Wie geht es weiter im ZDF? Wird Peter Frey, bisher Leiter des Hauptstadtstudios, jetzt neuer Chefredakteur? Und was bedeutet der Vorschlag von Kurt Beck, den Staatsvertrag in einigen Punkten zu verändern? Wir sagen, was jetzt beim Mainzer Sender geschehen wird - und geschehen sollte. Von Bernd Gäbler

Hat beste Chancen, die Nachfolge von Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur anzutreten: Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios© obs
Neubesetzungen noch in diesem Jahr. Jetzt, nachdem in der "Causa Brender" alle Machtworte gesprochen sind, soll es schnell gehen. Noch vor Weihnachten soll das neue Personal benannt sein. Und ZDF-Intendant Markus Schächter kann darauf vertrauen, dass der Verwaltungsrat ihn nicht noch einmal auflaufen lassen wird. Das wäre ein zu großer Affront. Dann könnte er gleich den Hut nehmen. Also wird der auf Wundenlecken und Konsens orientierte Verwaltungsrat die neuen Vorschläge des Intendanten rasch durchwinken. An weiterer Eskalation ist niemand interessiert. Das bisherige System von Einflussnahme, Intervention und parteipolitischer Balance soll grundsätzlich beibehalten werden.
Frey und Schausten rücken auf
Schon vor neun Monaten schrieben wir an dieser Stelle , dass es am Ende zwei Profiteure des alten Proporzdenkens im ZDF geben werde: Peter Frey und Bettina Schausten. Nach allem, was aus dem ZDF zu hören ist, wird es so sein. Schächter wird Peter Frey als neuen Chefredakteur vorschlagen. Aus familiären Gründen würde dieser wohl gerne in der Hauptstadt bleiben, ablehnen wird er die Berufung gleichwohl nicht.
Aus Sicht der Unionspartien im Verwaltungsrat wäre dies auch ein Signal an die SPD: Seht her, wir schenken Euch wieder den Posten des Chefredakteurs, dann müsst Ihr, liebe Sozialdemokraten, jetzt aber auch wieder Ruhe geben. Wie gemein dies im Einzelnen auch gegenüber den konkreten Individuen sein mag, im ZDF zählt immer noch die alte parteipolitische Verrechnungsart - und da zählt Peter Frey nun mal als ausgewiesener "Roter".
In die Schlüsselfunktion - Leitung des Berliner Hauptstadtbüros - würde dann Bettina Schausten aufrücken. An dieser Funktion ist die Union besonders interessiert. Ihr Lieblingsjournalist ist der bisherige Stellvertreter von Peter Frey, der den Evangelikalen nahestehende Peter Hahne. Er ist aber zu offenkundig Parteigänger, um tatsächlich durchsetzbar zu sein.
Gerade in den letzten Wochen hat Hahne dies erneut bewiesen. Als Ulrich Deppendorf in der ARD kommentierte, dass es für den ehemaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung nach der Debatte im Bundestag wohl keinen anderen Ausweg mehr gäbe als den Rücktritt, lautete Hahnes "kluge" politische Einschätzung gleich zweimal, die Sache sei für Jung nun ausgestanden. Nikolaus Brender hat auf seiner letzten Wegstrecke noch einmal ein gutes Werk getan und diese interessegeleitete Berichterstattung in Sitzungen thematisiert. Peter Hahnes Entgegnung, später habe er aber als erster den Namen der neuen Familienministerin gemeldet, beweist nun gerade nicht seine Parteiunabhängigkeit.
Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.