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Schädel im Schraubstock

Expertenrat

Professor Hartmut Göbel aus Kiel beantwortet Ihre Fragen

Wenn ich Spannungskopfschmerzen habe, bin ich dann vor Migräne gefeit? Viele Patienten, die sich in spezialisierten Einrichtungen vorstellen, leiden nicht nur an chronischen Spannungskopfschmerzen, sondern zusätzlich noch an anderen Kopfschmerzformen. In den meisten Fällen an Migräne. Etwa die Hälfte der Migränepatienten leidet gleichzeitig auch an Spannungskopfschmerzen, oft auch an chronischen. Da chronische Spannungskopfschmerzen meistens als mittelstark empfunden werden und nicht, wie bei der Migräne, mit schwerwiegenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schüttelfrost einhergehen, wird lange Zeit kein Arzt aufgesucht. Die Patienten behandeln sich unkontrolliert selbst mit Schmerzmitteln.

Dadurch kann es zusätzlich zum Spannungskopfschmerz noch zum Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch kommen. Bis zu 90 Prozent der Patienten, die sich beim Kopfschmerzspezialisten vorstellen, haben eine Kombination aus Spannungskopfschmerz, Migräne und Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch.

Welche Tabletten darf ich nehmen, wenn ich sporadisch Kopfschmerzen habe? Zum einen sollte der Patient genau wissen, unter welchen Kopfschmerzen er leidet. Dies ist meistens leider nicht der Fall, es herrscht ein regelrechter Kopfschmerz-Analphabetismus. Grundsätzlich dürfen Schmerzmittel nur an maximal zehn Tagen im Monat eingenommen werden. Dabei sollten lediglich solche Medikamente eingesetzt werden, die nur einen Wirkstoff beinhalten.

Kombinationspräparate können eher abhängig machen, zudem führen sie schneller als Monopräparate zu Medikamentengebrauchs-Kopfschmerzen. Schmerztabletten mit mehreren Wirkstoffen bringen auch mehrere Nebenwirkungen mit sich. Außerdem enthalten sie häufig Koffein, was insofern paradox ist, als man sich bei Kopfschmerz-Attacken eher hinlegen und entspannen sollte. Vor diesem Hintergrund ist die Wirkung von Koffein eher kontraproduktiv. Es kann kurzfristig vielleicht helfen, mittelfristig führt es aber zu Schmerzmittel-Übergebrauch.

Muss ich auch zum Arzt, wenn ich nur hin und wieder Kopfschmerzen habe? Spannungskopfschmerzen sind so häufig wie Schnupfen. Betroffene gehen nicht zum Arzt, weil sie denken, die Beschwerden würden auch von selbst wieder verschwinden. Gerade wenn Kopfschmerzen im jugendlichen Alter neu auftreten, sollte unbedingt ein Experte kontaktiert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Schmerzen chronisch werden und dann nur noch sehr schwierig zu behandeln sind.

Deshalb empfehle ich, so früh wie möglich einen Arzt zum ausführlichen Beratungsgespräch aufzusuchen. Danach weiß der Betroffene, was genau er hat und wie man es am besten behandeln sollte. Grundsätzlich sollten Kopfschmerzen, die an mehr als zehn Tagen im Monat auftreten, immer beim Arzt abgeklärt werden.

Können chronische Spannungskopfschmerzen geheilt werden? Obwohl chronische Spannungskopfschmerzen keine sehr starken Beschwerden verursachen, sind sie doch die bösartigsten Kopfschmerzen, da man sie ohne spezifische Therapie nur sehr schlecht in den Griff bekommt. Durch Antidepressiva lassen sich die Spannungskopfschmerzen lindern, so dass die Patienten wieder eine bessere Lebensqualität erreichen.

Die Schmerzen können zwar um 40 bis 50 Prozent reduziert werden, aber fast nie komplett genommen werden. Deshalb muss die medikamentöse Behandlung als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts verstanden werden, zu der immer noch weitere Maßnahmen hinzukommen müssen. Wichtig ist, dass der Patient auch nach vielen Jahren mit Kopfschmerzen nicht aufgibt und sich mit Hilfe eines Spezialisten-Teams zu seinem eigenen Anwalt macht.

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