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12. Januar 2006, 17:08 Uhr

Jesus war auch nur ein Mann

Ein Mord im Louvre, geheime Sekten, ein historisches Komplott und der Heilige Gral: Mit einem ketzerischen Krimi verärgert Bestseller-Autor Dan Brown die Kirche - und begeisterte in den USA sechs Millionen Leser. Nun erscheint sein haarsträubend spannender Roman Sakrileg auch bei uns

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Gemälde mit Geheimbotschaft: Laut Dan Brown hat Leonardo da Vinci in seinem "Abendmahl" eine brisante Aussage verschlüsselt© SCALA

Auf Seite 342, gut halbwegs bei der Jagd nach dem Heiligen Gral, gehen die beiden Oberjäger, der skurrile - also britische - Geschichtsgelehrte Teabing und der allwissende - also amerikanische - Harvard-Professor Langdon, in die Vollen. "Christus und Maria Magdalena müssen ein Kind gehabt haben", sagt Langdon lächelnd zur charmanten Französin Sophie, der Dritten im Bunde, die "wie vom Donner gerührt" dasteht. "Die größte Verschleierungsaktion in der Geschichte der Menschheit", sekundiert Teabing dem Kollegen, "Jesus Christus war nicht nur verheiratet, er war auch Vater."

Jesus Menschenvater, nicht Christus Gottessohn? Und dann auch noch der Gatte von Maria Magdalena, der reuigen Hure des Neuen Testaments? Ganz schön heftig, was der Amerikaner Dan Brown in seinem neuen Thriller "Sakrileg" seinen Lesern und der katholischen Kirche zumutet. Erstere sind von Browns These entzückt - in den USA hat sich das Buch bisher fast sechs Millionen Mal verkauft, nun kommt es auch in Deutschland höchst bestsellerverdächtig auf den Markt. Vordergründig geht es im "Sakrileg", das in den USA unter dem Titel "The Da Vinci Code" lief, um die Aufklärung eines Mordes. Der Kurator des Louvre wird in seinem Blute liegend aufgefunden. Doch auf der Suche nach Täter und Tatmotiv dringen die Helden in die Abgründe der Kirchengeschichte vor. Sie werden mit der obskuren Welt der katholischen Geheimorganisation Opus Dei konfrontiert. Sie setzen sich mit Leonardo da Vincis rätselhafter Bildersprache, Aufstieg und Untergang des Templerordens auseinander und landen schließlich bei Maria Magdalena als Gattin von Jesus Christus. Die Kirche, so Dan Brown, sei selbst schuld, wenn er jetzt Christus mit schwerem Geschütz vom Himmel holen muss. Habe sie doch vor nunmehr fast 1700 Jahren aus Jesus von Nazareth, einem "sterblichen Menschen", den Sohn Gottes gemacht.

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Waren Jesus und Maria Magdalena ein Paar? In seinem Roman spielt Autor Dan Brown ausführlich mit dieser Vorstellung ("Die Erscheinung Christi vor Maria Magdalena" von Alexander A. Iwanow, 1835)© The Bridgeman Library

Laut Brown war ihr Werkzeug Konstantin der Große. Dieser erste prochristliche römische Kaiser rief 325 das Konzil von Nicäa ein und ließ die versammelten Bischöfe per Abstimmung die Göttlichkeit von Jesus beschließen, obwohl, wie Teabing im Roman doziert, "Tausende von Niederschriften existierten, in denen Jesus als normaler Sterblicher geschildert wird". Dann habe der Kaiser die Quellen über das Leben Jesu bereinigen lassen: "Konstantin gab eine neue Evangeliensammlung in Auftrag, die er obendrein finanzierte. In diese Sammlung durfte keine jener Darstellungen aufgenommen werden, in denen Jesus als Mensch gesehen wurde, während alles, was ihn in ein göttliches Licht rückte, besonders hervorzuheben war. Die früheren Evangelien wurden geächtet, konfisziert, verbrannt."

Was übrig blieb, waren die vier heute für alle christlichen Kirchen allein gültigen Berichte von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Konstantin hatte eine Staatsreligion. Aber deren Oberhaupt Jesus Christus war keine Konkurrenz für seine absolute Herrschaft: Ist doch das Reich des Gottessohnes ausdrücklich nicht von dieser Welt.

Doch wie bei "Asterix" ein kleines, tapferes Dorf in Gallien der Allmacht Cäsars trotzt, so gibt in Browns "Sakrileg" eine auserwählte Schar aufrechter, wissender Menschen die unterdrückte Wahrheit über den irdischen Jesus und seine Maria Magdalena von Generation zu Generation im Geheimen weiter bis in unsere Tage. Das ruft, wie anders, finstere Mächte auf den Plan, die auch nicht vor Mord zurückschrecken.

Das Abendmahl Die Person im blauen Kleid neben Jesus sei nicht Johannes, der jüngste der Apostel, sondern Maria Magdalena, mit der Christus sogar ein Kind gehabt habe - so Dan Brown in "Sakrileg". Tatsächlich zeigt das Gesicht des Johannes aus der Nähe betrachtet ausgesprochen weibliche Züge - seit dem Abschluss der Restaurierung von Leonardos berühmten Fresko im Mailänder Kloster Santa Maria delle Grazie im Jahr 1999 sind sie deutlicher zu erkennen als zuvor. Außerdem bilde die rechte Seite des Heilands mit der linken Seite des Johannes, der eigentlich Maria Magdalena sein solle, das Zeichen "V", ein uraltes Symbol für den weiblichen Schoß. Auch dies nach Brown ein verschlüsselter Hinweis darauf, dass Leonardo an den Wächtern der Inquisition vorbei die Botschaft schmuggeln wollte, Jesus Christus sei nicht nur ein sterblicher Mensch, sondern auch mit Maria Magdalena verheiratet gewesen. Unerklärlich bleibt bis heute, wem die überzählige Hand mit dem Messer gehört, die zwischen der dritten und vierten Figur von links hervorsteht. Sie ist keinem der Apostel zuzuordnen

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