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Von der Leyen in Amman: Deutschland hält an der Airbase in Jordanien fest

Obwohl die Terrormiliz "Islamischer Staat" in der Fläche defacto besiegt ist, will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Tornados der Bundeswehr nicht aus Jordanien abziehen, berichtet stern-Reporter Axel Vornbäumen aus Amman.

Fröstelnd steht die Ministerin an diesem Sonntagmorgen im kühlen Januarwind auf der Airbase in Amman. Gerade hat Ursula von der Leyen zwei einmotorige Propellermaschinen, zwei Lkw und einen Minitransporter an die jordanische Luftwaffe übergeben – Bestandteile jener 130 Millionen Euro schweren "Ertüchtigungsinitiative", mit der Deutschland auch 2018 Jordanien stabilisieren will, jenen "Fels in einer schwierigen Region", wie von der Leyen es nennt. Fast eine Milliarde Euro hat die Bundesrepublik in den vergangenen drei Jahren an Hilfsgeldern in das Nachbarland des krisengeschüttelten Syriens gepumpt. Wenn es nach der Ministerin geht, vernünftig angelegtes Geld.

"Wir wissen, dass diese Region auf lange Zeit nicht zur Ruhe kommen wird", sagt die deutsche Verteidigungsministerin. Es ist ein ebenso realistisches wie resignatives Fazit. "Wir brauchen Jordanien als Stabilitätsanker."

Bundeswehr-Tornados in Jordanien stationiert

Seit Herbst vergangenen Jahres sind die Beziehungen zu Jordanien noch enger geworden Damals verlegte die Bundeswehr ihre zuvor im türkischen Incirlik stationierten Tornados und Tankflugzeuge in die jordanischen Wüste, auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Azraq, 50 Kilometer südlich der syrischen Grenze. 288 Männer und Frauen richten sich dort derzeit unter immer noch provisorischen Bedingungen in Containern ein. Von Al-Azraq aus starten seit Mitte Oktober fast täglich die Tornados zu ihren bis zu fünfstündigen Aufklärungflügen, um Stellungen oder Rückzugsräume der islamischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu erkunden.

Jordanien hat sich in den vergangenen Monaten als verlässlicher Partner entpuppt. Auf absehbare Zeit gibt es für die Deutschen also keinen Grund, die Airbase zu verlassen – wenn da nicht die Tatsache wäre, dass der IS in der Fläche de facto als militärisch besiegt gilt. Mit anderen Worten: Der militärische Sinn der Aufklärungsflüge kommt mit nachlassender Kampfkraft des IS unter immer stärkeren Begründungszwang. Muss das alles noch lange so sein?

Ursula von der Leyen weiß das. Das Mandat für das nach Al-Azraq verlegte Einsatzkontingent "Counter DAESH" läuft Ende März aus, spätestens bis zur letzten Februarwoche muss es im Kabinett der auch dann immer noch geschäftsführenden Bundesregierung behandelt werden.

Ursula von der Leyen hält an Nahost-Einsatz fest

Die Verteidigungsministerin will dennoch auf absehbare Zeit nicht auf die Airbase und den deutschen Beitrag am Anti-Terrorkampf verzichten. "Wir werden auch weiterhin den IS in unterschiedlicher Form bekämpfen müssen", sagt sie in Al-Azraq. Und wenn nicht? Dann werde man in der Region dennoch weiterhin zu tun haben. Ursula von der Leyen macht in der jordanischen Wüste ganz den Eindruck, als sehe sie da den "point of no return" als längst überschritten an. Der Bundeswehreinsatz im Nahen Osten wird der "Fußabdruck" sein, den sie ihrem Nachfolger hinterlassen wird – für den Fall, dass sie in einer neuen Regierung doch nicht mehr Verteidigungsministerin sein wird.