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21. Dezember 2008, 17:46 Uhr

Kinder müssen ohne Mutter reisen

Erst setzte die Bahn Kinder aus, jetzt eine Mutter: Weil der Schaffner sich weigerte, die Fahrkarten zu entwerten, musste eine Frau zum Abstempeln aussteigen. Der Zug fuhr weiter - und mit ihm ihre drei Kinder. Die Bahn bedauert den Vorfall, weist die Schuld aber von sich.

Bahn, Schaffner, Unfreundlich, Fahrkartenkontrolle, Fahrkarte

In den vergangenen Wochen hatten Schaffner drei Kinder ausgesetzt, weil sie keine gültige Fahrkarte hatten© Thomas Lohnes/DDP

Die Zwischenfälle bei Fahrkartenkontrollen der Bahn reißen nicht ab: Diesmal schickte ein Schaffner zwar keine Kinder aus dem Zug, dafür aber deren Mutter. Weil eine 53-jährige Frau aus Kassel die Tickets nicht entwertet hatte, mussten ihre drei Kinder im Alter von neun, elf und zwölf Jahren allein nach Bremen weiter fahren. Die Frau habe sich kurz hinter Hude bei Oldenburg von sich aus an den Schaffner gewandt, sagte ein Sprecher der Bahn in Hannover und bestätigte damit einen Bericht der Bremer Zeitung "Kurier am Sonntag". Dieser habe ihr geraten, die Fahrscheine beim nächsten Halt nachzustempeln. Doch dann fuhr der Zug ohne sie weiter.

Dem Bericht zufolge waren die Frau und ihre Kinder zu Besuch in der niedersächsischen Kleinstadt gewesen und wollten mit dem Zug zurück nach Hessen fahren. Dass sie die Tickets vor der Fahrt hätte entwerten müssen, wusste sie nicht. Als die 53-Jährige ihren Fehler bemerkte, ging sie sofort auf den Kontrolleur zu. "Unwirsch forderte mich der Schaffner auf, den Zug zu verlassen, um die Fahrkarten auf dem Bahnsteig zu entwerten", sagte sie der Zeitung. "Der Mann hat mich richtig genötigt, den Zug zu verlassen." Als dieser dann ohne sie weiterfuhr, rief sie mit ihrem Handy die Polizei, die den Lokführer informierte. In Bremen nahmen Bundespolizisten die Kinder in Empfang, ihre Mutter folgte mit dem nächsten Zug.

Bahn: Schaffner trifft keine Schuld

Die Deutsche Bahn bedauere den Vorfall, sagte ein Sprecher in Hannover. "Es ist dumm gelaufen. Das tut uns leid." Dennoch treffe den Schaffner keine Schuld. "Wir haben mit dem Kollegen gesprochen. Er sagte, von Kindern war keine Rede." Außerdem sei nicht er, sondern der Lokführer für das Abfahren des Zuges verantwortlich. Da der Entwerter auf dem Bahnsteig anscheinend kaputt gewesen sei, habe die Frau wohl im Bahnhof nach einem anderen gesucht. "Der Lokführer ist dann losgefahren, weil er niemanden mehr auf dem Bahnsteig gesehen hat." Der einzige Fehler des Schaffners sei gewesen, dass er die Frau habe Nachstempeln lassen. Eigentlich hätte er ein Bußgeld von ihr verlangen müssen. "Hätte er sich nicht kulant verhalten, wäre das alles nicht passiert."

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnete den Vorfall als "Unding". "Ob mit oder ohne Kinder, der Schaffner hätte die Frau nie zum Nachstempeln nach draußen schicken dürfen", kritisierte der Sprecher des Regionalverbands Oldenburger Land, Eckhardt Ritter. Etwa die Hälfte der Automaten sei sowieso defekt. Der Fahrtgastverband fordert deshalb von der Bahn, auch in den Zügen Stempelautomaten aufzustellen. Bei der regionalen Nordwestbahn sei dies zum Beispiel schon lange üblich. "Woher sollen Leute von außerhalb wissen, dass sie Fahrkarten für bestimmte Verbindungen auf dem Bahnsteig entwerten müssen?", betonte Ritter. Das System sei fahrgast- und touristenfeindlich.

Fahrgastverband: Touristenfeindliche Bahn

Der Rechtsexperte von Pro Bahn, Rainer Engel, macht die Bahn- Führung für das "fahrgastfeindliche" Verhalten ihres Personals verantwortlich. "Seit Anfang 2007 hat die DB den Fahrkartenverkauf in ihren Regionalzügen eingestellt und das Zugpersonal systematisch zur Jagd auf tatsächliche und vermeintliche Schwarzfahrer angesetzt", sagte er in einer Mitteilung. Schaffner dürften keine Fahrkarten mehr verkaufen oder abstempeln. Wenn sie es trotzdem täten, drohten ihnen Schwierigkeiten bis hin zur Entlassung.

Im Oktober und November hatten Schaffner drei Kinder aus Zügen der Bahn verwiesen, weil diese ohne Fahrkarten unterwegs waren. Die Bahn entschuldigte sich in allen drei Fällen. Alle Zugbegleiter müssen sich nach Angaben des Unternehmens seitdem schriftlich verpflichten, dass sie keine Kinder aus Zügen schicken. Außerdem kündigte die Bahn Schulungen für Schaffner an, bei denen es auch um kundenfreundliches Verhalten gehen soll.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 61)
 
Elenaor (22.12.2008, 21:46 Uhr)
Hm...
Wo steht denn in Artikel, dass die Frau 1) aus dem Zug geworfen wurde, 2) dem Schaffner gesagt hat, dass sie Kinder hat (hat sie nicht laut unserer Tageszeitung) und 3) gezwungen wurde nach einen anderen Entwerter zu suchen?
Übrigens: Wenn ich Entweder auf einen Bahnsteig sehe, ist mir klar, dass ich da was entwerten soll. Das mit den Entwerten ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, hängt auch vom Zugtyp ab.
Es ist doch so, dass die Frau von Bahnsteig gelaufen ist, ohne den Schaffner oder den Lokführer Bescheid zu geben, die keinen mehr auf dem Bahnsteig gesehen haben und dann abgefahren sind, ohne zu wissen, dass die Frau nicht mehr im Zug ist.
Und nein, ich arbeite nicht bei der Bahn, sondern bin Berufspendlerin und finde, dass man durchaus mal lesen kann, was auf den Fahrscheinen steht - da steht nämlich auch nochmal drauf, ob man die noch entwerten muss.
Natürlich hätte der Schaffner freundlicher regagieren können, aber wenn sie weder erklärt, dass sie Kinder dabei hat und ohne Zwang und Bescheid zu sagen den Bahnsteig verlässt, dann kann hier noch so sehr auf die Bahn eingeprügelt werden, die Frau war trotzdem sagen wir mal ungeschickt.
kralli19 (22.12.2008, 14:25 Uhr)
Alte Zeiten...
Tja, ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da konnte man beim Schaffner noch Tickets lösen.....vielleicht hat ein findiger BWL´er die ja damals deswegen abschaffen lassen, weil so a) Personalkosten gespart werden können und b) man so leichter Schwarzfahrer produzieren kann, an denen sich mehr pro Fahrt verdienen lässt.
Jaja, ist´s erstmal privatisiert, wird alles besser...
kaisergarten (22.12.2008, 11:45 Uhr)
Typisch DB
So sind die. Schuld ist nicht der Schaffner. Der ist nur willfähriger Angesteller. Seine Vorgesetzen sind zum Großteil assozial. Von berufswegen habe ich leider das ein oder andere mit denen zu tun. Mehdorn und Scheel - genauso ist auch der Rest von der "Führung DB".
PS: @Kette - sie sind ein Vollpfosten.
Svjuerg (22.12.2008, 09:58 Uhr)
Dummes System
Ich wohne in Stuttgart, und muss mich immer über die unterschiedlichen Systeme wundern. Kaufe ich ein Einzelticket für die Stadtbahn muss ich es nicht entwerten. Kaufe ich eines in Mannheim muss ich es entwerten. Kaufe ich eine Fahrkarte für den Regionalzug, wurde der schon immer im Zug entwertet, erst letzte Woche. Im ICE sowieso. Also warum bei dieser Frau nicht? Ich habe noch NIE eine Karte am Bahnhof irgendwie entwertet. Wo denn bitte? Und was für eine? Steht doch immer drauf wohin ich fahre, und der Schaffner macht immer seinen Stempel drauf. Diesmal war der Verlierer einfach wieder die Bahn. :( Und wenn selbst mein Schwiegervater, der 40! Jahre Lokomotivführer war, sich darüber brüskiert was da passiert, will das was heissen.
Für mich ganz klar, die Verlierer sind die mit dem DB-Logo.
Ich bin 3 Jahre täglich gependelt, mit dem ICE, da war auch kein Warten auf den Anschluss drin, und ich habe in über 1000 Fahrten nach Mannheim, nicht einmal! den Bahnhof pünktlich erreicht. Stgt-Mannh. wohl gemerkt, lieber Kette.
Crossbow (22.12.2008, 08:14 Uhr)
Man fasst sich an den Kopf
Warum kann dieser Bahn-Penner die Fahrkarten nicht entwerten? Die Entwerter in den Bahnhöfen sind fast immer defekt, das weis der auch. Aber er war ja ein netter Kerl, er hätte ja Bußgeld erheben können. Schade daß die Leute sich so einschüchtern lassen. Drin bleiben und der Bahnaffe soll die Bundespoliozei verständigen, alles schön laut und mit Trara, das mögen die nicht.
flyingfree (22.12.2008, 08:07 Uhr)
Keine Schuld?
Die sind doch wirklich nicht mehr zu retten.
Langsam sollte Oberlokführer Mehdorn zur Verantwortung gezogen werden.
Es ist ja sonst niemand schuld.
keinheiliger (22.12.2008, 06:19 Uhr)
@kette1
Sie sind bei der Bahn beschaeftigt, das liest man heraus. Aber, und das ist ziemlich sicher, nicht in der Abteilung Kundenservice, wenn es so etwas ueberhaupt noch gibt. Und wenn, scheint diese doch eher sehr robust zu arbeiten, frei nach der Regel:
Karte kaufen, Klappe halten, AGB lesen und belaestigen sie bitte nicht unser teures, ueberfordertes Personal.
Nebenbei, ihre eingefaerbte Meinung, die sie gerne als ihre Eigene behalten duerfen, ist die typisch deutsche, vor der es mich gruselt.
@Admins Ich werde mir noch sehr viele Filme in der Zukunft anschauen, einen aber gewiss nicht im Kino und der heisst “Australia“ MfG
pedregalejo (22.12.2008, 03:02 Uhr)
@tagora-sagittara
Danke, ich werde das mal versuchen! Dennoch finde ich, dass die Stern admins diese agressive Werbung unterbinden sollten.
Saludos de Málaga.
tagora-sagittara (22.12.2008, 01:48 Uhr)
@pedregalejo
versuchen Sie doch mal den OPERA Browser,... der block diesen Quatsch zuverlässig weg!!
gmathol (22.12.2008, 00:00 Uhr)
Was sich die Deutschen so alles bieten lassen muessen!
Dazu auch noch die dumpfe Schadenfreude einiger Kommentatoren (natuerlich kann man alles entschuldigen z. B. der Polizist der versehentlich jemanden erschiesst).
Lach, lach - den Deutschen ist nicht mehr zu helfen.
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