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31. Juli 2007, 19:15 Uhr

Vergewaltigung ist das Mindeste

Sie missbrauchen, morden und zwingen die Opfer das Fleisch der Angehörigen zu essen. Rebellen und Milizen begegnen den Frauen im Kongo mit unglaublicher Brutalität. Eine UN-Expertin berichtet von der schockierenden Gewalt.

Diese Kongolesin wurde von drei Soldaten während eines Besuchs ihrer Großmutter vergewaltigt© Spencer Platt/Getty Images

Massenvergewaltigungen, schier unaussprechliche Brutalität und erzwungener Kannibalismus: Frauen in der kongolesischen Provinz Süd-Kivu sind nach Angaben der Vereinten Nationen unglaublicher sexueller Gewalt ausgesetzt. Die Situation in Süd-Kivu sei die schlimmste, die sie in ihrer vierjährigen Tätigkeit als UN-Sonderermittlerin gesehen habe, berichtete die Expertin Yakin Ertürk. Für die meisten Verbrechen sind demnach Rebellengruppen verantwortlich, die nach dem Völkermord in Ruanda in den 90er Jahren in den Kongo geflüchtet sind.

Die Gräueltaten gingen weit über Vergewaltigungen hinaus, erklärte Ertürk nach einer elftägigen Kongo-Reise und berichtete von schockierenden Vorfällen. "Frauen werden brutal von mehreren Männern vergewaltigt, oft vor ihren Familien", erklärte die UN-Expertin. Oft würden Männer mit vorgehaltenen Gewehren gezwungen, sich an ihren Töchtern, Müttern und Schwestern zu vergehen. Nach Vergewaltigungen würden die Frauen häufig in ihre Genitalien geschossen oder gestochen. Einige seien monatelang wie Sklaven gehalten und gezwungen worden, Exkremente oder das Fleisch ermordeter Angehöriger zu essen.

Nicht nur die Rebellen morden

Die kongolesische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssten angesichts der erschreckenden Lage in Süd-Kivu sofort handeln, forderte Ertürk am Montag in Genf. Seit Jahresbeginn seien bereits 4.500 Fälle von sexueller Gewalt registriert worden, die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen. Denn die meisten Opfer lebten in unzugänglichen Gebieten, hätten Angst, von den Übergriffen zu berichten oder hätten ihre Qualen schlicht nicht überlebt, erklärte Ertürk. In einem Krankenhaus in Bukavu nahe der Grenze zu Ruanda werden nach ihren Angaben jährlich rund 3.500 Frauen wegen schwerer Verletzungen ihrer Geschlechtsorgane behandelt, die von Gewaltverbrechen herrühren.

Eine Zehnjährige habe ihr in der Panzi-Klinik erzählt, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern verschleppt worden sei: Die Täter hätten dem Mädchen einen Stock in die Genitalien gerammt, es habe anschließend notoperiert werden müssen. Die brutale Gewalt gegen Frauen werde in weiten Teilen der Gesellschaft des afrikanischen Landes offenbar als normal angesehen, kritisierte die UN-Expertin. Zwar seien für die meisten Übergriffe Rebellen verantwortlich, fast ein Fünftel der registrierten Fälle gehe jedoch auf das Konto von Regierungstruppen und Polizisten. Einheiten der Streitkräfte gingen beispielsweise gezielt gegen Ortschaften vor, die der Unterstützung von Milizen verdächtigt werden. Dabei komme es zu Plünderungen, Massenvergewaltigung und mitunter zur Ermordung von Zivilpersonen.

Erbärmliches Rechtssystem

Einzelne Soldaten oder Polizisten "denken, sie stünden über dem Gesetz", kritisierte Ertürk. "Diese Taten sind Kriegsverbrechen und mitunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit." In einigen Regionen reagieren Polizei und Streitkräfte den UN-Angaben zufolge mit Gewalt auf Unruhen. Im Dezember beispielsweise hätten 70 Polizisten Rache geübt, nachdem eine Polizeiwache in der Stadt Karawa in der Provinz Equator in Brand gesetzt worden sei. Sie hätten Zivilpersonen gefoltert und mindestens 40 Frauen vergewaltigt, darunter ein elf Jahre altes Mädchen, berichtete Ertürk.

Bislang sei keiner der Täter festgenommen oder beschuldigt worden, vielmehr sei es in weiteren Ortschaften zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Das Rechtssystem des afrikanischen Landes sei "in einem erbärmlichen Zustand", erklärte Ertürk weiter. Hinzu kämen zahlreiche Berichte über Korruption und politische Einflussnahme auf die Justiz. Die Gerichte kämen schon mit den wenigen Fällen nicht zurecht, in denen Frauen allen Mut zusammengenommen und sich dazu durchgerungen hätten, von sexueller Gewalt zu berichten.

Bradley Klapper/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
kasa55 (01.08.2007, 13:22 Uhr)
Der Westen
soll die besten Kämpfer (Todesschwadrone) für Spezialaufträge in den Kongo schicken, die die Schuldigen ausfindig machen und elliminieren. Menschen, die so etwas tun haben auf unserer Welt nichts zu suchen. Dabei sollten auch Exempel statuiert werden, die zeigen was passiert wenn jemand so etaws gemacht hat oder machen will. Kein Mitleid mit allen die an solchen Taten beteiligt sind.
Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
sachsenwini (01.08.2007, 12:08 Uhr)
Wenn man die Rebellen und Diktaturen
nicht unterstützt hätte brauchte man sie auch nicht zu bekämpfen.
Das gilt ebenso für den Kongo, für den Irak, für Afghanistan und wird bald auch für den Iran zutreffen.
Oetker333 (01.08.2007, 10:47 Uhr)
Der Westen
Kein westlicher Staat würde eigene Soldaten in die grüne Hölle des Kongo schicken. Sie wären machtlos gegenüber den einheimischen Rebellen. Natürlich könnten sie den Urwald entlauben wie im Vietnamkrieg aber dann wäre die Zivilbevölkerung mit betroffen und Greenpeace würde auf die Barrikaden gehen.
whismerh2 (01.08.2007, 10:07 Uhr)
wird Zeit
Wenn es wirklich so eine Art Gott
gibt wird er sowieso sich das
Kapitel Menscheit nicht mehr lang anschauen wollen.
Dann weg mir der gesammten Menschheit
auch wenn es Gute dabei erwischt und
Pflanzen und Tiere leben lassen.
Vieleicht entwickelt sich dann der
Mensch in vielen Millionen Jahren nochmals neu und vieleicht
diesesmal im Guten.
Andere Lösung scheint wohl nicht in Sicht.
sachsenwini (01.08.2007, 09:42 Uhr)
@ Garnet wenn ich Sie richtig verstanden habe
liegt das ganze Elend daran, dass Gutmenschen in Europa nicht bereit sind die Wahrheit zu erkennen und sich zu ändern und dass Ihre amerikanischen Freunde nicht den Mist hören wollen, der in Europa verzapft wird.
Können sie das auch verständlicher erklären?
+
@ Luciano wenn den Menschen mit „einem Finger krumm machen“ geholfen wäre, dann würde wohl jeder Europäer seine Finger krümmen, allerdings in hundert Jahren kann ich das nicht mehr, insofern haben Sie Recht.
RBrunnerHH (01.08.2007, 09:41 Uhr)
@Garnet
Sie haben absolut recht. Ich selbst war bisher nur einmal beruflich in Afrika, das reicht wohl kaum aus, um sich nur ansatzweise ein Urteil bilden zu können, deshalb unterlasse ich das hier auch. Es ist nur auffällig, dass alle, die mir bisher begegnet sind und über langjährige (20+) Erfahrung auf dem schwarzen Kontinent verfügen ins gleiche Horn stoßen. Und, was Massenvergewaltigungen, Kannibalismus usw. mit dem Koloniallismus zu tun haben soll ist mir schleierhaft, besonders der Kannibalismus ist ein afrikanisches Kulturproblem, sonst nichts und ein überaus widerwärtiges noch dazu!
Virus01 (01.08.2007, 09:38 Uhr)
Krieg ist und bleibt grausam
Es ist leider wie immer im Krieg. Er wird ausgefochten auf dem Rücken der ärmsten und schwächsten.
sportartmakler (01.08.2007, 08:56 Uhr)
@luciano
was soll denn diese provozierende frage? sie haben recht, der einzelne kleine mündige bürger kann nichts tun. was würden sie denn machen?
Garnet (01.08.2007, 04:08 Uhr)
Gutmensch
Die Laender Afrikas funktionieren nicht weil dort Korruption und Ignoranz vorherrschen. Die Kulturen und die daraus resultierenden Greuel sind ueber tausende Jahre verwurzelt.
Die Probleme Afrikas haben nichts mit der Kolonialisierung zu tun, sondern mit Menschen wie Ihnen welche nicht bereit sind die Wahrheit zu erkennen und sich zu aendern. Leute wie ich, welche fast 20 Jahre in Afrika verbracht haben, lieben diesen Kontinent, die Menschen und die Natur. Unsere afrikanischen Freunde wollen nicht den Mist hoeren welcher bei Euch ueber diesen Kontinent verzapft wird. Viele koennen sich noch erinnern an die alten Tage. Die korrupten Politiker in Afrika reden so wie Sie. Ist ja auch einfach und eintraeglich.
Luciano (01.08.2007, 04:01 Uhr)
Das mit Abstand Schlimmste aber ist
dass wir alle (mich eingeschlossen) zwar schrecklich betroffen sind wenn wir so etwas lesen, aber nicht in 100 Jahren auch nur den kleinen Finger krumm machen würden um etwas daran zu aendern, stimmts?
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