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Chaos am Airport Düsseldorf Geschockte Germanwings-Crews weigern sich zu fliegen


Nach dem Flugzeugunglück steht das Germanwings-Bordpersonal unter Schock - und dennoch müssen die Flugbegleiter und Piloten weiterarbeiten. Sie bitten Reisende um Verständnis.

Der Schock über den Absturz der Germanwings-Maschine sitzt tief. Besonders grausam ist die Situation für die Mitarbeiter von Germanwings: Das Bordpersonal muss weiterarbeiten, obwohl die Flugbegleiter und Piloten auch unter Schock stehen. Doch das Bordpersonal weigert sich, in die Maschinen zu steigen - zu tief sitzt das Entsetzen über das Unglück und den Verlust der Kollegen.

Nichts geht man an den Flughäfen

Am frühen Abend herrscht am Flughafen Düsseldorf Chaos. Bei Germanwings-Maschinen gebe es extreme Verspätungen, berichtete ein Reisender, der am Abend noch versuchen wollte, von dort aus nach Hamburg zu fliegen, dem stern. Viele Germanwings-Crews seien nicht mehr bereit zu fliegen. "Entweder, weil sie Freunde und Kollegen bei dem Absturz verloren haben - oder weil sie schlicht Angst haben", fügte er hinzu. Als Passagier wisse man nicht, wo man anrufen solle, um genaue Informationen zu bekommen. Inzwischen seien auch sehr viele Menschen am Flughafen, die nicht reisen könnten, wie geplant. Es sei sehr voll am Airport. Die Leute stünden vor den Schaltern. "Jeder kämpft um seinen Platz in den Flugzeugen." Inzwischen seien immer weitere Flüge gecancelt worden. Auch Mietwagen seien kaum noch zu bekommen - nun bilden sich Fahrgemeinschaften unter den Gestrandeten.

Das Bordpersonal hat Angst

Auch an den Flughäfen in Köln-Bonn und Berlin fallen reihenweise Flüge aus. Auch hier sind Flugbegleiter außer Stande zu fliegen. Germanwings sucht nach Mitarbeitern, die noch fliegen können. Die Ansage im Flieger zwischen Köln-Bonn und Berlin: "Wir suchen nach Crews, die bereits sind, diesen Flug zu bedienen", schreibt ein Facebook-User. Er berichtet, dass eine Lufthansa-Sprecherin hinter vorgehaltener Hand sagte, dass Germanwings-Crews Angst hätten.

Piloten nehmen Crews in Schutz

Auch auf anderen Flughäfen sind Germanwings-Mitarbeiter nicht in der Lage weiterzuarbeiten. Für den Flug von Berlin nach Köln musste die Crew ausgetauscht werden, schreibt eine Twitter-Userin. "Nicht jeder mag heute fliegen", schreibt sie. Die Passagiere seien sauer, weil es zu Verspätungen komme.

Für die Berichte von Reisenden gab es am Abend auch offizielle Bestätigungen des Unternehmens. So gab Germanwings bekannt, dass im Laufe des Dienstags eine Reihe von Flügen ausgefallen sei. In Düsseldorf wurden laut Flughafen-Homepage unter anderem Verbindungen nach Paris, Hamburg, London, Madrid und Stockholm gestrichen. Auch in Köln fielen Germanwings-Verbindungen aus. Hier wurde laut Flughafen Verbindungen nach London, Mailand und Zürich annulliert.

Die Germanwings-Mutter Lufthansa teilte mit, dass einige Germanwings-Crews als Reaktion auf das Unglück ihren Dienst nicht angetreten haben. Sie hätten aber ausschließlich persönliche Gründe genannt, sagte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt. Wie viele Beschäftigte dies waren und an welchen Flughäfen, war zunächst unklar. Der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit war dagegen nicht bekannt, dass sich Crews geweigert haben, zu fliegen.

Inzwischen nehmen die Piloten ihre Crews in Schutz. Auf dem Flug von Hamburg nach London machte der Pilot eine Durchsage, dass der Flieger nicht abheben könne, weil die Mitarbeiter dazu psychologisch nicht in der Lage seien, berichtet ein Nutzer auf Twitter. Auch der Pilot des Fluges von Hamburg nach Zürich wandte sich mit einer emotionalen Ansprache an die Passagiere. Und der Pilot des Fluges von Berlin nach Düsseldorf bat die Reisenden, doch bitte nicht die Crew nach dem Unglück auszufragen. Das zeigt ein Audio-Mitschnitt eines Reporters der "Bild am Sonntag".

kg/anb

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