Batman-Bumerang. Nach kurzer Umgewöhnung funktioniert das ganz hervorragend und vereinfacht in vielen Fällen die Steuerung und Orientierung.

Auch "Rayman Legends", eine Weiterentwicklung des letztjährigen "Rayman Origins", nutzt den Touchscreen. Dieses Wii U-Spiel lässt zwei Spieler zusammenspielen. Einer hüpft mit Rayman auf dem Fernseher durch die Level, während ein anderer mit dem Finger auf dem Touchscreen Hindernisse aus dem Weg räumt, Seile durchschneidet oder Gegner wegschnippt. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch "New Super Mario Bros Wii U". Ein Spieler steuert Mario, der andere malt Kissen in die Luft,von denen der kleine Klempner noch höher springen kann. Oder er löst sie schnell wieder auf, um den Mitspieler in die Tiefe stürzen zu lassen. Ein wenig Häme und Schadenfreude darf schließlich in keinem "Mario"-Spiel fehlen.

Die Zukunft des Gamings?

In "Pikmin 3", dem lang erwarteteten neue Teil der Strategiespielreihe, in dem ein gestrandeter Astronaut kleine Blumenwesen steuert, fungiert das Gamepad als Karte. Per Fingertipp kann der Spieler schnell an verschiedene Punkte des Levels springen. Die Steuerung per Bewegungssensor dagegen bereitet anfangs große Probleme. Aber dafür lässt sich zum Glück noch der herkömmliche Wii-Controller einsetzen.

Was in Nintendos Präsentation schwierig und sperrig klang, ist in Wirklichkeit ein sehr überzeugendes Konzept, das neue Wege für Spiele aufzeigen kann. Ein Konzept, das ahnen lässt, dass es in der nächsten Konsolengeneration nicht nur um Rechenleistung, sondern auch um neue Arten von Steuerung geht, die Spiele noch besser, noch intensiver erleben lassen. Die Wii U ist ein wichtiger Schritt dahin.

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