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9. März 2009, 10:21 Uhr

Klatten-Erpresser legt Geständnis ab

Geständiger Gigolo: Der Erpresser der BMW-Erbin Susanne Klatten hat vor dem Landgericht München ein volles Geständnis abgelegt. "Die im Anklagesatz genannten Vorwürfe treffen im Kern zu", erklärte der Anwalt des Angeklagten Helg Sgarbi für seinen Mandanten. Zu zwei wichtigen Fragen machte er indes keine Angaben.

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Geständig: Der mutmaßliche Erpresser und Gigolo Helg Sgarbi© Miguel Villagran/Getty Images

Der Erpresser der BMW-Erbin Susanne Klatten hat zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Angeklagte Helg Sgarbi sagte am Montag vor dem Landgericht München: "Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich in dieser Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit gegenüber den geschädigten Damen." In Sgarbis Namen erklärte sein Anwalt Egon Geis: "Die im Anklagesatz genannten Vorwürfe treffen im Kern zu."

Der als Frauenschwarm geltende 44-jährige Schweizer hatte die reichste Frau Deutschlands und drei weitere Frauen um 9,4 Millionen Euro betrogen. Er gestand, er habe unwahre Behauptungen aufgestellt, um von den vier Frauen Geld zu bekommen. Außerdem habe er versucht, Klatten und eine weitere Frau mit von ihm selbst angefertigten Videoaufnahmen intimer Kontakte zu erpressen. Die entscheidenden Fragen zum Verbleib der Millionenbeute, möglichen Hintermännern und den Videos werde sein Mandant nicht beantworten, sagte der Verteidiger.

Das umfassende Geständnis könnte Klatten und den anderen Frauen einen Zeugenauftritt in dem spektakulären Prozess ersparen. Auf Antrag der Verteidigung hatte die Staatsanwaltschaft die Namen der drei anderen Opfer in der Anklage nicht verlesen, um ihnen weiteren Schaden zu ersparen. Allerdings ließ Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch auch nach dem Geständnis Sgarbis offen, ob er auf eine Aussage der Opfer verzichten werde.

Sgarbi, der im dunklen Dreiteiler vor Gericht erschien und sich lächelnd den zahlreichen Fotografen und Kamerateams stellte, droht eine langjährige Gefängnisstrafe. Da Sgarbi keine Angaben zum Verbleib der Beute und Hintermännern gemacht habe, könne er später nicht mit Hafterleichterungen wie einer vorzeitigen Entlassung rechnen, sagte Staatsanwalt Steinkraus-Koch. Er betonte, dass es keine Absprache mit der Verteidigung im Vorfeld des Prozesses gegeben habe.

Umzugskarton voller Bargeld

Darüber hinaus erklärte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft, die italienische Justiz wolle den als Mittäter verdächtigten Ernano B. selbst vor Gericht stellen. Ob die Videoaufnahme von Klattens Treffen mit Sgarbi in einem Münchner Hotelzimmer von Ernano B. gemacht wurden, ließ die Anklage im Münchner Prozess offen.

Der 44-jährige Sgarbi ist des besonders schweren Betrugs und der versuchten besonders schweren Erpressung angeklagt. Der als einfühlsamer Liebhaber geltende Schweizer hatte die verheiratete 46-jährige Milliardärin Klatten im Juli 2007 im Wellness-Hotel Lanserhof bei Innsbruck kennen gelernt und eine Liebesaffäre begonnen. Mit einer bereits mehrfach erprobten Masche brachte er sie dazu, ihm sieben Millionen Euro in einem Umzugskarton zu übergeben: Er sagte, er habe in den USA ein Mädchen angefahren und müsse dem nun querschnittsgelähmten Kind das Geld für den weiteren Lebensunterhalt zahlen. Als Schweizer Regierungsberater könne er sich keinen Prozess in den USA leisten.

Pikante Videos

In den folgenden Wochen versuchte der Mann, der sechs Sprachen sprechen soll, laut Anklage Klatten zu überreden, ihre Familie zu verlassen und 290 Millionen Euro für seinen Lebensunterhalt in eine Stiftung zu investieren. Als die Milliardärin rundheraus ablehnte und die zwei Monate währende Beziehung beendete, soll der Gigolo sie mit heimlich gemachten Videos von intimen Treffen erpresst haben. Zunächst habe er 49 Millionen, später nur noch 14 Millionen Euro Schweigegeld verlangt und mit brisanten Briefen an ihre Familie, die Vorstände ihrer Firmen und die Presse gedroht. Weil sich die die BMW-Großaktionärin aber wehrte und zur Polizei ging, sitzt Sgarbi seit einem Jahr in Untersuchungshaft.

Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch warf dem einschlägig vorbestraften Schweizer vor, sich "gewerbsmäßig handelnd" durch Vorspiegelung falscher Tatsachen und durch Drohungen "eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von erheblichem Umfang" geschaffen zu haben. Das Märchen vom angefahrenen Kind hatte S. leicht abgewandelt auch drei weiteren Frauen aufgetischt, die er in einem Schweizer Luxushotel und im Juni 2007 wenige Tage vor Klatten ebenfalls im Lanserhof verführt hatte. Zwei dieser Frauen gaben ihm 2,4 Millionen Euro in bar, eine ließ sich nicht auf Geldforderungen ein. Ein Erpressungsversuch mit Sexvideos scheiterte ebenfalls.

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
H.P. (09.03.2009, 13:05 Uhr)
spirituelles Gangstersyndikat
@stern:"Meine Mutter hielt ihn für die Reinkarnation Jesu." Angeblich finanziert Barretta mit dem Geld Waisenhäuser in der Dritten Welt, aber bis heute hat niemand eine der Wohltaten lokalisieren können.
So ist das wenn man solchen Propheten und Jesus-Reinkarnationen glaubt anstatt an sich selbst zu glauben!
All die Betrogenen haben es nicht anderes gekannt und folgten ihrem Trieb und Gefühlsduselei, doch aus Fehler lernt man, auch wenn sie viel kosten, doch Geld war bei den Damen kein Thema, dass hatten sie ja genug, grins
Schlimmer ist, wenn man Menschen bewusst ruiniert, da hört aller Spaß auf.
Helg Sgarbi und sein spirituelles Gangstersyndikat sind keine harmlosen Betrüger!
Countryjoe (09.03.2009, 13:03 Uhr)
Gutherzigkeit?
Über die Hintergründe des freiwilligen Geständnisses des Herrn Sgarbi, kann man ja spekulieren. Vielleicht war es ja reine Gutherzigkeit, aber ich denke, daß es sicher nicht sein Schaden gewesen ist.
petermeyer (09.03.2009, 12:00 Uhr)
ps: ein gigolo
ist ein männlicher prostituieter , wie ich gerade nachgelesen haben.
das war der typ ja nun aber nicht. eher ein heiratsschwindler und erpresser.
ps: meine frau lässt mitteilen , sie findet den peinlich und sie würde kein geld für so jemanden hinlegen- da schließt sich der kreis wieder, er ist demzufolge kein gigolo , da er auch nichts zu bieten hat, wofür wohl jemand geld bezahlen würde.
petermeyer (09.03.2009, 11:55 Uhr)
also geschmack
haben die gutsituierten damen der gesellschaft aber nicht wirklich und es so ne "type" fallen die rein , peinlich peinlich.
Sanjoaquin (09.03.2009, 11:49 Uhr)
@ Sternchen2020 - Was wollen Sie uns mitteilen?
Ihre Erregung scheint chronisch zu sein, aber deswegen haben Sie das Strafrecht hinten und vorne immer noch nicht verstanden. Ein Geständnis ist im Sinne der Prozessökonomie für alle Beteiligten bei weitem das Beste, nur Sie scheint es zu ärgern, dass die Geschädigte nicht nochmals durch den Kakao gezogen wird. Ihre Empörung ist nur noch eklig.
Wiebitte20081 (09.03.2009, 11:47 Uhr)
???
Stimt.Alle Fünf.???
Missgunst?Eine Ahnung was der arme Kerl dafür alles machen musste?Allein d. Nummer mit dem Schäferhund am Strand.Baah.Der gehört Entschädigt.
ch4K (09.03.2009, 11:17 Uhr)
*lach*
Diese Gesichtsfünf soll ein Gigolo sein?
Wiebitte20081 (09.03.2009, 10:51 Uhr)
???
Selbst für die Rechte an der Story kriegt der Typ noch richtig Asche.
Manchen gibts der Herr im Schlaf.Das Sparkassengesicht ist echt der Brüller.
Sternchen2020 (09.03.2009, 10:49 Uhr)
Na prima,
mit dem Geständnis bleibt Klatten nun eine Vorladung erspart und wird nicht nochmals ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt. So laufen heute Prozesse. Abschließend gibt es dann noch einen ordentlichen Strafrabatt für den Gigolo - fertig!
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