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24. April 2008, 10:57 Uhr
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Das Ende des großen Seriensterbens?

Alexandra Neldel rettet ab sofort in abgeguckter "CSI"-Manier unschuldig verurteilte Menschen vor dem Knast. Das ist ja gut und schön. Aber viel wichtiger ist die Frage: Rettet sie auch die deutsche Serie? Die steckt nämlich in einer tiefen Krise. Von Katharina Miklis

Sieht so die Rettung der deutschen Serie aus? Alexandra Neldel und Clemens Schick in "Unschuldig"© ProSieben/Stephan Pick

An ihr kam in den letzten Monaten keiner vorbei. Alexandra Neldel. Ob an der Bushaltestelle, beim Zeitschriftenblättern oder an den Litfasssäulen. Sie ist überall. Mit ihren großen blauen Augen schaut sie von den Werbeflächen herab und wirbt für das mit Spannung erwartete neue Serien-Projekt von ProSieben. Mit der Crime-Serie "Unschuldig" soll Neldel das Fernsehen von dem bösen Fluch befreien, der auf deutschen Serien lastet. Gestern lief die TV-Premiere.

Große Erwartungen in TV-Krisenzeiten

Die Erwartungen waren groß. Das lag nicht nur am immensen Werbeaufwand für die neue Serie. Ex-Zahnarzthelferin und Soap-Darstellerin Neldel ("Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Verliebt in Berlin") wurde bereits für den Bayerischen Fernsehpreis als beste Darstellerin in einer Serie nominiert. Schon Wochen vor dem TV-Start! Und das ausgerechnet in der Rolle einer Rechtsanwältin, wo doch diverse Serien dieser Art in der letzten Zeit gefloppt waren. Das Genre steckt in einer großen Krise. Paradebeispiel: "Die Anwälte" mit Kai Wiesinger. Nach nur einer einzigen Folge hatte RTL die eigenproduzierte - und wirklich gut gemachte - Serie abgesetzt. Den "Anwälten" blieb nach der ersten Quotenermittlung keine Möglichkeit zur Verteidigung. Der Fall wurde ad acta gelegt. Niels Rufs Scheidungsanwalt-Comedy "Herzog" musste nach nur drei Folgen weichen. Deutschen Serien wird einfach keine Zeit mehr gelassen, sich zu entwickeln, geschweige denn zu beweisen.

Jetzt soll es also Alexandra Neldel richten. Die neue, zwölfteilige Crime-Serie "Unschuldig", produziert von Teamworx ("Die Sturmflut", "Dresden"), soll es mit "CSI"-Ingrediens zum neuen Serien-Erfolg schaffen. Und nicht nur das: Sie soll gar die deutsche Serie retten. Das sind große Ziele.

Keine neue Dimension der deutschen Serie

Ob sie erfüllt werden können wird sich zeigen, wenn sich ProSieben geduldiger mit seinen Serien-Neuzugängen zeigt, als RTL. Die erste Folge mit dem Titel "Hauptgewinn Tod" macht zumindest den Anschein, als könnte sie den einen oder anderen Fan gewinnen. Ob zu Recht oder Unrecht - darüber lässt sich streiten: Es war keine neue Dimension der deutschen Serie. Vor allem keine Neuerfindung der Crime-Serie, wie Neldel es kürzlich im stern.de-Interview ankündigte. "Was wir mit "Unschuldig" machen ist neu, das gibt es auch gar nicht in Amerika," sagte sie. Das stimmt nicht ganz. Aber es war eine passable erste Folge mit düsterer Atmosphäre und schnell geschnittenen Szenen.

Nicht neu, durchaus "CSI"isiert, aber ganz ordentlich. Das Büro-Loft in Berlin-Mitte ist etwas zu hipp, etwas zu loungig, die Dialoge etwas sparsam. Und warum Neldel für den Bayerischen Fernsehpreis nominiert wurde, wird auch nicht ganz klar. Dafür gab es nahezu liebevoll kreierte Charaktere - jeder mit seinen, für Crime-Serien wohl so wichtigen, Ticks. Die Story um den fälschlicherweise wegen Mordes an seiner Frau verurteilten Ehemann ("Tatort"-Kommissar Klaus J. Behrendt) ist unwichtig. "Unschuldig" lebt von den drei Hauptdarstellern, die die Serie tragen. Neldel als toughe Anwältin Dr. Anna Winter und an ihrer Seite erfrischend unverheizte Schauspieler wie Clemens Schick und Erhan Emre.

Bond-Buhmann Schick ("Casino Royale") spielt den todgeweihten Ex-Polizisten Marco Lorenz, der aufgrund eines Herzfehlers eigentlich schon längst das Zeitliche gesegnet haben sollte. Immer auf Vollgas und am Rand der Legalität bietet die "coole Sau" der Serie den perfekten Gegenpool zur leicht unterkühlten, kontrollierten Anwältin Winter, deren Vater sich vor Jahren, unschuldig verurteilt, das Leben nahm. Für die Profiler-Momente sorgt Krebsforscher und Labortüftler Sebastian Krüger (Emre), der nach Belieben forensische Fremdwörter einwirft. Leider erfährt man erst nach und nach, warum die Figuren, jede für sich, so seltsam ticken. Und ob sich treue "CSI"-Fans von der Dublette ihrer Lieblingsserie begeistern lassen, sei auch mal dahin gestellt. Das Original ist halt immer noch besser, als die Kopie.

Das Ende des großen Seriensterbens?

Ist "Unschuldig" nun die lang ersehnte Rettung der deutschen Serie? Das Ende des großen Seriensterbens? Das wird sich zeigen. Zum Glück hat ProSieben einen langen Atem - bestes Beispiel: "Stromberg". Wenn sie sich nicht ganz so blöd anstellen wie RTL, werden sie die Neldel erstmal einfach machen lassen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Es scheint, als hätte die neue Serie das perfekte Quoten-Publikum auf ihrer Seite: die jungen Telenovela-Anhänger aus "Verliebt in Berlin"-Zeiten, die neugierigen "CSI"-Freaks und die, die Alexandra Neldel einfach nur heiß finden. Beste Vorraussetzungen für einen Quotenerfolg. Der Tod der deutschen Serie scheint aufgeschoben. Für's Erste.

"Unschuldig", jeden Mittwoch, um 20.15 Uhr auf ProSieben

Von Katharina Miklis
KOMMENTARE (10 von 12)
 
seelenflieger (24.04.2008, 14:13 Uhr)
Zum Kotzen!
Das passt jetzt vielleicht nicht ganz zum Thema, aber was mich absolut ankotzt, ist, wenn ich während einer Sendung neben dem Senderlogo einen kleinen Werbebanner permanent (!) sehen muss, der auf den nächsten Film hinweist. So geschehen gestern bei den Simpsons, wo ununterbrochen ein kleines Banner für 'Unschuldig' eingeblendet war. Deshalb habe ich aus Protest 'Unschuldig' nicht angeschaut. Gottseidank gibt es ja noch 98 weitere Kanäle...
Luciano (24.04.2008, 12:54 Uhr)
Deutsche Serien sind nur peinlich
Da muss ich den Vorkommentatoren schon recht geben. Besonders wenn deutsche Darsteller krampfhaft versuchen so cool rüberzukommen wie die Amis. Das sieht dann meistens nur lächerlich aus.
Ich denke was den Deutschen fehlt (und zwar allgemein) ist der Mut zu Innovationen. Kopieren macht doch eh nur Sinn, wenn man es BESSER machen kann. Das können die Deutschen aber leider nicht. Ich erinnere mich noch an den absoluten Tiefpunkt als RTL eine 1 zu 1 Kopie von "Eine schrecklich nette Familie" mit deutschen Darstellern gedreht hat. Kann man sich selbst eigentlich noch ein größeres Armutszeugnis ausstellen?
Bei deutschen Serien ist außerdem immer alles klischeehaft. Die Figuren sind allesamt immer stereotyp, ohne Tiefe oder widersprüchliche Charakterzüge. Und die Stories sind, wie ein Vorkommentator schon geschrieben hat, oftmals vorhersehbar.
Was übrigens die rumfliegenden Autos bei Cobra 11 angeht, finde ich die auch nur noch lächerlich.
DeutschMichl (24.04.2008, 12:40 Uhr)
Es war auch mal anders!
Erinnert sich noch einer an "Raumschiff Orion" oder "Ekel Alfred" um nur zwei Höhepunkte der deutschen Fersehschaffenden zu nennen. Dazu ist aber heute keiner mehr der öffentlich-rechtlichen Langweiler mehr in der Lage. Dann sehen wir uns doch, wenn`s nicht anders geht und die Langeweile drückt- die Ami Originale an. Besser ist das!
Herr_Lich (24.04.2008, 12:06 Uhr)
Nicht mal für gute Kopien reicht es.
Wenn amerikanische Serien wenigstens gut kopiert würden, wäre das schon ein Fortschritt. Stromberg ist für unsere Verhältnisse z.B. zwar schon was ganz Feines, aber wenn man sich im Vergleich dazu das Original aus England, oder dessen amerikanische "Kopie" anschaut, fällt Stromberg doch deutlich ab.
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Die Serie Stromberg lebt hauptsächlich durch Christoph Maria Herbst. Daneben kann vielleicht noch Bjarne Mädel als Ernie einigermaßen mithalten, aber der Rest der Crew sieht im Vergleich z.B. zum amerikanischen und britischen "The Office" einfach nur blaß aus. In England und Amerika haben sie jeweils 5 bis 6 wirklich gute, fast gleichwertige Charaktere, besetzt mit guten Schauspielern. In Deutschland haben wir 1 bis 2 gute Schauspieler, auf die sich die Autoren zu konzentrieren scheinen, während der Rest nur nebenher mitläuft.
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Wenn man z.B. diese öde Beziehungsgeschichte zwischen Tanja und Ulf, mit Pam und Jim in der amerikanischen Serie vergleicht, dann sieht man den Unterschied sehr deutlich. Auf der einen Seite, einfallsloses Rumgekrampfe, das eigentlich nur als Lückenfüller bis zur nächsten Szene mit Stromberg dient, und auf der anderen Seite, kreative Scripts, umgesetzt von sehr guten Schauspielern
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Ist vielleicht etwas ungerechnet ausgerechnet Stromberg als Beispiel für schlechte deutsche Serien zu nennen, aber die meisten anderen deutschen Serien sind es nicht mal Wert, verglichen zu werden. Man muß es einfach anerkennen: In Amerika hat man die deutlich besseren Autoren und Schauspieler. Die können dort aus dem Vollen schöpfen, während man hier versuchen muß mit den Einäugigen unter den Blinden klarzukommen.
Berba (24.04.2008, 11:49 Uhr)
Serien
Ist CoPra11 auch ein Running Gag?, meiner Meinung heißt es ja Cobra.
Ich sehe mir gern Serien an. Deutsche und amerikanische. Und "bessere Schauspieler, schönere Sets"? Gerade bei Criminal Intent spielen sich 50% in diesem super luxuriösen Vermehmungsraum ab!!! Und Mr. D'Onofrio (den ich wirklich mag) variiert seine Darstellungskunst auch nicht wahnsinnig! Die Serie gestern abend riss jetzt nicht gleich vom Hocker, aber ich werde mir auch die nächste Folge ansehen. Da fällt mir jetzt nicht sofort ein amerikanisches Vorbild ein (als Ausgangspunkt, wenn man das so nennen kann, wird auch der "Bankräuber" genannt, der unschuldig im Gefängnis saß), denn die ganzen Serien, die hier genannt werden, schildern die eigentliche Ermittlung. Hier ist der Fall ja schon einmal abgeschlossen. Das erinnert, wenn überhaupt, an Mason und Matlock - allerdings "ermitteln" die ja schon von vornherein und lassen es für ihre Mandanten gar nicht erst so weit kommen. Also wie Matula (und Lessing) - Das ist überhaupt die beste Serie!!!
Malt (24.04.2008, 11:22 Uhr)
So seh' ich das auch!
Wer braucht sowas? Wenn ich mich für sowas interessiere, dann schau ich eben CSI oder Criminal Intend an... besser produziert, bessere Drehbücher, bessere Schauspieler, schönere Sets.... soll ich weitermachen?
Warum taut sich niemand mal an was völlig anderes ran? EIGENE Konzepte sind gefragt. Aber die Prduzenten sind vermutlich abenso inovativ wie die Sender gedultig sind. Nämlich nada. Ich erinnere mich noch an die (ok, eine etwas andere art von Serie) "mein neuer Freund" mit Christian Ulmen. Wurde auch nach der ersten Folge abgesetzt und durch die 300ste Wiederholung von "Witzig ist (un)witzig" ersetzt.... bis die Fans groß Protestiert haben. Die Franzosen können tolle Krimis machen, weil sie EIGENE Konzepte verfolgen. Deutsche sind im Bereich Aktionfilme und Serien schlimmer als die Chinesen im Kopieren. SO etwas wie der "Clown" ist halt unfreiwillig lächerlich... sorry.
Ich hab' gestern "Didi - Der Doppelgänger" gesehen... die Stunts in diesem uralten Film haben jeden Copra11 Chrash alt aussehen lassen.... und sorry, aber die ein-Auto-fährt-in-ein-anderes-rein-fleigt-drüber-und-explodiert Scheiße ist ja quasi schon ein Running Gag... nur weniger witzig...
whismerh2 (24.04.2008, 11:14 Uhr)
@elevenstar
Möchte ja nicht den Schlauberger spielen,
aber für Ulrich Mühe ist wohl leider zu spät neue Serien zu produzieren.
Ansonst gebe ich Dir Recht,
dieser Serienkram ist größtensteils
vergeudete Zeit.gäähn
Sublucem (24.04.2008, 10:42 Uhr)
Es bedarf eher einer neuen Definition
Zur Zeit verstehen sich deutsche Serien vor allem als Kopie amerikanischer Ideen, die wiederum mitunter bis zum Erbrechen durchgekaut werden. Nur ein Bruchteil der US-Serien schafft es überhaupt ins deutsche Fernsehen und auch dort fallen viele ganz dezent unterm Tisch, bzw. verschwinden ohne großes Trara.
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Besser wäre ein neues Konzept. Das würde die Situation eher entspannen als das immer gleiche Prinzip.
RomanTicker (24.04.2008, 10:34 Uhr)
Mitläufer
Das Problem im deutschen Fernsehen allgemein ist, dass jedes erfolgreiche Format gleich eine Unzahl von Mitläufern und schlechten Kopien hervorbringt. Dadurch wird die ganze Thematik aufgebläht und schnell uninteressant. Diese neue Serie z.B. versucht auf der Erfolgswelle der Krimiserien mitzureiten. Mir reichte es schon zu hören, in welche Richtung diese Serie geht, um sie links liegen zu lassen.
machtnix (24.04.2008, 10:29 Uhr)
Es war mal besser
Es gab schon viele deutsche Serien, die eigentlich richtig gut waren. Ich denke ad hoc z. B. an Schwarz Rot Gold mit Uwe Friedrichsen. An diesem Beispiel sieht man auch, dass es bei deutschen Fernsehproduktionen überhaupt gar keinen Sinn macht, sich einen Abklatsch von US-Serien vorzunehmen. Das Ergebnis ist dann meistens sehr bescheiden.
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