Bei chronischen Wunden greifen Bonner Mediziner auf ein altes Hausmittel zurück: Sie schmieren Honig drauf. Dies sei wirksamer als Antibiotika, die bei multiresistenten Keimen oft wirkungslos sind. Doch nicht jeder Honig ist geeignet.

Imkerhonig kann - anders als der so genannte Medihoney - Bakteriensporen enthalten© Michael Urban/DDP
Honig hilft nach Erfahrungen Bonner Mediziner bei der Wundheilung manchmal besser als Antibiotika. Allerdings darf es nicht irgendein Honig sein. Aber mit so genanntem Medihoney (medizinischem Honig) heilten selbst chronische Wunden, die mit multiresistenten Bakterien infiziert waren, oft binnen weniger Wochen, berichteten die Ärzte der Universität Bonn.
Auf Grund der zunehmenden Antibiotika-Resistenz von Keimen werde das alte Hausmittel bei der Wundpflege wieder interessant. Von einer Selbstbehandlung mit Naturhonig raten die Mediziner allerdings dringend ab, weil nicht speziell aufbereiteter Honig Bakteriensporen enthalten kann.
Schon die alten Ägypter wussten, dass Honig die Wundheilung fördern kann. In den beiden Weltkriegen sorgten Umschläge aus Honig dafür, dass die Verletzungen der Soldaten besser heilten. Die aufkommenden Antibiotika verdrängten dann das Hausmittel. "Heute sind wir in der Klinik mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind", sagte Arne Simon von der Universitäts-Kinderklinik Bonn.
Seit einigen Jahren setzen die Bonner Kinderärzte den medizinischen Honig in der Wundpflege ein und sind damit in Deutschland Vorreiter. Der Erfolg sei erstaunlich, berichtete Wundpflegespezialist Kai Sofka. "Abgestorbenes Gewebe wird schneller abgestoßen, und die Wunde heilt schneller." Außerdem bereite der Verbandswechsel weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen ließen, ohne die neu gebildeten Hautschichten zu verletzen.
Nach Angaben der Universität macht Medihoney selbst multiresistenten Keimen wie den so genannten MRSA den Garaus - und sogar dem Antibiotikum Mupirocin Konkurrenz, dem zurzeit lokalen MRSA-Antibiotikum der Wahl. Dies habe kürzlich eine Studie australischer Forscher gezeigt. In einem Punkt sei Medihoney sogar überlegen gewesen: Die Bakterien entwickelten im Laufe der Behandlung keine Resistenz.
Mittlerweise nutzen zwei Dutzend Kliniken in Deutschland Honig in der Wundversorgung. Trotz aller Erfolge gibt es bislang allerdings nur sehr wenige belastbare klinische Studien zur Wirksamkeit. Zusammen mit Kollegen aus anderen Städten wollen die Bonner ihre Erfahrungswerte nun in einer groß angelegten Studie absichern.
Honig wirkt antiseptisch. Die Bienen setzen bei der Produktion das Enzym Glucose-Oxidase hinzu. Dieses Enzym sorgt dafür, dass aus dem Zucker im Honig permanent in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid entsteht, ein wirksames Antiseptikum. Der Vorteil gegenüber Wasserstoffperoxid aus der Apotheke: Da es ununterbrochen nachgebildet wird, reichen bereits geringe Konzentrationen aus, um die Wundbakterien zu töten.
Was ist Medihoney? Medihoney trägt das CE-Siegel für Medizinprodukte. Seine Qualität wird ständig überprüft.
Medihoney besteht aus zwei verschiedenen Honigsorten: Einer, die
vergleichsweise viel Wasserstoffperoxid bildet, und einem so
genannten Leptospermum-Honig. Leptospermum ist eine Baumgattung, die
in Neuseeland und Australien vorkommt. Honig von diesen Bäumen wirkt
besonders stark antibakteriell, und das selbst noch in einer
zehnprozentigen Verdünnung. Woran das genau liegt, weiß man noch
nicht. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen Mix phenolartiger Substanzen, die aus der Pflanze stammen und die den
Wundbakterien zusätzlich das Leben schwer machen.
Wieso Honig antiseptisch wirkt, weiß man heute: Die Bienen setzen
bei der Produktion ein Enzym namens Glucose-Oxidase hinzu. Dieses
Enzym sorgt dafür, dass aus dem Zucker im Honig permanent in kleinen
Mengen Wasserstoffperoxid entsteht, ein wirksames Antiseptikum. Der
Vorteil gegenüber Wasserstoffperoxid aus der Apotheke: Da es
ununterbrochen nachgebildet wird, reichen bereits geringe Konzentrationen aus, um die Wundbakterien zu töten. Normalerweise
müsste man viel größere Mengen verwenden, da Wasserstoffperoxid mit
der Zeit an Wirksamkeit einbüßt. In großen Konzentrationen schädigt
es aber nicht nur die Bakterien, sondern auch die Hautzellen.