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10. Juni 2008, 11:49 Uhr

Donadoni droht der Rauswurf

Der Weltmeister am Boden: Nach der schmachvollen Auftaktniederlage der "Squadra Azzurra" fordert die italienische Presse bereits den Kopf von Trainer Roberto Donadoni. Auch intern rumort es beim Weltmeister. Milan-Profi Andrea Pirlo äußerte sogar öffentliche Kritik an der Taktik.

Verspürt massiven medialen Gegenwind: Roberto Donadoni nach der Auftaktniederlage gegen die Niederlande© Shaun Botterill/Getty Images

Mamma mia, was für ein Disastro! Nach der höchsten italienischen EM-Niederlage droht dem Titelfavoriten bereits das frühe Aus - und Trainer Roberto Donadoni der Rauswurf. Vor dem "Schicksalsspiel" gegen Rumänien in Zürich wird der unglückliche Nachfolger von Weltmeister-Trainer Marcello Lippi bereits als Totengräber der "Squadra Azzurra" beschimpft: "Gebt uns Lippi zurück!", forderte "Tuttosport" nach dem 0:3-Desaster gegen die Niederlande am Dienstag. "Scusi - das war das schlimmste Spiel seit zwölf Jahren", entschuldigte sich Torwart Gianluigi Buffon in Namen des Teams bei den Fans.

Klare Worte, die die "Tifosi" von Donadoni vermissten. Stattdessen versuchte der Coach, die Pleite schönzureden. "Holland hat uns nicht beherrscht", meinte er. Donadoni widersprach damit den eigenen Spielern und brachte seine Kritiker noch mehr in Rage. Dass er eine "schmerzliche Niederlage" einräumte, von einer "schlimmen Nacht" sprach und ein "Aufbäumen" in Aussicht stellte, konnte die Wut nicht mildern. "Disastro Donadoni", titelte der "Corriere dello Sport". Italien habe "eines Weltmeisters unwürdig" gespielt, klagte "La Gazzetta dello Sport". Donadoni sei "konfus" und habe "viel zu spät reagiert".

Andrea Pirlo kritisiert die späten Wechsel

Die Jagd auf den 44 Jahre alten Coach ist eröffnet, und sogar aus dem Team kommt Kritik: "Die Wechsel hätten früher kommen müssen", zitierte "La Gazzetta" Mittelfeldspieler Andrea Pirlo. Donadoni brachte Serie-A-Torschützenkönig Alessandro Del Piero und Stürmer Antonio Cassano erst spät in der zweiten Halbzeit. So offene Kritik des sonst eher zurückhaltenden Mailänders beweist: Es brennt lichterloh bei den "Azzurri".

Den Fans im Stadion waren schon nach wenigen Minuten ihre "Campioni del Mondo"-Sprechchöre im Halse stecken geblieben. Ohne den mit einem frisch operierten Bänderriss auf der Bank sitzenden Abwehrchef Fabio Cannavaro war Italiens einst unüberwindbares Bollwerk löchrig wie nie. Marco Materazzi konnte den Weltfußballer des Jahres 2006 ebensowenig ersetzen wie Christian Panucci nach dem Wechsel. Innerhalb von 53 Minuten kassierten die "Azzurri" mehr Tore als während der gesamten WM vor zwei Jahren. Cannavaro hätte am liebsten seine Krücken weggeworfen, um selbst zu verteidigen.

In der Niederlage vereint

Der Real-Star ist offenbar nicht zu ersetzen. Deshalb hegt "La Gazzetta" kaum Hoffnungen: "Buona notte, Little Italy". "Mit einem Sieg gegen Rumänien ist wieder alles offen", sagte dagegen Bayern Münchens Stürmerstar Luca Toni nach der "wirklich hässlichen Niederlage" kämpferisch. Das Team müsse nun zusammenstehen, meinte auch Del Piero: "Wir sind bei Siegen vereint, dann müssen wir es auch nach Niederlagen sein."

Donadoni versprach Italiens Comeback: "Wir werden aus unseren Fehlern lernen und an unseren Schwächen arbeiten. Dann zeigen wir, was wir können." Das 0:0 zwischen Frankreich und Rumänien komme seinem Team gelegen, sagte der Coach. "Im Nachhinein bin ich froh, dass sie unentschieden gespielt haben. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und uns optimal auf das Spiel gegen Rumänien vorbereiten."

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
albundy69 (11.06.2008, 08:49 Uhr)
Lehmann und Donadoni
ALLE BEIDE RAUS ¦
Perof (11.06.2008, 06:51 Uhr)
Badesaison am Mittelmeer
Ich gönne den Italienern einen feinen Sommer mit viel Freizeit.
Ich hoffe diese sehr schmutzig spielenden "Mannen" gehen bei dieser EM frühzeitig baden!
AlterEgo (10.06.2008, 14:56 Uhr)
Wow,
der Mann, der verlauten lässt:
- Holland hat uns nicht beherrscht.
Erklärt im gleichen Atemzug:
- Wir werden aus unseren Fehlern lernen.
Wenn er den nur wüsste, von welchen Fehlern er redet. Der Hauptfehler des Squadra ist das italienische System. Ohne Kreativ-Leistung hinten stehen und auf Fehler des Gegners oder eine Fügung des Glückes (Elmeter in Minute 95) zu hoffen ist heutzutage einfach zu wenig.
Und dann erklärt Donadoni noch:
- Im Nachhinein bin ich froh, dass sie unentschieden gespielt haben.
Sorry.
Gegen die Rumänien muss die Squadra das Spiel machen (Zuletzt gesehen in der Verlängerung des Halbfinal gegen GER) und die können in typisch italienischer Manier hinten stehen und kontern.
Hat der noch nicht bemerkt, dass die Franzosen am Freitag nach den Italienern spielen und sich mit den Holländern ein Ergebniss nach Mass (am wahrscheinlichsten wieder 0:0)zustecken können?
Sollte jedoch nach all dem die Squadra doch noch mal den Kopf aus der Schlinge bekommen verliere ich endgültig den Glauben an den Fussballgott oder die spielen auf einmal offensiv und erhalten meine Gratulation.
Schaun mer mal.
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