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6. Mai 2009, 10:46 Uhr

Piraten kapern deutsches Schiff

Die Überfälle durch Seeräuber vor Somalia nehmen trotz verstärkter internationaler Militärpräsenz kein Ende: Im Golf von Aden haben Piraten jetzt ein weiteres deutsches Schiff in ihre Gewalt gebracht. Ein Helikopter vom nächsten Marineschiff konnte den Angriff auf die "MV Victoria nicht verhindern.

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Ein Piratenboot im Golf von Aden: Zurzeit befinden sich 19 Schiffe in der Gewalt somalischer Seeräuber© Bundeswehr/ddp

Somalische Piraten haben wieder ein deutsches Schiff im Golf von Aden gekapert. Der Frachter "MV Victoria" wurde bereits am Dienstagnachmittag 120 Seemeilen nördlich der somalischen Hafenstadt Boosaaso überfallen, bestätigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Mittwoch in Berlin. Die elfköpfige, ausschließlich rumänische Besatzung soll unversehrt sein. Das Schiff war im Auftrag einer deutschen Reederei auf dem Weg von Indien nach Saudi-Arabien und fährt unter der Flagge Antiguas. Es hat 10.000 Tonnen Reis geladen.

Nach Aussage von Raabe war die "MV Victoria" in einem unbegleiteten Konvoi in dem Korridor unterwegs, der von Marineschiffen bewacht wird. Eine türkische Fregatte war rund 100 Seemeilen entfernt, ein Hubschrauber konnte den Frachter nicht rechtzeitig erreichen. Die Piraten waren schon an Bord. Die Bewachung sei "nicht lückenlos", räumte Raabe ein, betonte aber: "Es bleibt dabei: Die Mission Atalanta ist erfolgreich".

Nach Angaben der Freien Matrosen-Gewerkschaft im rumänischen Constanta kletterten acht Piraten aus kleinen Fischerbooten an Bord und kaperten das Schiff. Es sei mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten unterwegs gewesen und habe eine niedrige Reeling. Das habe es den Piraten leicht gemacht, sagte Raabe. Wie die rumänische Firma Kru Maritime, die die Crew-Mitglieder an die deutsche Reederei vermittelt hat, mitteilte, konnte der Kapitän einmal mit dem deutschen Reeder telefonieren. Seither ist der Kontakt abgebrochen.

Mit der Kaperung der "MV Victoria" befinden sich jetzt 19 Schiffe in der Hand der Seeräuber. Darunter ist auch noch ein weiterer deutscher Frachter, das Containerschiff "Hansa Stavanger". Somalische Piraten haben seit vergangenem Jahr trotz verstärkter internationaler Militärpräsenz in der Region bereits mehr als 100 Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Sie werden später in der Regel gegen Zahlung hoher Lösegelder wieder freigelassen. Einige Schiffe befinden sich monatelang in der Hand der Seeräuber.

Die FDP warf der Bundesregierung Untätigkeit und Selbstgefälligkeit vor. "Es werden mehr Schiffe entführt als je zuvor", monierte der Verteidigungsexperte der Partei, Rainer Stinner, am Mittwoch in Berlin. "Befreiungsaktionen von deutscher Seite scheinen - warum auch immer - nicht möglich zu sein." Er forderte die Regierung auf, nicht mehr auf Lösegeldzahlungen zu setzen. Durch das Geld hätten Piraten die Möglichkeit, weiter aufzurüsten. "Die einzig praktikable Lösung ist, die Mutterschiffe der Piraten außer Gefecht zu setzen", sagte Stinner. "Die Bundesregierung hat das Mandat dafür, sie muss es nur umsetzen."

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin kritisierte: "Die erneute Entführung eines deutschen Schiffes zeigt die Defizite der EU Mission Atalanta." Er sprach von "Schlendrian" und forderte die Errichtung eines Internationalen Strafgerichtshofes für Piraterie.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
lediable (06.05.2009, 20:40 Uhr)
Bundesregierung unfähig
Da werden 200 hoch- und unter hohem Aufwand des Steuerzahlers trainierte und teure GSG 9 Spezialisten aufwändig nach Somalia verlegt - für eine EINZIGE beabsichtigte Aktion - und dann unter internationalem Hohngelächter wieder zurückgeholt. Weil die Aktion zu riskant war. Dem kann ja durchaus so gewesen sein.
Diese Entscheidung hat sich Schäuble sicher nicht leicht gemacht.
Aber man könnte doch auch jeweils 8-10 der SuperGSGler auf deutschen Frachtern stationieren während die auf gefährdeten Routen fahren. Die müssten dann freie Hand bei der Piratenabwehr im Falle eines Angriffs bekommen und könnten dann zeigen, dass wir sie nicht umsonst bezahlen.
Sollte für so hochtrainierte Spezis
eingentlich einfach sein, gegen ein paar solche Hobbypiraten und Abenteurer zu bestehen, oder? ;)

Ein paar abgewehrte Angriffe, versenkte Piratenboote weiter und
die Piraten meiden dann deutsche Schiffe.
Blacky007 (06.05.2009, 14:42 Uhr)
Sehe auch nur eine Wüste
auf Google-Earth - aber Ihr müsst doch zugeben, ein besseres Versteck für Schiffe wird man kaum finden... *lach*
Johann58 (06.05.2009, 14:40 Uhr)
@terrax
1. Bild ist keine Zeitung
2. glauben Sie denn, dass Google Earth oder Google-Maps serioese Quellen sind?
Dass das Ganze ja irgendwelche Ursachen hat steht wohl ausser Frage. Zur Befreiung bleibt aber dann wohl zu bedenken, dass dabei durchaus auch Geiseln gefaehrtdet werden und es hat schon ein Stueck Zynismus wenn man das so einfach hinnimmt. Ich habe immer das Gefuehl, dass das Leben von Menschen mit denen man nicht diekt verwandt oder befreundet ist immer gerne leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.
kralli19 (06.05.2009, 14:33 Uhr)
Freibrief
Der Rückzug der GSG9 war ja nunmal sowas wie ein Freibrief für Piraten, bevorzugt deutsche Schiffe zu kapern. Sie lernen daraus: "Die Deutschen können oder dürfen nicht, also sichere Sache". Ist genauso wie Strafrechtsverfahren wegen Körperverletzung die eingestellt werden wegen mangelnden öffentlichen Interesses - die sieht man dann Jahre später als Intensivtäter wieder mit ellenlangem Register.
Und zum mißlungenem Hubschrauber-Abwehrversuch: Wenn´s deutsche Standardfregatten sind die da kreuzen - der Sea-Lynx und seine Bewaffnung ist ja nunmal auch nicht auf Piratenjagd ausgelegt, da wirds schon etwas schwer...oder sollen sie U-Boot-Torpedos auf Schlauchboote schmeißen ?
terrax (06.05.2009, 14:18 Uhr)
@tobix
Dann geben Sie doch mal den Ort ein bei Google-Maps. Und? Sehen Sie dort eine Bucht? Ich sehe nur Wüste.
Blacky007 (06.05.2009, 14:18 Uhr)
@Pamela_1971
Sie haben soweit ja recht, dass die Konzerne letztendlich den Fischern die Grundlage enzogen haben. Das Geschäft mit der Piraterie wäre von Fischern alleine jedoch nie und nimmer realisierbar gewesen.
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Wo sollen denn einfache Fischer, die ja kein Geld mehr hatten, denn die Kohle hernehmen um teuere GPS-Überwachungstechnik und die ganzen Waffen einzukaufen? Kann mir auch keinen einfachen und sonst friedliebenden Fischer vorstellen, der besondere Beziehungen zu Waffenhändlern unterhält - warum auch?
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Nein, die Fischer haben das nicht angezettelt - da haben ganz andere Kaliber ihre Chance erkannt und sich der Fischer nur bemächtigt, um auf einfachstem Wege an ein paar Millionen zu kommen.
Oberamtsrat (06.05.2009, 14:13 Uhr)
Von deutschen Behörden
haben die doch nichts zu befürchten. Man glaubt in Berlin wohl, wenn wir uns aus allem raushalten dann tun die uns schon nichts und verschonen uns. Falsch gedacht, Frau Merkel. Die lachen die Nochregierung bis September in Berlin nur aus. Heile Heile Gänschen Frau Merkel. Aufwachen, wir leben in einer Welt, die nur noch Härte versteht.
manndernichtdaist (06.05.2009, 13:54 Uhr)
Gut gemacht Regierung!
Die GSG9 ist die Lachnummer der weltweiten Antiterrororganisationen geworden und die Terroristen/Piraten werden sich noch stärker deutsche Schiffe und deutsche Ziele in Afghanistan und evtl sogar in Deutschland aussuchen - und das nur durch den Dilettantismus einiger Möchtegern-Politiker.
Reality (06.05.2009, 13:49 Uhr)
Ab und zu erinnert mich diese ganze Berichterstattung ann...
die Zeiten wo in einheitlicher Regelmäßigkeit immer wieder Bin-Laden oder Alkaida irgend einen Anschlag planten oder angeblich gemacht hätten.
Man meint wohl, dass man nur lange genug die Leute für dumm verkaufen muss, dann galuben die einem alles.
Was will man heutzutage von der Main-Stream-Presse, der Journallie schon anderes erwarten.?
tobix (06.05.2009, 13:48 Uhr)
@Reality
Haben Sie in dem Artikel irgend etwas darüber gelesen, warum der Helikopter nicht helfen konnte? Ich zumindest nicht. Damit können wir jetzt unterstellen, dass ein schwer bewaffneter Helikopter zu blöd war, ein Piratenboot zu stoppen. Oder aber man zieht noch andere Möglichkeiten in Betracht, bspw. zu spät alarmiert und die Piraten waren schon an Bord.
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