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Kennedy-Akten: Wie die CIA dem jordanischen König Hussein I. eine Affäre beschaffte

Vor rund 60 Jahren bereist der jordanische König Hussein I. die USA. Er erhofft sich finanzielle Unterstützung, findet auf dem Staatsbesuch allerdings auch eine Affäre – wohl nicht ganz zufällig, wie jetzt veröffentlichte Geheimdienstakten zeigen.

Susan Cabot, der jordanische König Hussein I.,Robert Maheu und Edwin Pauley

Die Schauspielerin Susan Cabot und der jordanische König Hussein I. hatten offenbar eine kurze Affäre. Zu den Strippenziehern gehörten Robert Maheu und Edwin Pauley (im Uhrzeigersinn von links oben)

Es ist das Jahr 1959. Das Fernsehen in den ist größtenteils noch schwarz-weiß, durch die Städte rollen chromblitzende Straßenkreuzer, im Weißen Haus regiert seit sechs Jahren Dwight D. Eisenhower und das Land verdaut gerade den Sputnik-Schock, nachdem die Sowjetunion ihren ersten Satelliten ins Weltall schoss.

In dieser Zeit, im April, bereist König Hussein I., der erst 23 Jahre alte Herrscher Jordaniens die Vereinigten Staaten. Sein Land ist erst gut ein Jahrzehnt unabhängig von der britischen Krone, London dreht immer mehr den Geldhahn zu. Der Monarch steht indes unter dem Eindruck der Suezkrise und des Nahostkonflikts und sucht den Kontakt zum Westen. Von seiner Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten verspricht er sich finanzielle Hilfen der USA – unter anderem geht es für ihn nach und New York.

Der jordanische König Hussein I. (Archivbild)

Der jordanische König Hussein I. (Archivbild)

Was König Hussein vielleicht nur ahnt: Auch das Weiße Haus verspricht sich viel von dem Staatsbesuch. Dort ist man von der Persönlichkeit des Herrschers beeindruckt und vermutet, dass er sich zu einem großen, einflussreichen Führer in der arabischen Welt entwickeln könnte, so wie es auch schon sein Großvater Abdullah I. war. Einen mächtigen Verbündeten im Pulverfass können die USA immer gut gebrauchen.

König Hussein I. von Jordanien soll sich wohlfühlen

Jordaniens König soll sich auf seiner Reise wohlfühlen, dafür legen sich US-Geheimdienste 1959 ordentlich ins Zeug. Vielleicht sogar etwas mehr als üblich – das legt ein Blick in die im vergangenen Jahr von US-Präsident freigegebenen Kennedy-Akten nah, den auch die Reporter Ray Locker und Ed Brackett für die Zeitung "USA Today" gewagt haben. Es geht nur um zwei Seiten aus dem Konvolut von mehr als 35.000 Dokumenten, doch sie werfen ein Schlaglicht auf die Arbeit der US-Agenten in dieser Zeit. Fast schon ein Schelmenstück der Geheimdienste, das auch dreißig Jahre später noch einmal eine Rolle spielen sollte.

"Es müssen angemessene Vorkehrungen getroffen werden, um dem ausländischen Offiziellen einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten", heißt es in den Berichten der (CIA), dem legendären Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten. Wer der "ausländische Offizielle" (an anderen Stellen ist von einem "fremden Staatsoberhaupt") ist, benennen die Verfasser mit keinem Wort. Die Zeit und die die weiteren Umstände lassen allerdings nur den Schluss zu, dass die Agenten damit König Hussein meinen. Ihm soll in den USA eine "besondere Unterstützung" zuteilwerden, die Schwäche des Herrschers für weibliche Gesellschaft ist den CIA-Agenten gut bekannt.

Ex-FBI-Mann Robert Maheu (Archivbild)

Ex-FBI-Mann Robert Maheu (Archivbild)

Dass sich der jordanische König gerne an seinen Staatsbesuch zurückerinnert, darum soll sich ein Mann kümmern: Robert Maheu steht zu diesem Zweck auf der Gehaltsliste der CIA, ein umtriebiger Kerl: früherer FBI-Agent, Geschäftsmann, Anwalt. Im Frühjahr 1959 ist er 41 Jahre alt. Maheu hat Kontakte – in Politik und Wirtschaft, aber auch ins Film- und Showbusiness von Hollywood. Und die soll er nutzen, "um in Los Angeles eine Feier für das Staatsoberhaupt zu arrangieren", so steht es in den Dokumenten. Er tat, wie ihm befohlen.

Die vielleicht spannendste Rolle ihres Lebens

Anfang April feiert Edwin Pauley in seinem Haus in den Beverly Hills eine rauschende Party, die "Los Angeles Times" wird später über die Feier berichten. Pauley, damals 56, ist durch Ölgeschäfte reich geworden, auch er unterhält Beziehungen zu den Geheimdiensten und in die High Society. Der 23-jährige König Hussein scheint sich auf der Feier in den Hängen oberhalb von Los Angeles zu amüsieren, er lernt die Schauspielerin Susan Cabot, acht Jahre älter als er, kennen. Eine Zufallsbegegnung? Wohl kaum. Cabot, die bis dahin vornehmlich in B-Movies mitwirkte, spielt ab diesem Abend die vielleicht spannendste Rolle ihres Lebens. Sie ist von der CIA für die "besondere Unterstützung" des Monarchen vorgesehen. Offenbar ist sie gut darin. Die beiden unterhalten sich, sie sind sich sympathisch, sehr sympathisch sogar. Sie verstehen sich so gut, dass König Hussein den Wunsch äußert, sie während seines anstehenden Aufenthaltes in New York wiederzusehen, vermerken die Berichterstatter des Geheimdienstes. Der Beginn einer Affäre.

Die Agenten bereiten die Visite in New York innerhalb kürzester Zeit auf ihre Weise vor: Sie bringen Susan Cabot in Manhattan unter, rund einen Kilometer vom Central Park entfernt, im "Barclay", einem Luxushotel an der 48. Straße. Wer der dunkelhaarige Gast ist, erfahren die Mitarbeiter an der Rezeption des Hauses nicht, sie checkt unter falschem Namen ein.

Geschäftsmann Edwin Pauley (Archivbild)

Geschäftsmann Edwin Pauley (Archivbild)

Außerdem mieten die Leute von der CIA ein Haus auf Long Island an, damals schon bevorzugter Wohnort von Künstlern und Wohlhabenden. Es soll "geheimen Treffen" zwischen "dem ausländischen Offiziellen" und seiner Bekanntschaft dienen. Doch wie geheim ist das Arrangement zu diesem Zeitpunkt noch? Die CIA notiert, dass es wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für die Schauspielerin gebe.

Dennoch: Am 14. April trifft Cabot auf Long Island ein, begleitet wird sie von einem Mitarbeiter der CIA. Wenig später fährt ein Chauffeur den Wagen von König Hussein vor dem konspirativen Haus vor, er wird von drei Sicherheitsbeamten eskortiert. Einige Tage bleibt der Herrscher auf Long Island, jeden Abend besucht ihn die Schauspielerin für mehrere Stunden, ist in den Aufzeichnungen des Geheimdienstes festgehalten.

Doch bei Cabot kommen Zweifel auf. Dass die Presse über ihr Privatleben schreibt, gefällt ihr gar nicht, vertraut sie den Vertretern des Geheimdienstes in dem Haus auf Long Island an. Gleichzeitig sagt sie, dass sie inzwischen tiefe Gefühle für den König entwickelt hat. Es ist ihr mehr und mehr unklar, wo die Grenze zwischen ihrer Rolle und ihr als realer Mensch in diesem Schauspiel ist. Die eindeutige Anweisung eines CIA-Mannes: "Wir wollen, dass Sie mit ihm ins Bett gehen!" Am 18. April reist König Hussein ab.

Wie die Liaison weitergeht, darüber steht nichts in dem Geheimdienst-Dokument. Hussein und Cabot schreiben sich Briefe, nach ein paar Jahren schläft die Bekanntschaft ein – wohl auch, weil dem Herrscher die jüdische Herkunft seiner Affäre Probleme bereiten könnte. Über die Liebschaft wuchs über die Jahrzehnte Gras, eine Randnotiz der Weltgeschichte, verrückte Kuppelei eines Geheimdienstes.

Ende der 80er-Jahre wird die Affäre aktuell

Ende der 1980er-Jahre richten sich die Scheinwerfer der Öffentlichkeit plötzlich auf die ungewöhnliche CIA-Aktion. Straßenkreuzer sind inzwischen Oldtimer, das Fernsehen sendet in Farbe, die USA und die Sowjetunion haben längst Abrüstungsgespräche geführt. Und in Los Angeles steht der damals 25-jährige Timothy Scott Roman vor Gericht. Im Prozess wird man ihm nachweisen, dass er seine eigene Mutter im Schlaf mit einer Hantelstange erschlagen hat, berichtet die "Los Angeles Times". Der Name der Mutter: Susan Cabot.

Schauspielerin Susan Cabot (Archivbild)

Schauspielerin Susan Cabot (Archivbild)

In dem Gerichtsverfahren kommt noch mehr ans Licht: Der Verteidiger Romans behauptet: "So lange ich in den Unterlagen zurückblicken konnte, erhielt Susan Cabot monatlich 1500 US-Dollar vom jordanischen Königshaus. Das sieht mehr oder weniger nach Unterhaltszahlungen aus."

Zeugten die Schauspielerin und der junge König im Verlauf ihrer Affäre einen Sohn? "Das spielt keine Rolle für den Mordfall", ruft das Gericht den Verteidiger zur Ordnung. Dazu kommt: In Briefen schrieb Cabot König Hussein zwar von ihrem Sohn und dessen gesundheitlichen Problemen, mit keinem Wort wird darin jedoch eine mögliche Vaterschaft des Monarchen erwähnt, kommt in dem Prozess heraus.

Auch nach dem Tod des Herrschers 1999 pflegten Jordanien und die Vereinigten Staaten ein gutes Verhältnis. Dass die ungewöhnliche Affäre allerdings entscheidend dazu beitrug, darf bezweifelt werden. Dennoch ist anzunehmen, dass König Hussein I. seinen Staatsbesuch in guter Erinnerung behielt, die CIA dürfte zufrieden mit ihrer "Liebesfalle" sein – und die Öffentlichkeit hat mit der Freigabe der Kennedy-Akten einen Einblick in die Arbeit der Geheimdienste bekommen. Auch sie setzen bisweilen ganz profan auf die Kunst der Verführung.

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