Die Grünen in Baden-Württemberg werfen Innenminister Heribert Rech (CDU) vor, die Affäre um das Phantom von Heilbronn vertuscht zu haben. Jetzt hat sich der Minister erstmals zu den Vorwürfen geäußert. Von Werner Mathes und Rainer Nübel

Nach der "Phantom-Panne" setzt die Oppostion Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) unter Druck© Bernd Weißbrod/DPA
Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech hatte frühzeitig Kenntnis von DNA-Spuren, die darauf hinwiesen, dass es die "Phantomkillerin von Heilbronn" gar nicht gab. Dennoch informierte er nicht Landtag und Öffentlichkeit.
Bereits am 18. Dezember 2008 hatte für das Landeskriminalamt (LKA) Oberösterreich festgestanden, dass es "das Phantom nicht geben konnte", wie Behördenchef Rudolf Keplinger dem stern sagte. An diesem Tag war am rechten Mittelfinger eines bei einer Disco-Schlägerei getöteten Bosniers der genetische Fingerabdruck der "unbekannten weiblichen Person" (uwP) entdeckt worden. Doch bei diesem Streit in Linz war keine Frau dabei gewesen.
Wie jetzt aus den Antworten des Stuttgarter Innenministers auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervorgeht, war Rech schon einen Tag später, am 19. Dezember, über diesen "Phantom"-Fund informiert worden. Am 22. Januar 2009 erfuhr Rech, wie seinen Antworten zu entnehmen ist, von einer weiteren, ähnlich bizarren "Phantom"-Spur im Saarland: Sie fand sich an einer nach einem Einbruch in eine Saarbrücker Schule gefundenen Coladose - Täter waren Kinder und Jugendliche. Eine kaltblütige Polizistenkillerin sollte mit Kindern einen Einbruch begangen haben?
Genau so abwegig die genetische "Phantom"-Spur in Mannheim, von der die baden-württembergische LKA-Spitze am 27. Januar erfahren hatte. Entdeckt wurde sie an der unzugänglichen Innenseite des Steckers eines gestohlenen Navigationsgeräts - eine Spurenlegerin hätte das Gerät vorher in mühsamer Kleinarbeit zerlegen müssen. Spätestens seit diesem Tag, so sagte später LKA-Chef Klaus Hiller der "Stuttgarter Zeitung", sei ihm klar gewesen, dass es die "Phantom-Frau" nicht geben konnte.
Doch das klingt bei Stuttgarts Innenminister Rech ganz anders. Der Mannheimer Fund habe nach kriminalistischer Bewertung "keine greifbaren tatsächlichen Anhaltspunkte dafür ergeben, die Existenz der uwP auszuschließen", teilt er den Landtags-Grünen mit. Auch im Falle der beiden "Phantom"-Spuren in Oberösterreich und Saarbrücken sei es nicht ausgeschlossen gewesen, dass es sich doch um die "uwP" handeln könne. Rech geht noch weiter: Es habe damals "keine durchgreifenden Zweifel an der Existenz der uwP gegeben".
Ein krasser Widerspruch zu dem, was Rech eilig betont hatte, als stern und stern.de am 25. März aufgedeckt hatten, dass es die "Phantomkillerin von Heilbronn" gar nicht gab, vielmehr die an den Tatorten verwendeten Spurentupfer von der DNA einer Mitarbeiterin eines Wattestäbchen-Herstellers kontaminiert gewesen waren: Bereits seit einem Jahr habe man erhebliche Zweifel an der Existenz des "Phantoms" gehabt, sagte der Minister zu diesem Zeitpunkt.