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19. März 2008, 10:59 Uhr

Gesten der Wiedergutmachung

Im Irak fehlt es an Ärzten. Sie sind ermordet worden, verschollen oder haben das Land verlassen. Weil es im Land selbst zu gefährlich ist, versorgt die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" irakische Kriegsopfer in Jordanien. Über die Arbeitsbedingungen und seine Patienten vor Ort erzählt der deutsche Chirurg André Eckardt im stern.de-Interview.

Der kleine Abdullah wurde durch eine Autobombenexplosion im Irak verstümmelt. Chirurg Eckhardt und seine Kollegen rekonstruieren nach und nach sein Gesicht© Andrea Bruce

Herr Eckardt, wie kommt es, dass ein deutscher Chirurg in der jordanischen Hauptstadt irakische Kriegsopfer operiert?

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist in Amman tätig, weil sie den Irak vor vier Jahren verlassen musste - die Sicherheitslage hat es nicht mehr zugelassen. Die Opfer des Kriegs wollte man aber weiter versorgen, also suchte man nach einem Ort außerhalb des Landes, an dem das möglich war. Der Jordanische Rote Halbmond, der in Amman über ein Krankenhaus verfügt, bot an für das Projekt 20 Betten und zwei Operationsräume zur Verfügung zu stellen. Dort werden die Opfer seit August 2006 behandelt.

Das heißt im Irak selbst können die Opfer des Krieges gar nicht mehr versorgt werden?

Ein Gesundheitssystem, das auch nur annährend mit den Folgen dieser humanitären Katastrophe fertig werden könnte, ist nicht mehr in Kraft. Es gibt kaum noch Spezialisten, zum Beispiel rekonstruktive Chirurgen oder Unfallchirurgen, die in der Lage sind komplexe rekonstruktive Operationen durchzuführen. Auch fehlt ihnen das entsprechende Material, Schrauben- und Plattensysteme, für derartige Eingriffe.

Weiß man denn, wie viele Ärzte es überhaupt noch im Land gibt?

Laut Angaben der Vereinten Nationen sind seit 2003 etwa 800 Ärzte verschwunden - sie wurden ermordet, sind verschollen oder haben das Land verlassen. Von denen, die da geblieben sind, weiß man, dass viele in den Krankenhäusern bei ihrer Tätigkeit bedroht werden.

In Amman sind auch einige gelandet?

Ja, viele von ihnen sind aus dem Irak, aber nicht alle. Nach ein paar Monaten merkte man, dass der Patientenansturm so riesig und das Ausmaß der Verletzungen so katastrophal ist, dass es bisweilen die Kompetenz und die Expertise der Kollegen vor Ort übersteigt. Im September 2006 hat man mich dann angefragt.

Ist Ihnen die Entscheidung, nach Jordanien zu fliegen, leicht gefallen?

Es war eine spontane Entscheidung. Ich bin seit zehn Jahren in humanitären Projekten in Vietnam und Westafrika engagiert. Doch Amman ist etwas Anderes. Das merkte ich, als man mir die ersten Fotos und Computertomographien per Email nach Hannover schickte. Da wurde mir klar: Was mich erwartet, ist reine Kriegs-Chirurgie.

Hatten Sie so etwas schon mal irgendwo vorher gesehen?

Nein. Durch mein Studium und meine chirurgische Tätigkeit bin ich natürlich für komplexe Gesichtsrekonstruktionen ausgebildet, aber was ich in Amman an furchtbaren Verletzungen und Schicksalen gesehen habe, hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Es liegt jenseits unserer Vorstellungskraft.

Internationale Organisationen schätzen, dass seit Beginn des Kriegs vier Millionen Iraker geflüchtet sind, fast eine Million von ihnen hält sich in Jordanien auf. Wie oft waren Sie in Amman?

Fünf Mal. In ein paar Wochen werde ich wieder hinfliegen.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vor Ort vorstellen? Wie sind Sie untergebracht?

In Amman habe ich freie Unterkunft, Ärzte ohne Grenzen plant die ganze Reise für mich, für den Aufenthalt dort nehme ich Urlaub. Morgens um halb acht werde ich abgeholt, gegen neun Uhr fangen wir an mit den Operationen, das dauert dann bis 17, 18 Uhr.

Zur Person

Zur Person Der deutsche Chirurg Professor Dr. Dr. André Eckardt von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen operiert in regelmäßigen Abständen in der jordanischen Hauptstadt Amman irakische Kriegsopfer. Er lebt in Hannover. An der dortigen Medizinischen Hochschule ist er Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Plastische Operationen.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
gmathol (25.03.2008, 22:26 Uhr)
Unmenschlichen Staten of America.
Der Wiederaufbau im Iraq findet nicht statt. Millionen Menschen hungern und haben nicht einmal genug Wasser.
Angesichts der Tatsache ist die Erklaerung des Praesidentsschaftskandidaten McCain ueber den "Erfolg" nur noch ekelhaft.
Schlimm das die Bundesrepublik keine Politiker hat die den Amis ihre Verbrechen mal klar machen.
Aber wir sind ja noch immer besetzt aus SBZ wurde US-BZ.
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