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4. Januar 2011, 09:45 Uhr

Die bittere Bilanz des Sean Penn

Ein Mann klagt an: Sean Penn zieht ein Jahr nach dem Erdbeben auf Haiti eine geradezu vernichtende Bilanz der Aufbauhilfe. Der auf Haiti stark engagierte Schauspieler klagt im stern-Interview über Gutmenschen mit Helfersyndrom und darüber, dass kaum Geld angekommen sei.

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Sean Penn packt auf Haiti selbst mit an. Er kritisiert das Verhalten der Hilfsorganisationen scharf© Thony Belizaire/AFP

Ein Jahr nach dem schweren Erdbeben von Haiti erhebt Hollywoodstar Sean Penn schwere Vorwürfe gegen Hilfsorganisationen und die internationale Staatengemeinschaft. Versprochene Hilfsgelder blieben aus, und viele Helfer würden lieber Almosen verteilen als dringend benötigte Häuser zu bauen, sagte der Schauspieler, der in Port-au-Prince selbst ein Obdachlosencamp betreibt, im Interview in der neuen, am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des stern.

Bei der Geberkonferenz Ende März 2010 hätten mehrere Staaten und Organisationen Haiti rund zehn Milliarden Dollar zugesagt, "von diesem Geld ist bisher kaum etwas im Land angekommen", kritisiert Penn im stern. "Wenn diese Staaten ihr Geld wie versprochen gegeben und dafür gesorgt hätten, dass jeder Haitianer sauberes Wasser erhält, wenn die hierher gekommen wären, Leitungen verlegt und Filtersysteme installiert hätten, dann hätten wir heute keine Cholera-Epidemie."

Neben den USA zähle auch Deutschland zu den Ländern, deren versprochene Wiederaufbauhilfe ausbleibe. "Ist das nicht unfassbar?", empörte sich Penn im Gespräch mit dem Magazin. Die Korruption in Haiti dürfe kein Hinderungsgrund sein, dringend benötigte Gelder auszuzahlen. "Ist es uns denn keine fünf Millionen wert", die vielleicht in falsche Hände geraten, "wenn wir mit dem Großteil des Geldes Kläranlagen und Wasserleitungen bauen und Kinder vor der Cholera bewahren?"

Auch Hilfsorganisationen greift der Hollywoodstar scharf an. Statt Jobs für die Einheimischen zu schaffen und Häuser zu bauen, würden viele Helfer lieber weiterhin Essen verteilen. Ein Jahr nach dem Beben sähen "die meisten Camps immer noch fast so aus wie damals. Sie sind zum Symbol des Scheiterns der Aufbauhilfe geworden", sagte Penn im stern-Interview. Einigen Leuten gehe es darum, den Gutmenschen zu spielen und ihr Helfersyndrom auszuleben. Es sei aber "die verdammte Aufgabe der Organisationen, den Einheimischen Jobs zu verschaffen. Und nicht den vielen Freiwilligen, die sich gut fühlen wollen, indem sie hier helfen".

Sean Penn selbst betreibt mit seiner Organisation JP HRO ein Camp für 55.000 Menschen, das als vorbildlich gilt. Von der Internationalen Organisation für Migration wurde er gebeten, die Verantwortung für ein weiteres Camp mit 5000 Obdachlosen zu übernehmen.

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Lesen Sie ... ... das gesamte Interview mit Sean Penn im neuen stern

 
 
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