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21. Januar 2010, 17:53 Uhr

Pharma-Kritiker Sawicki muss wohl Posten räumen

Schlappe für den Verbraucherschutz: Peter Sawicki muss Medienberichten zufolge seinen Posten als Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen räumen. Möglicherweise folgt auf die wichtige Position ein pharmafreundlicher Kandidat.

Sawicki, Iqwig, Peter Sawicki, Pharmaindustrie

Peter Sawicki, seit 2004 Chef des Iqwig, bleibt wahrscheinlich nicht in diesem Amt© Horst Galuschka/DPA

Wie verschiedene Medien am Donnerstag berichteten, wird der Vertrag von Peter Sawicki als Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) nicht verlängert. Der formale Beschluss werde in Kürze bekanntgegeben, hieß es. SPD und Linksfraktion äußerten die Befürchtung, dass nun ein pharmafreundlicher Kandidat das Amt bekomme.

Die Kassenvertreter hätten den pharmakritischen Institutschef zwar gern gehalten, konnten sich aber nicht gegen Ärzte, Krankenhausgesellschaft und Gesundheitsministerium durchsetzen, schrieb der "Tagesspiegel" unter Berufung auf dem Vorstand nahe stehende Kreise. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mutmaßte in dem Blatt, es handle sich um eine rein politische Entscheidung. Sawicki sei wegen seiner verbraucherorientierten Arbeit ohne Rücksicht auf Lobbyinteressen für FDP und Pharmaindustrie "nicht tragbar" gewesen.

Sawicki selbst hatte der ARD gesagt, dass seine politische Unabhängigkeit Politikern "ein Dorn im Auge" sei. Vorwürfe falscher Abrechnungen in Zusammenhang mit der Nutzung eines Dienstwagens wies er zurück. "Es gibt aus meiner Sicht und auch aus Sicht meiner Rechtsberater keine formelle Verfehlung."

Dienstwagen und Rasenmäher-Benzin

Der Vertrag des Iqwig-Chefs läuft bis Ende August - es geht um die Zeit danach. Der 52-Jährige hat sich mit der wohl regelwidrigen Beschaffung zweier Dienstwagen angreifbar gemacht, obgleich ihm ein solches Auto zusteht. Auch bei einzelnen Abrechnungen - unter anderem für Rasenmäher-Benzin - soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Ob er sich ohne diese Vorwürfe nach dem Regierungswechsel hätte halten können, ist allerdings ungewiss.

Denn Sawicki hat sich nach seinem Amtsantritt 2004 schnell zum Schrecken der einflussreichen Pharmaindustrie gemacht. Das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen prüft alle verfügbaren Studien zu Medikamenten. Oft finden die Experten heraus, dass es für den angepriesenen Nutzen der oft teuren Mittel keine stichhaltigen Belege gibt. Stattdessen warnen sie immer wieder vor Nebenwirkungen. So stellte das Institut im Juni fest, dass ein künstliches Insulin bei Diabetikern Krebs auslösen könnte. Die Aktie des Herstellers Sanofi-Aventis verlor binnen eines Tags bis zu 9,5 Prozent

Auf der Basis von Iqwig-Berichten können die Mittel aus dem Leistungskatalog der Kassen gestrichen werden. Was für die Hersteller weniger Einnahmen in Millionenhöhe bedeutet.

Aus der Unionsfraktion waren offen Forderungen nach personeller Erneuerung an der Spitze des Iqwiggekommen. Auch bei den Freidemokraten und den Kliniken ist der ehemalige Chefarzt nicht wohlgelitten - während Kassen, Ärzte und Verbraucherschützer sich für ihn einsetzten. Die Fühler nach Ersatz für Sawicki hat man schon ausgestreckt. Die Entscheidung liegt bei Gesundheitsministerium, Kliniken, Ärzten und Kassen - sie haben gemeinsam die Aufsicht über das Iqwig.

APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
jomimo (22.01.2010, 19:12 Uhr)
@123buerger
Können Sie zu dem Rasenmäherbenzin bitte auch etwas mitteilen?

Würde mich stark interessieren, welcher Art diese Verfehlung war.
jomimo (22.01.2010, 19:07 Uhr)
In meinem Beitrag ging es um Horst Seehofer als ...
... Gesundheitsminister und seine Resignation in Bezug auf die Schwarzliste.

Drohungen und das ist nachzusehen bei You Tube in älteren Fragmenten von ARD und ZDF - Sendungen.

jomimo (22.01.2010, 19:01 Uhr)
Glaube, ich stehe bei STERN auf dem Index
Mein Beitrag von 18:55 zurückgehalten.

Wahrscheinlich kommt er bald, damit ich als motzender Trottel dastehe.
Acco21 (22.01.2010, 12:12 Uhr)
"Es ist ganz klar: Sawicki kann man nicht kaufen."
Der bericht im spiegel ist ausfühlicher als dieser hier
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,673239,00.html)

Und am besten gefällt mir der Satz
"Es ist ganz klar: Sawicki kann man nicht kaufen."

Und genau das ist der Pharmalobby ein Dorn im Auge.

Hier geht es nicht um Patienten, sondern nur um die Gewinne der Pharmalobby..
Faber (22.01.2010, 11:06 Uhr)
das
paßt doch genau ins Bild der Klientelparteien. Armes Deutschland!
Empfehle Naomis Klein: " Die Schockstrategie", dort kann man nachlesen, was uns von den industrieabhängigen Politikern noch bevorsteht. Wir sind schon auf einem guten Weg dorthin
123buerger (22.01.2010, 10:52 Uhr)
nanu?
ich wollte noch mal darau hinweisen, dass das Iqwig indirekt von den Mitgliedern der GKV bezahlt wird und die Autoren bitten, den Satz: " Der 52-Jährige hat sich mit der wohl regelwidrigen Beschaffung zweier Dienstwagen angreifbar gemacht, obgleich ihm ein solches Auto zusteht." um die Automarken zu ergänzen. Danke
123buerger (22.01.2010, 10:26 Uhr)
wenn schon, denn schon
"Der 52-Jährige hat sich mit der wohl regelwidrigen Beschaffung zweier Dienstwagen angreifbar gemacht, obgleich ihm ein solches Auto zusteht."

Vielleicht teilen Sie dem Leser auch mal mit, dass es sich hier um einen Audi Q7 und einen Audi Q5 gehandelt hat und dass diese Autos - wie übrigens auch das Rasenmäherbenzin - von den gesetzlich Krankenversicherten bezahlt werden!
dalamar (22.01.2010, 10:17 Uhr)
Gruselig,
wie die Tiger Ente die wichtigen Posten mit Lobbyisten der entsprechenden Industriezweige besetzt. Vorallem der Bereich Gesundheit mit dem ach so tollen Herrn Rösler wird systematisch mit den Einflüsterern der Pharmaindustrie verseucht. Ein Netzwerkgeschacher vom Allerfeinsten. Schade das normale Bürger keine Lobby haben. Stimmvieh ist lobbyfrei.
bayerbienengift (22.01.2010, 10:03 Uhr)
Als nächstes werden die Beiträge erhöht
damit die kommende Tablettenfressorgie oder Impforgie auch finanziert werden kann. Pharma fürs Volk - wohl bekomms...
In Deutschland geht eben nichts mehr ohne Korruption und wer nicht mitspielt wird weggemoppt. Der Lobbyklüngel sackt Millionenboni ein - der Kritiker muss wegen Rasenmäherbenzin gehen.
schmutz (22.01.2010, 08:58 Uhr)
Was habt ihr erwartet ?
@anotator

Wieso Millionenspenden ? Bei der DKV gibt es doch schon Rabatt für FDP Mitglieder. Ich glaube Frau Merkel und Herr Westerwelle sind genau so lupenreine Demokraten wie ein Herr Putin.

Allerdings:
Nun schreiben wir hier wieder lustige Kommentare, anstatt auf die Straße zu gehen (gilt auch für mich). Was uns Deutschen fehlt, ist der "Kampfgeist" gegen eine schlechte Regierung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen.

Das es so kommt, wenn CDU und FDP zusammen regieren war doch klar. Unverständlich ist für mich die immer noch hohe Zustimmung für diese Regierung, die ich für eine schlechstesten halten seit ich geboren worden bin.
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