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1. November 2009, 10:43 Uhr

Vom Spielbrett auf die Straßen

"Scotland Yard" als Handygame: Die Uni Bonn hat gemeinsam mit T-Labs ein Spielkonzept entwickelt, bei dem Virtualität und Realität verschmelzen. So kann bei "Mister X mobile" jeder Gauner oder Detektiv auf der Straße spielen. Von Dennis Voth

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Auf einem Stadtplan im Handy werden die Positionen von Detektiven und Mr. X angezeigt© T-Labs

Können Sie sich noch an den 80er-Jahre Brettspielklassiker "Scotland Yard" von Ravensburger erinnern? Das Spielkonzept ist so genial wie einfach: Bis zu fünf Detektive jagen den mysteriösen "Mister X" durch London und versuchen ihn zu stellen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Doch Mister X taucht nur ab und zu auf und ist deshalb schwer zu fassen.

Den Telekom Laboratories (T-Labs, die Forschungsabteilung der Deutschen Telekom) und der Universität Bonn ist es jetzt gelungen das Konzept als Mehrspielerspiel (Multiplayergame) auf dem Handy umzusetzen. "Mister X mobile" heißt es. Den Entwicklern ist es auf geniale Weise gelungen, die virtuelle Spielebene des Handybildschirms mit der Realität zu verknüpfen. Und so wird man in diesem Handygame selbst zu Mister X oder Detektiv, und aus dem Brettspiel am Wohnzimmertisch wird eine spannende Hatz durch die Straßen einer echten Stadt. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein Riesenspaß.

"E-Mail" und die Detektive

Die Schnittstelle zwischen den maximal sechs Spielern bilden Smartphones, auf denen "Mister X mobile" installiert ist. In unserem Testszenario waren dies "T-Mobile G2 Touch"-Geräte. Aber auch auf Apples iPhone und einigen Nokia-Geräten soll das Spiel problemlos laufen. Wichtig ist, dass die Handys der Teilnehmer einen GPS-Empfänger, einen Internetzugang und einen Bewegungssensor haben. Dabei bestimmt das GPS-Modul via Satellit die Position eines jeden Mitspielers und übermittelt diese per Internetverbindung an einen zentralen Server. So werden permanent die exakten Aufenthaltsorte aller Beteiligten ermittelt. Kleine Symbole zeigen die Mitspieler auf einer GoogleMaps-Umgebungskarte an. Einzig das Symbol von Mister X wird nur alle paar Minuten aktualisiert, so dass seine Position nicht wirklich bekannt ist. Und das ist wie beim Brettspiel schließlich auch der Sinn des Ganzen. Der Bewegungssensor hat eine ganz spezielle Aufgabe und kann für Mister X unangenehme Folgen haben: Denn setzt einer der Detektive das so genannte Magnet-Gadget - eine Funktion im Spiel - ein, steht die Karte von Mister X für drei Minuten auf dem Kopf, egal wie er das Telefon auch dreht und wendet. Und auch die gute alte Telefonfunktion kommt zum Einsatz: So können die Detektive untereinander einzeln oder in einem einminütigen Konferenzgespräch ihre Strategie besprechen.

Auf der Flucht

Kurz nach dem Start des Spiels ist Mister X bereits auf der Flucht vor den Detektiven - ihm werden drei Minuten Vorsprung gewährt. Das ist exakt die Zeit, die wir als Intervall für die Aktualisierung seines Symbols auf der Karte voreingestellt haben. Vor Beginn des Spiels werden alle Regeln festgelegt, sowie auch das Spielareal. In unserem Fall ein Kilometer um den Startpunkt. Verlässt Mister X diese Zone, ist sein Symbol permanent zu sehen und er leichte Beute.

Der Gejagte hat in den ersten drei Minuten schon ordentlich Strecke gemacht. Vor dem Start der Hatz eine kurze Besprechung unter den Detektiven: Wir verabreden die Taktik und beschließen in alle Richtungen auszuströmen. Ihn zu verfolgen würde keinen Sinn machen da er die Detektive ja ständig auf der Karte sehen kann. Also besser einkesseln und dann fangen, so ist der Plan.

Ich setze ein spezielles Gadget ein: Die virtuelle Tarnkappe lässt mich für dreißig Sekunden von der Bildfläche verschwinden. Für Mister X bin ich dadurch auf der Karte unsichtbar. Und so sprinte ich in eine Richtung, die mir verspricht, ihm über kurz oder lang den Weg abzuschneiden. Doch wie ich bei der nächsten Aktualisierung seiner Position feststelle, hat er inzwischen die Richtung gewechselt.

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