Uli Hoeneß nur auf Kaution frei

23. April 2013, 18:00 Uhr

Der Steuerskandal ist für Uli Hoeneß offenbar noch ernster als ohnehin schon bekannt ist. Laut einem Medienbericht ist der Bayern-Präsident nur wegen Zahlung einer Millionen-Kaution auf freiem Fuß.

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Bereits im März soll FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß vorläufig festgenommen worden sein©

Die Steueraffäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird immer brisanter. Der Aufsichtsratschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters ist laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" im März vorläufig festgenommen worden. Gegen Hoeneß liegt nach "SZ"-Informationen ein Haftbefehl vor, der außer Vollzug gesetzt wurde. Dies wurde der Nachrichtenagentur DPA aus Justizkreisen bestätigt. Der 61-Jährige hat laut "SZ" eine Kaution in Millionenhöhe hinterlegt. Nach einer Selbstanzeige im Januar hatte die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgenommen.

Hoeneß' Anwalt war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen, auch vom FC Bayern gab es keinen Kommentar. Hoeneß bemüht sich derzeit um Schadensbegrenzung. "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen", betonte der Unternehmer in der "Sport Bild". Negative Folgen für den deutschen Fußball befürchtet unterdessen der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Da werden wir nun einige Häme zu spüren bekommen", sagte Zwanziger.

Selbstanzeige doch nicht strafbefreiend?

Wie die Zeitung berichtet, kamen die Ermittler am 20. März, ausgestattet mit einem Haftbefehl gegen Hoeneß, zu einer Hausdurchsuchung. Die Justiz soll ursprünglich sieben Millionen Euro an Kaution gefordert haben, damit der 61-Jährige frei bleiben kann. Hoeneß habe sich dann in den vergangenen Wochen zweimal pro Woche bei den Behörden melden müssen. Warum ein Haftbefehl gegen Hoeneß erlassen wurde, ist der "SZ" zufolge bislang unbekannt.

Die Autoren der "SZ" spekulieren in ihrem Beitrag zudem, dass die vorläufige Festnahme ein "ernster Hinweis" darauf sei, dass Hoeneß' Selbstanzeige wegen unversteuerter Spekulationsgewinne womöglich nicht strafbefreiend wirken könnte. Im Fall von Selbstanzeigen seien Haftbefehle ungewöhnlich, da der Betreffende von sich aus reinen Tisch machen wolle.

Am Montag hatte Hoeneß angekündigt, vorerst keine Details zu der brisanten Steuersache nennen zu wollen. "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere", sagte Hoeneß, der sich am Abend in der Münchner Arena das Champions-League-Halbfinale zwischen den Bayern und dem FC Barcelona nicht entgehen ließ. Der Steuerfall wird Hoeneß und seinen Verein nun in den wichtigen kommenden Wochen bei der Jagd auf das Triple auf Schritt und Tritt begleiten. Außerdem muss der Präsident des Rekordmeisters schon jetzt mit einem riesigen Imageschaden bezahlen.

Debatte um Steuerhinterziehung gewinnt an Fahrt

Die politische Debatte um das Thema Steuerhinterziehung hat durch die Affäre richtig Fahrt aufgenommen. Für die TV-Talkshows ist der Fall Hoeneß eine perfekte Vorlage, in Leitartikeln, in Foren und Blogs wird der Sündenfall des einstigen Vorbilds heftig diskutiert. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bewertete die Affäre am Dienstag als "schwerwiegenden Fall" und betonte: "Es gibt nicht den geringsten Anlass, Steuerflüchtlinge zu schonen." Anders als die Bundeskanzlerin distanzierte sich der CSU-Politiker aber nicht ausdrücklich vom Bayern-Präsidenten. "Ich bewerte nicht den Uli Hoeneß", sagte er. "Ich möchte mir ein Urteil nicht erlauben aufgrund der Faktenlage, die ich nur aus den Medien kenne." Union und FDP forderten Steuerhinterzieher auf, dem Beispiel Hoeneß' zu folgen und sich ebenfalls vor dem Fiskus zu offenbaren.

SPD, Grüne und Linke starteten einen neuen Anlauf für eine schärfere Gangart im Umgang mit Steuerbetrügern. Sozialdemokraten und Grüne wollen die Hürden für strafbefreiende Selbstanzeigen reuiger Steuerbetrüger nun weiter erhöhen. Sie ermöglicht Schwarzgeld-Anlegern bei voller Aufklärung und Nachzahlungen bisher Straffreiheit. Die Linke fordert eine komplette Abschaffung des Privilegs.

Nach Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel sollte eine strafbefreiende Selbstanzeige auf Bagatelldelikte begrenzt und das Privileg deutlich eingeengt werden. "Trotzdem muss es die Möglichkeit geben für Menschen, die einmalig eine Steuerstraftat begangen haben, auch wieder rauszukommen und nicht jedes Jahr erneut in der Falle zu bleiben." Wichtiger sei, Konten vor dem Fiskus offenzulegen und das Steuergeheimnis fallen zu lassen. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrückverteidigte das Prinzip der Straffreiheit bei einer Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs. Das grün-rot regierte Baden-Württemberg kündigte eine Bundesratsinitiative an. Danach soll die Frist für die Strafverfolgung von Steuerbetrügern in allen Fällen auf zehn Jahre verlängert werden.

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