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26. Mai 2010, 15:28 Uhr

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Gewalt gegen Polizisten hat drastisch zugenommen. Jeder vierte Beamte wurde einer Studie zufolge schon einmal geschlagen oder getreten. Politiker fordern nun, dass die Angreifer härter bestraft werden.

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Übergriffe auf Polizisten wie bei Randalen im Hamburger Schanzenviertel nehmen zu© Kay Nietfeld/DPA

Beleidigungen, Tritte, Schläge - die Gewalt gegen Polizisten hat in den vergangenen fünf Jahren drastisch zugenommen. Das belegt eine Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, die der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Seit 2005 nahm demnach die Zahl der schweren Gewaltübergriffe, nach denen der Beamte mindestens sieben Tage krank geschrieben war, um rund 60 Prozent zu. Allerdings bewegen sich die Fallzahlen auf einem relativ niedrigem Niveau (Anstieg von 203 auf 325 Fälle). Zudem stützt sich die Studie allein auf die Erinnerung der Beamten.

Schünemann zeigte sich "überrascht" von der Menge der Übergriffe, denen besonders Streifenpolizisten ausgesetzt sind: Fast jeder Polizist erlebte der Studie zufolge im vergangenen Jahr verbale Beschimpfungen, jeder zweite wurde gestoßen oder geschubst, jeder vierte mit der Faust oder Hand geschlagen, fast jeder zehnte mit einer Waffe oder einem gefährlichen Gegenstand angegriffen. An der Erhebung hatten sich im Februar und März dieses Jahres rund 22.500 Polizisten beteiligt. Schünemann hatte sie gemeinsam mit den Innenministern von neun weiteren Bundesländern in Auftrag gegeben.

Schünemann fordert härtere Strafen

Der niedersächsische Innenminister forderte eine härtere Bestrafung von Gewalt gegen Polizisten. So solle die Höchststrafe für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte von zwei auf vier Jahre angehoben werden. "Die höhere Strafe wäre ein wichtiges Signal an unsere Polizeibeamten", sagte Schünemann. Das Ausmaß an Aggression gegen Polizeibeamte spiegele eine "zunehmende Respektlosigkeit vor staatlichen Amtsträgern" wider.

Neben Schünemann wollen auch einige andere CDU-Politiker durchsetzen, dass Angriffe auf Polizisten härter bestraft werden. Über dieses Thema streitet derzeit die schwarz-gelbe Bundesregierung. Es liegt ein Gesetzentwurf aus dem Haus von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor, der der Union aber nicht weit genug geht.

Täter oft Jugendliche und Betrunkene

Der Leiter des Kriminologischen Instituts, Christian Pfeiffer, berichtete, dass die Täter, die Polizisten angriffen, immer jünger würden. "Bei Jugendlichen haben wir in den letzten zehn Jahren einen Anstieg um 80 Prozent und bei den über 30-Jährigen überhaupt keine Zunahme festgestellt", sagte Pfeiffer. Außerdem gebe es eine drastische Zunahme an Fällen, bei denen der Angreifer betrunken gewesen sei.

Die häufigsten Situationen, in denen Polizisten Opfer von Gewalt würden, seien Streitfälle in Familien, Einsätze bei Ruhestörungen und bei linken Demonstrationen. Pfeiffer legte nur erste Ergebnisse aus der Befragung vor, die Schünemann auf der Tagung der Innenminister am Donnerstag präsentieren will. Die komplette Auswertung kündigte Pfeiffer für November an.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiten bei Bund und Ländern insgesamt rund 260.000 Polizisten. Der Online-Fragebogen der Wissenschaftler hatte Kritik ausgelöst, weil einige Fragen auf das Privatleben und die Kindheit der Polizisten abzielten. Daraufhin änderte Pfeiffer einige Fragen. Sechs Bundesländer und die Bundespolizei nahmen dennoch nicht an der Studie teil.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Corazito3333 (27.05.2010, 10:30 Uhr)
"... mir kann keiner erzählen, das Polizisten in der Mehrheit aufrichtige, freundliche Helfer mit edlen Motiven sind. Da gibt es auch Verbrecher, die ihre Agressionen dort legal ausleben können..."
Futtermeister, bin auch Ihrer Meinung!!!
In meiner Klasse sind nicht die intelligentesten zur Polizei oder zur Bundeswehr gegangen!
Corazito3333 (27.05.2010, 10:25 Uhr)
staatliches Gewaltmonopol
guter Ausdruck...... Gewalt darf nur vom Staat ausgeübt werden!!!
"Polizisten werfen nicht mit Wattestäbchen", die ziehen auch mal gerne den Gummiknüppel und bißchen Angst machen, einschüchtern........ da sollte geschult werden, damit Polizisten nicht Agressionen schüren sondern abbauen!!!
RDUKE7777777 (27.05.2010, 07:04 Uhr)
@Countryjoe
Ich rede von UNNÖTIGER Brutalität und von nichts Anderem. Darüber sollte es Statistiken geben, das aber wird verhindert.

Ich hab nie etwas davon gesagt, dass Polizisten Wattebäusche werfen sollen.

Verdrehen Sie nicht meine Aussagen.
Countryjoe (27.05.2010, 06:45 Uhr)
@RDUKE7777777
Sollen die Polizisten mit Wattebäuschchen werfen oder gleich gar nichts mehr machen?
Angriffe auf die Polizei stellen einen Angriff auf das staatliche Gewaltmonopol dar und sollten entsprechend hoch bestraft werden. Mindestens ein Jahr Haft, keine Bewährung.
RDUKE7777777 (26.05.2010, 20:46 Uhr)
Schade, dass es keine Statistiken
über Polizeigewalt (also unnötige Gewalt durch die Polizei) gibt.

Amnesty International hat mehrmals gefordert, dass Deutschland das Zusatzprotokoll zur UN-Anti-Folter-Konvention ratifiziert, leider blockieren da die Länder.

Da Gewalt immer Gegengewalt erzeugt (wobei die Frage wer angefangen hat in diesem Fall sinnlos ist), wären die Statistiken über polizeiliche Gewalt sicher interessant im Zusammenhang mit der steigenden Gewalt GEGEN Polizisten.
jeder (26.05.2010, 18:32 Uhr)
der gehört als...
erster vor gericht...

http://ef-magazin.de/2010/05/24/2154-wolfgang-thierse-ein-moralist-und-held-unserer-tage

solange politiker...wie dieser ...ich klemm mir den ausdruck...gesetze brechen...braucht sich niemand wundern
Futtermeister (26.05.2010, 17:25 Uhr)
Schläger auf beiden Seiten
Als ich die Realschule 1981 verließ, waren es fünf aus meinem Jahrgang, von denen ich weiß, das sie direkt zur Polizei gegangen sind. Einer war ein richtig anständiger Junge, einen kann ich nicht einschätzen, drei gehörten zu den schlimmsten Schlägern der Stadt, für die Gewalt gegen Schwächere, Erpressung und Schikane normal waren. In den Ferien gearbeitet wie wir anderen hatte keiner von denen, sie hatten aber eine Riesenklappe. Sie waren kampfsporttrainiert und hatten keine Schwierigkeiten, angenommen zu werden. Von einem weiß ich, daß er später zur Bereitschaftspolizei nach Berlin gekommen ist. Ich bin absolut für anständiges Verhalten aller Bürger und Gewaltchaoten finde ich widerlich, sie gehören schwer bestraft. Aber mir kann keiner erzählen, das Polizisten in der Mehrheit aufrichtige, freundliche Helfer mit edlen Motiven sind. Da gibt es auch Verbrecher, die ihre Agressionen dort legal ausleben können. Und die reizen wiederum die Chaoten auf der anderen Seite. Pack schlägt sich.... Leiden müssen die Anständigen auf beiden Seiten.
traldors (26.05.2010, 16:43 Uhr)
Schünemann ist (...)
wie Brot. Gesetze gibt es in ausreichender Form, die Justiz müsste nur Verurteilungen in angemessenem Maß und vor allem zeitig durchführen. Die Schwachstelle liegt seit Jahren in der Justiz begündet. Politisch verzärtelte Rechtsprechung, inbesondere bei der Fraktion der "Zugezogenen" lassen deutlich erkennen wo die Schwachstellte "sitzt".
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