7. Dezember 2009, 22:40 Uhr

Das ZDF nach Brender

Wie geht es weiter im ZDF? Wird Peter Frey, bisher Leiter des Hauptstadtstudios, jetzt neuer Chefredakteur? Und was bedeutet der Vorschlag von Kurt Beck, den Staatsvertrag in einigen Punkten zu verändern? Wir sagen, was jetzt beim Mainzer Sender geschehen wird - und geschehen sollte. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, ZDF

Hat beste Chancen, die Nachfolge von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur anzutreten: Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios©

Neubesetzungen noch in diesem Jahr. Jetzt, nachdem in der "Causa Brender" alle Machtworte gesprochen sind, soll es schnell gehen. Noch vor Weihnachten soll das neue Personal benannt sein. Und ZDF-Intendant Markus Schächter kann darauf vertrauen, dass der Verwaltungsrat ihn nicht noch einmal auflaufen lassen wird. Das wäre ein zu großer Affront. Dann könnte er gleich den Hut nehmen. Also wird der auf Wundenlecken und Konsens orientierte Verwaltungsrat die neuen Vorschläge des Intendanten rasch durchwinken. An weiterer Eskalation ist niemand interessiert. Das bisherige System von Einflussnahme, Intervention und parteipolitischer Balance soll grundsätzlich beibehalten werden.

Frey und Schausten rücken auf
Schon vor neun Monaten schrieben wir an dieser Stelle , dass es am Ende zwei Profiteure des alten Proporzdenkens im ZDF geben werde: Peter Frey und Bettina Schausten. Nach allem, was aus dem ZDF zu hören ist, wird es so sein. Schächter wird Peter Frey als neuen Chefredakteur vorschlagen. Aus familiären Gründen würde dieser wohl gerne in der Hauptstadt bleiben, ablehnen wird er die Berufung gleichwohl nicht.

Aus Sicht der Unionspartien im Verwaltungsrat wäre dies auch ein Signal an die SPD: Seht her, wir schenken Euch wieder den Posten des Chefredakteurs, dann müsst Ihr, liebe Sozialdemokraten, jetzt aber auch wieder Ruhe geben. Wie gemein dies im Einzelnen auch gegenüber den konkreten Individuen sein mag, im ZDF zählt immer noch die alte parteipolitische Verrechnungsart - und da zählt Peter Frey nun mal als ausgewiesener "Roter".

In die Schlüsselfunktion - Leitung des Berliner Hauptstadtbüros - würde dann Bettina Schausten aufrücken. An dieser Funktion ist die Union besonders interessiert. Ihr Lieblingsjournalist ist der bisherige Stellvertreter von Peter Frey, der den Evangelikalen nahestehende Peter Hahne. Er ist aber zu offenkundig Parteigänger, um tatsächlich durchsetzbar zu sein.

Gerade in den letzten Wochen hat Hahne dies erneut bewiesen. Als Ulrich Deppendorf in der ARD kommentierte, dass es für den ehemaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung nach der Debatte im Bundestag wohl keinen anderen Ausweg mehr gäbe als den Rücktritt, lautete Hahnes "kluge" politische Einschätzung gleich zweimal, die Sache sei für Jung nun ausgestanden. Nikolaus Brender hat auf seiner letzten Wegstrecke noch einmal ein gutes Werk getan und diese interessegeleitete Berichterstattung in Sitzungen thematisiert. Peter Hahnes Entgegnung, später habe er aber als erster den Namen der neuen Familienministerin gemeldet, beweist nun gerade nicht seine Parteiunabhängigkeit.

Zur Person

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

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KOMMENTARE (10 von 21)
 
kinderhort (10.12.2009, 19:08 Uhr)
Meinungsfreiheit- Pressefreiheit
Das ZDF wird auch weiter nicht als Informationssender sondern eher als Verdummungssender auffallen, denn wo nichts ist da kann nichts werden, dort wird eine Welt vorgespielt die es so nicht gibt, egal wer dafür Verantwortung trägt.
intrepid (08.12.2009, 13:08 Uhr)
kritischer Journalismus
Das ZDF kann seine ja demokratische unabhängige Gesinnung in scharfer Kritik an China und Russland und den dort kontrollierten Medien beweisen.

Im Übrigen ist ihr Artikel ein üblicher "einerseits-andererseits"-pseudo-Hintergrund Kommentar. Etwas mehr Herzblut bei der Kommentierung der Abschaffung demokratischer Gepflogenheiten hätte genützt.
Turmsicht (08.12.2009, 12:59 Uhr)
Sender ohne Qualität
Das politische Hick-Hack um politische Einflussnahme und Postenverteilung beim ZDF wird leider nichts bewirken, solange der Sender wie bisher agieren kann. Wer am letzten Wochenende beim ZDF reingeschaut hat und gleich zweimal von Gottschalk berieselt wurde, wird alle Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. Wenn sich ein deutscher Außenminister einer Show als Mensch 2009 zur Verfügung stellt, muss man sich fragen, ob dieser Vizekanzler, der aus dem Container kam, diesem Land in schwierigen Situationen überhaupt gerecht werden kann. Aber es zeigt auch, dass die Qualität unserer Politiker nicht ausreicht, ein anspruchsvolles, öffentlich-rechtliches Fernsehen überhaupt zu wollen. Es ist ein Skandal, dass die Bürger für ein derart abgeseichtes Programm einschließlich Werbeterror (!) auch noch Gebühren zahlen müssen. Herr Frey wird an der Situation sicher am wenigsten etwas ändern können. Es wird Zeit, dass die Bürger aufstehen und gegen die andauernde Verdummung aufbegehren.
Maddux (08.12.2009, 12:45 Uhr)
Alle raus schmeißen
Diese ganzen Änderungen bringen gar nichts. Volksvertreter wird hier zum Volksverdummer.
rennschnecke (08.12.2009, 12:13 Uhr)
Das ZDF ohne ZDF
abschaffen !
undemokratisch !
laeppe (08.12.2009, 10:34 Uhr)
Nur mal so
abschaffen der Gebühren - verschlüsselt senden und wer das sehen will zahlt. Es geht in anderen
Ländern problemlos
Allerdings müsste öffentlich - rechtlich noch durch das Verfassungsgericht überprüft werden. Keine Politiker in führenden Positionen - ein Witz.
laeppe (08.12.2009, 10:27 Uhr)
Ganz klar Staatsfernsehen
und eine Bürgerverdummung reiht sich an die andere.
Gebühren werden gerade mit der Begründung eingezogen um "unabhängig von Staat und Wirtschaft" ...........
endbenutzer (08.12.2009, 09:21 Uhr)
Nein...
..offenbar doch nicht. Kann man das nicht mal reparieren?
endbenutzer (08.12.2009, 09:21 Uhr)
Oh...
...ist mein Kommentar schon gelöscht worden?
endbenutzer (08.12.2009, 09:14 Uhr)
Die Medien - egal ob....
...privat oder öffentlich - setzen uns doch sowieso nur noch vor, was wir sehen / lesen sollen. Wirkliche Unabhängigkeit gibt es nicht mehr. Buchtipp gefällig?: http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=4078
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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