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25. März 2010, 10:27 Uhr

Neue Studie stellt Screening infrage

Brustkrebs, Mammographie, Mammographie-Screening, Krebs, Krebs-Studie, Medizin

Bevor eine Frau zum Mammographie-Screening geht, sollte sie sich gut über Nutzen und Schaden informieren© Colourbox

Fehldiagnosen und unnötigen Operationen

Für die Fachärztin Ingrid Mühlhauser, die an der Universität Hamburg Gesundheitswissenschaften lehrt und mehrere Arbeiten über Früherkennungsuntersuchungen, darunter auch zur Mammografie, veröffentlicht hat, sind die Ergebnisse der dänischen Studie wenig überraschend. "Für einzelne Frauen hat das Screening unbestreitbar einen Nutzen", sagt sie. "Daneben kommt es allerdings zu Fehldiagnosen und unnötigen Operationen, Chemotherapien und Strahlenbehandlungen, bei denen Tumore bekämpft werden, die nie Probleme bereitet hätten." Laut einem ebenfalls von Peter Goetzsche, dem Autor der aktuellen Untersuchung, verfassten Cochrane-Review wird unter 2000 Frauen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren zum Mammographie-Screening gehen, das Leben einer Frau dadurch verlängert. Gleichzeitig werden zehn gesunde Frauen als Brustkrebspatientinnen eingestuft und fälschlicherweise behandelt. Auf die etwa zehn Millionen Frauen bezogen, die in Deutschland zum Screening eingeladen werden, hieße dies laut Mühlhauser: Über zehn Jahre hinweg würde das Leben von 5000 Frauen verlängert, 50.000 erhielten in diesem Zeitraum allerdings eine ungerechtfertigte Diagnose und Behandlung und bei zwei Millionen Frauen käme es zum Verdacht, der durch eine weitere Untersuchung, zum Beispiel eine Gewebeprobe, abgeklärt werden müsse. "Als Frau werden sie nie feststellen können, ob sie zu den Personen zählen, bei denen es sich um eine Überdiagnose handelt oder zu den seltenen Fällen, denen einen frühe Diagnose und Behandlung tatsächlich das Leben gerettet hat", sagt sie. Manche der behandelten Frauen wären jedenfalls ohne Screening nie zu Brustkrebspatientinnen geworden.

Trotzdem haben der Gemeinsame Bundesausschuss und die Kooperationsgemeinschaft Mammographie Ende 2009 eine erste, positive Bilanz des Screenings in Deutschland gezogen. Seit Beginn seien wesentlich mehr Tumore entdeckt worden, darunter doppelt so viele kleine. Ob dies wirklich ein reiner Vorteil ist, bezweifelt Mühlhauser. "Allein das Aufdecken von immer mehr Brustkrebs hat keinen Nutzen, solange nicht klar ist, welche dieser Krebse tatsächlich gefährlich werden." Zudem: "Je genauer man untersucht, desto mehr Überdiagnosen bekommt man auch."

Der Nutzen wird überschätzt

Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hält das deutsche Mammographie-Screening grundsätzlich für sinnvoll. "Die Teilnahme an dem Programm senkt das Sterberisiko um etwa 35 Prozent", sagt er. Auf den ersten Blick klingt diese Reduktion genauso beeindruckend wie die um 25 Prozent, die in der Studie aus dem Jahr 2005 postuliert wird. Die absoluten Zahlen, die sich hinter den Prozentwerten verbergen, sind allerdings hilfreicher. "Sterben von 1000 Frauen in zehn Jahren acht ohne Screening und wären es mit Screening im selben Zeitraum sechs, dann sind sechs statt acht rechnerisch eine Senkung um 25 Prozent", sagt Mühlhauser. "Bezogen auf 1000 Frauen senkt die Mammographie das Sterblichkeitsrisiko allerdings nur um 0,2 Prozent."

Die frühe Diagnose eines Tumors verringere nicht nur das Sterberisiko einer Frau, sie ermögliche Ärzten oft auch ein schonenderes Vorgehen - etwa eine schwächer dosierte Chemotherapie oder eine brusterhaltende Behandlung, sagt Becker, der die neue Studie als methodisch mangelhaft bezeichnet. Allerdings betont er: "Man sollte Frauen schon vor dem Screening darüber aufklären, dass sich acht bis neun von zehn Verdachtsfällen als harmlos erweisen."

Soll nun aber eine Frau zur Mammographie gehen oder nicht? "Sie muss sich auf jeden Fall über Nutzen und möglichen Schaden im Klaren sein", sagt Mühlhauser. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigen drei aktuelle Untersuchungen, auf welche die Ärztin verweist. Demnach überschätzen deutsche Frauen den Nutzen des Screenings massiv. "Mehr als 60 Prozent glauben, dass sie durch die Teilnahme Brustkrebs verhindern oder ihr Erkrankungsrisiko reduzieren können", sagt Mühlhauser. "Das ist allerdings gar nicht möglich."

Mit APN
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KOMMENTARE (10 von 16)
 
ohne_Placebo (26.03.2010, 12:34 Uhr)
Was mich an der Studie in Dänemark stört
sind die Kollektive: Der Vergleich von Stadt zu Land. Von Angehörigen eines Cochran-Zentrums sollte man eigendlich ein besseres Vergleichskollektiv erwarten können. Da hat man viel zu viele unberechenbare Einflussfaktoren, da die Umweltbedingungen komplett anders sind.
Hygieia (25.03.2010, 16:38 Uhr)
@AK_Teren guter Hinweis!
Die Gesellschaft für Strahlenschutz warnte schon 2001 in ihrer Broschüre 'Brustkrebsfrüherkennung Ja, Reihenuntersuchung mit Mammographie Nein!', die hier
http://www.gfstrahlenschutz.de/docs/mamscr.pdf

heruntergeladen werden kann vor den Folgen der Strahlenbelastung durch Mammographien und durch Computertomographien des Oberkörpers ( S. 29 ).

Jede hat die Freiheit diese Warnungen ernst zu nehmen und sich entsprechend zu verhalten.

Wenn wir unseren Lebensstil so anpassen, dass weniger ( Krebs- ) Krankheiten auftreten, dann nützen wir nicht nur uns selbst, indem wir weniger leiden müssen, sondern auch der Gemeinschaft aller Versicherten, die dann geringere Beiträge für Krankheiten zahlt.

Noch erstrebenswerter ist ein Leben in optimaler Gesundheit. Es ist durch die Übernahme der Verantwortung für sich selbst und eine kluge Lebensführung möglich.
Ak_Teren (25.03.2010, 14:07 Uhr)
@ Hygieia
Das Röntgen und die Computertomographie verursachen ebenfalls Strahlenbelastung und werden ebenfalls häufig zur Diagnoseüberprüfung hinzugezogen. Sie sind in dem Sinne nicht "nötig", sondern dienen nur der Versicherung.
Ebenfalls unnötige Strahlenbelastung?
Verzichten SIE auf Langstreckenflüge? Denn da verstrahlen Sie Ihren Körper gründlicher als mit einigen Röntgenuntersuchungen.
Aber da steht sicher auch die böse Gerätelobby dahinter.
Kaufen Sie nur Autos ohne diese teuren, nervigen, unsicheren Airbags? Denn die bergen auch ein gewisses Risiko und schützen nur begrenzt. Nutzlos, weg damit. Könnte ja was passieren.
Geländer an Brücken? Da muss sich doch eh nur jeder 1000ste dran festhalten, also weg damit, ziehen wir der Stahl-Lobby die beine weg.

Merken Sie was?
Es soll wirklich noch Leute geben, die sich um die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitmenschen Gedanken machen.
Aber Verschwörungstheorien sind da viel bequemer, ich weiß.
Hygieia (25.03.2010, 13:39 Uhr)
@ Ak_Teren - netter Versuch
Es geht hier um ein Screeningverfahren, das unter Einsatz von Strahlung durchgeführt wird, die in sich selbst krebserzeugend ist. Wie sinnvoll ist das bitte?

Es wurde ein Verfahren herausgepickt, das lukrativ für Gerätehersteller und andere Leistungserbringer ist. Deshalb hat es eine starke Lobby. Und nicht, weil es vor einer Krebserkrankung schützt ( Vorsorge ).

Es gibt Methoden, mit denen ohne Strahlenbelastung nach Gewebeveränderungen in der weiblichen Brust gesucht werden kann.Nur: was hat man dann? Eine Gewebeveränderung. Die nichts darüber aussagt, ob eine Frau einmal an Krebs erkranken wird oder bereits an Krebs erkankt ist.

Es gibt Studien, bei denen in Obduktionen nach Gewebeveränderungen der weiblichen Brust gesucht wurde. Bei diesen Frauen war in den Krankenakten nichts vom "Ausbruch einer Krebserkrankung" enthalten. D.h. die Gewebeveränderung taugt als Vorhersage für eine Krebserkrankung nicht.
Sie taugt für die Produktion weiterer Kosten für weitere Laboruntersuchungen und "Behandlungen". Mit sehr sehr fragwrüdigem Nutzen für die "behandelte" Frau. Bringt ihr die Mammographie _Heilung_ oder Schutz vor einer Krebserkrankung wie es sie glauben gemacht wird? Nein!
simbadische (25.03.2010, 13:36 Uhr)
@ Hygieia
Vielen Dank für diesen hochqualifizierten Beitrag !

Keiner der an "Vorsorge" verdient weist auf die damit verbundenen Risiken hin.

Und jeder Arzt will das machen , was man machen kann.

Und (fast) jeder Patient will das haben, was die Medizin machen kann.

Kaum einer fragt nach Lebensqualität.

Ak_Teren (25.03.2010, 13:26 Uhr)
@ alle Aufreger
Bitte alle erstmal durchatmen.
Ja, es ist fragwürdig, warum Ärzte Daten von wildfremden Personen bekommen. Da würde ich mich auch aufregen. wenn ich von einem Urologen eine Einladung zum Prostata-Screening bekommen würde würde ich auch erstmal stutzen und nachbohren, wo der meine Daten herhat.
Soweit, so schlecht.
Aber was, bitte, soll die Aufregung um das Screening an sich?
Das Screening ist nur ein Anhaltspunkt, ein Aufhänger, bei dem bei positivem oder unklarem Befund viele weitere Untersuchungen folgen. Erst dann wird eine Diagnose gestellt. Ja, unklare oder besorgniserregende Befunde lassen einen grübeln, sich Sorgen machen, sich selbst hinterfragen.
Ist die Diagnose schlecht für euch, freut euch das es überhaupt entdeckt wurde und (zumeist) behandelt werden kann. Ist die Diagnose gut für euch, freut euch darüber, das ihr Gewissheit habt.
Das Screening dafür verantwortlich zu machen, ist kindisch.
Zum Zahlenspiel:
Jedes Leben zählt. Als Beispiel: Seit 1966 werden in Deutschland Neugeborenenscreenings auf Phenylketonurie durchgeführt. Bei JEDEM Säugling. Bei 15-20 auftretenden Erkrankungen im Jahr (bei 685000 geburten im Jahr 2007) ist das ein erheblicher finanzieller Aufwand. Sollen wir dieses Screening auch einstellen, weil es nur die Pharmaindustrie füttert?

Gegen Screenings sind nur diejenigen, die selber nicht betroffen sind oder diejenigen, die leider schlechte Erfahrungen machen mussten.

Screenings retten Leben.
Hygieia (25.03.2010, 13:04 Uhr)
Nicht einen Tumor mit dem Krebs verwechseln!
Eine Krebserkrankung kann viele Ursachen haben und betrifft den gesamten Körper. Ein Tumor _kann_ ein Symptom einer Krebserkrankung sein.
Mit der Mammografie werden Gewebeveränderungen sichtbar gemacht, die auf dem Röntgenbild als Schatten erscheinen. Die Durchstrahlung gibt keine Auskunft darüber, was der Schatten ist.

Die Bezeichnung: "Vorsorge" für die Mammographie ist nicht korrekt. Wenn es sich um eine Vorsorge handeln würde, dann wäre nach der Durchstrahlung eine Krebserkrankung weniger wahrscheinlich.
Da die Durchstrahlung aber in etwa die Strahlenbelastung des fall-outs einer Atombombe hat, wie das Bundesamt für Strahlenschutz vor einigen Jahren in einem Gutachten ( das jetzt niht mehr online ist ) ausführte, kann damit keinem Krebsrisiko vorgebeugt werden, sondern das Krebsrisiko steigt mit jeder Mammographie.
Auch die _Behandlung_ von Frauen, auf deren Mammographieaufnahmen sich Schatten gezeigt haben, mit Chemotherapie steigert das Risiko an Krebs zu erkranken. Denn Chemotherapiemedikamente sind starke Kanzerogene ( krebsauslösende Substanzen).
Einer Krebskrankheit kann frau damit vorbeugen, dass sie krebsauslösende Faktoren so weit wie möglich vermeidet. Also keine kanzerogenen Medikamente einnimmt, krebsauslösende chemikalien auf und im Essen und in Körperpflegemitteln vermeidet und keine krebsauslösenden Prozeduren über sich ergehen lässt. Auch langandauernder seelischer oder körperlicher Missbrauch kann sich nach Jahren in einer Gesundheitsabweichung zeigen, die von Ärzten als Krebserkrankung diagnostiziert wird.
Was ist eine Krebserkrankung, wenn sie nicht der Tumor ist?
Eine Krebserkrankung zeigt sich - wenn man nachschaut - als Zusammenbruch des Stoffwechsels. D.h. der Stoffwechsel arbeitet dann nicht mehr wie beim gesunden Menschen. Wenn man bei einem Krebskranken die Körperflüssigkeiten analysiert, zeigt sich, dass sehr viele Inhaltstoffe stark von denen gesunder Menschen abweichen. Zum Beispiel sind Krebskranke sehr oft im Mangelzustand bei vielen Nährstoffen. Wie zum Beispiel Vitaminen.
Wäre es da nicht logisch diese Mängel zu beheben? Und nachzuschauen, welche Faktoren in der Lebensführung den Stofwechsel und die Seele so ins Ungleichgewicht gebracht haben? Und dieses Ungleichgewicht zu beheben? Es hat Frauen gegeben, die eine Partnerschaft beendet haben, um ihr Leben zu retten.

Und noch etwas: wenn Männer aufgefordert würden ihre Hoden unter grossem Druck zwischen zwei Glasplatten zusammenpressen und mit krebserregenden Strahlen durchleuchten zu lassen, würden sie den Screeningärzten den Vogel zeigen und es gäbe schon längst andere Untersuchungsverfahren. Tatsache ist: für Männer gibt es andere Untersuchungsverahren. Für Frauen auch. Aber die werden nicht von den kranken Kassen bezahlt. Es lohnt sich darüber nachzudenken, was wir Frauen mit uns machen lassen.Wollen wir lohnende Objekte für allerlei Praktiken sein, die uns nicht nützen? Und dann schalten wir das eigene Hirn ein und säubern uns Leben von krebsfördernden Faktoren und (Miss- ) Handlungen.
simbadische (25.03.2010, 12:49 Uhr)
Auch mit anderen - weiblichen - Krebsarten werden Geschäfte gemacht
In Ländern wo die männliche Bevölkerung in der Regel beschnitten ist ( auch Amerika ) ist die Zahl der an Gebärmutterhalskrebs erkrankten Frauen geringer als in Ländern mit weitgehend unbeschnittenen Männer. Das ist eine Frage der Hygiene.
Man könnte nun allen Jungs und Mädchen in Deutschland in einer großangelegten Kampagne beibringen, vor dem Geschlechtsverkehr den Penis gründlich zu waschen um das Smegma zu entfernen und die Gefahr einer Virusübertragung zu verringern.
Aber nein, die flächendeckende Impfung der weiblichen Bevölkerung bringt der Pharmaindustrie mehr Geld! Und dabei ist auch hier das Risiko noch nicht abzusehen !
Sternchen2020 (25.03.2010, 12:38 Uhr)
@MarthaMuse!
Richtig, genau so handhabt das Berlin. Unglaublich! Angeblich habe man in Berlin deshalb extra ein Gesetz erlassen, um beim Einwohnermeldeamt an die Daten zu kommen. Man glaubt es ja nicht.
Sternchen2020 (25.03.2010, 12:36 Uhr)
@ Jazebel Jazebel s gibt keinen Grund dafür, unveschämt und unsachlich zu werden,
nur weil man Fan dieser Scrreenigs ist. Diese Untersuchungen habe viele Frauen in Angst und Schrecken versetzt aufgrund einer Vielzahl an diffusen Bwefunden.

Auch keine Verschwörungstheorie es,dass die Untersuchungen im Abfertigugungstakt viel Geld bringen und die Geräte werden optimal ausgelastet. Die standen sehr wohl im Vordergrund, da nutzen auch ihre unsachlichen Einwände nichts.
Und um dies durchzsetzen, schreckte man nicht einmal vor dem Datenschutz zurück, der ausgehebelt wurde. Unfassbar!
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