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24. April 2008, 17:50 Uhr

Kirche unter Schock

Das Erzbistum Hamburg hat einen Priester, gegen den wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt wird, vom Dienst beurlaubt. Die Kirchenleitung behauptet, nichts von den Vorfällen gewusst zu haben. Unklar ist, warum ein anderer Priester, dem die Vorwürfe bekannt waren, neun Jahre lang geschwiegen hat. Von Björn Erichsen

Frauen demonstrieren in Riekhofen gegen sexuellen Missbrauch durch Priester© Diether Endlicher/AP

Die katholische Kirche in Hamburg steht unter Schock: Am Morgen war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft gegen einen im Erzbistum Hamburg tätigen Priester wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ermittelt. Inzwischen hat die Kirche den Geistlichen bis auf weiteres vom Dienst beurlaubt. "Ich bin sehr betroffen, dass ein Priester unserer Kirche unter einem solchen Verdacht steht", sagt Erzbischof Werner Thissen in einer Erklärung. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen."

Bisher ist nur bekannt, dass es sich bei dem Beschuldigten um einen im Erzbistum Hamburg tätigen, aber zu einem anderen Bistum gehörenden Priester handelt. In seiner Zeit als Vikar soll er mindestens einen kleinen Jungen sexuell missbraucht haben. Die Vorwürfe stützen sich auf einen in polnischer Sprache verfassten Briefwechsel aus den Jahren 1999 und 2000 zwischen Gemeindemitgliedern und ihrem Pfarrer, der damals auf den Missbrauch hingewiesen worden ist. Gegenwärtig prüft die Staatsanwaltschaft die Korrespondenz.

Zwischen die Beine gefasst

In welchem Ausmaß und welcher Form der Missbrauch stattfand, lässt sich bisher nur erahnen. Die Verfasser "hätten eindeutig einen Vikar gesehen, wie er einen jüngeren Jungen geküsst und ihm dabei zwischen die Beine gefasst habe", zitiert das "Hamburger Abendblatt" aus einem Brief vom Juni 1999. Weiterhin bitten sie um eine innerkirchliche Lösung, konkret eine "diskrete, wenn auch entschiedene Reaktion".

"Die Beweise sind erdrückend, da uns die Aussagen von mehreren Zeugen vorliegen." Rechtsanwalt Wolfgang Vehlow zu stern.de, der den Antragsteller, Krzysztof Stobinski, ein Mitglied des Pastoralrats, vertritt. "Für meinen Mandanten war es selbstverständlich, die Briefe der Staatsanwaltschaft zu übergeben." Warum die Briefe nicht schon viel früher durch den Pfarrer öffentlich gemacht worden sind, darüber kann Vehlow nur spekulieren: "Vielleicht hat der sich einfach nicht getraut."

Neun Jahre geschwiegen

Fakt ist, dass die Briefe erst öffentlich wurden, nachdem sie in den Unterlagen eines Pfarrers gefunden worden, der derzeit schwer erkrankt ist. Das Erzbistum hat nach eigener Angabe erst am 23. April durch die Anfrage des "Hamburger Abendblatts" von den Vorwürfen erfahren. Warum hat der Priester offenbar neun Jahre lang geschwiegen? Und das obwohl ihm bekannt gewesen sein muss, dass der betreffende Priester mit Jugendlichen und Vikaren zu tun hat?

Fragen, die man beim Erzbistum Hamburg noch nicht beantworten kann: "Es kann natürlich nicht sein, dass einer unserer Priester davon Kenntnis hat und nichts geschieht", sagt Pressesprecher Manfred Nielen zu stern.de. "Sollten sich die Anschuldigungen erhärten, werden wir auch mit ihm ein Gespräch führen, momentan ist er jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht ansprechbar." Zu möglichen Sanktionen für den schweigsamen Priester will Nielen nichts sagen.

Zunächst einmal wird die innerkirchliche Ermittlung entlang der "Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" ablaufen, in der kirchliche Strafmaßnahmen ebenso wie Hilfe für Opfer und Täter vorgesehen sind. Ebenfalls darin vorgesehen ist, eine "angemessene Information der Öffentlichkeit zu gewährleisten". Doch dafür wird es zunächst einmal nötig sein, das lange Schweigen in den eigenen Reihen zu erklären.

Von Björn Erichsen
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
gaga007 (25.04.2008, 10:52 Uhr)
Sandygirl (25.4.2008, 9:59 Uhr)
Sandygirl (25.4.2008, 9:59 Uhr)
Das Problem...
...gibt es nicht nur in "der Kirche".
Und ? Ist die Kirche damit entschuldigt ?
Sandygirl (25.04.2008, 09:59 Uhr)
Das Problem...
...gibt es nicht nur in "der Kirche".
Hinseher (25.04.2008, 09:56 Uhr)
Wieso Kirche unter Schock
frage ich mich? Ist das was Neues? Solange der sture Katholizismus nicht begreift, dass seine hirnlos gepredigte Lust- und Leibfeindlichkeit umgekehrt zur verheimlichten Kompensation führt, wird sich auch in hundert Jahren nichts ändern (so schlimm das für die Missbrauchten ist!). Solche Fälle wird es leider immer wieder geben, aber die Katholen unter der weltfremden Knute des Papstes werden dies nie lernen. Unter Schock? Dass ich nicht lache! Wahrscheinlich ist noch nicht einmal 1% der Fälle überhaupt bekannt geworden...
H.P. (25.04.2008, 08:20 Uhr)
Krone der heiligen Kirche
Die Geistlichen auf dem Weg zur Hölle
....O weh, Krone der heiligen Kirche, wie sehr bist du beschmutzt! Deine Edelsteine sind dir ausgefallen, denn du schwächst und schändest den heiligen christlichen Glauben; dein Gold ist verrottet im Pfuhl der Unkeuschheit, denn du bist arm geworden und besitzt die wahre Liebe nicht; deine Mäßigkeit ist verbrannt im gierigen Feuer der Völlerei; deine De-mut ist versunken im Sumpf deines Flei-sches (VI, 21/ 479, 4-10)… Ich will das Herz des Papstes von Rom mit großem Jammer erfüllen, und in dem Jammer will ich ihn ansprechen und klagen, daß meine Schafhirten... zu Mördern und Wölfen ge-worden sind ....Wer den Weg zur Hölle nicht kennt, der braucht nur auf die verdorbene Geistlichkeit zu schauen, wie ihr Leben geradewegs zur Hölle führt mit Weibern und Kindern und mit anderen zutage liegenden Sünden. So ist es nötig, dass die letzten Brüder kommen (VI, 21/ 479, 18-30).
Die Kirchenkritik der Mystikerin Mechthild von Magdeburg
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2004/imp040305.html
Fesche_Lola (25.04.2008, 08:15 Uhr)
Da zeigt sich wieder, ...
... was die Kirchenführer für ein widerlicher, verlogener Haufen gestörter, meist alter Männer ist. Und die Schäfchen folgen ihr blind und demütig. Hallo?? Aufwachen und austreten! Die "Reinigung", von der der Papst gesprochen hat, wird es niemals geben. Wenn das ganze Ausmaß sexueller Missbräuche ans Licht käme, dann wäre das das Ende der Katholen. Das weiß der Papst auch. Also lautet die Devise: Empörung zeigen, einen Priester opfern, dann warten bis sich der Volkszorn gelegt hat, und weitermachen wie bisher.
gaga007 (25.04.2008, 07:27 Uhr)
Erzbischof Werner Thissen in einer Erklärung : "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen."...
... ist das die Umschreibung für " wir werden alles versuchen, um die Sache kleinzureden, zu vertuschen und dann versetzen wir den Priester in einen anderen Bereich - schließlich braucht der Mann mal Abwechslung.
tagora-sagittara (25.04.2008, 07:07 Uhr)
Hä, hä,... wie sagte kürzlich der Papst....
die Kirche muss eine Zeit der Reinigung vollziehen??...
Ich hätte da eine wahrlich römische Idee,... die "Via Apia" gibst ja immer noch,...oder?...
gmathol (25.04.2008, 05:26 Uhr)
Last die Kindlein zu mir kommen.
Dieser Spruch bekommt eine neue makabere Bedeutung. Hier muss die Staatsanwaltschaft handeln und auch die Verschleierer mit "behandeln".
Auch in anderen Dingen kann man der Kirche nicht trauen! Schutz des werdenden Lebens zum Beispiel - danach kann man in Kriegen oder sonstwie diese "gewordenen" Menschen ausrotten und abschlachten.
Moral? Welche Moral kann eine Institution haben deren Bischoefe teure Ringe, Protz-Karossen und Villen mit Schwimmbaedern besitzen?
Hier hilft nur noch eines - austreten! Klar, es wird immer argumentiert das die Kirchen ihr Geld fuer soziale Zwecke verwenden - das stimmt aber nicht - bezahlen tut das der Steuerzahler.
GlobalPirate (25.04.2008, 02:33 Uhr)
Die Mitschuld der Kirche...
Was mich schon lange verwundert ist das der Gesetzgeber nicht einschreitet und die katholische Kirche zwingt ihre perversen Grundregeln die gegen das Grundgesetz verstossen zu ändern oder den Laden einfach dicht zu machen. Zum einen werden Frauen systematisch benachteiligt, zum anderen wird Pfarrern eine Lebensweise vorgeschrieben, die ja dazu führen muss das man krankhafte Neigungen entwickelt. Laut KK ist ja für einen Pfarrer ein normales Sexualleben (ohne Schuldgefühle und Heimlichtuerei) unmöglich, ja nicht mal Masturbation ist erlaubt. Damit treibt man ja einen Menschen geradezu in die Perversität. Und dann wundert man sich wenn so etwas passiert. Ich klage die gesamte Kirchführung an und zwar des Missbrauchs zunzähliger Kinder, der Vertuschung des Missbrauchs, der Gehirnwäsche und psychologischen Folter ihrer "Schäflein".
88cui (25.04.2008, 00:42 Uhr)
Markus 10,14:
"Lasset die Kindlein zu mir kommen..." - Wirklich?
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