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20. Februar 2009, 18:30 Uhr

Heißer als ein Kernreaktor

Eine junge Schönheit posiert im Bikini vor einem Atommeiler. Mit diesem Motiv konnte Alyona Kirsanowa bislang 22.000 Menschen überzeugen - und liegt damit auf Platz eins bei der Wahl zur "Miss Atom 2009" - ein obskurer Wettbewerb, der das Image der Nuklearindustrie aufpolieren soll. Von Andreas Albes , Moskau

Miss Atom, Frauen, Schönheitswettbewerb, Bikini, Russland

"Miss Atom - jeder Partikel ist perfekt!": Die 22-jährige Alyona Kirsanowa posiert vor einem AKW© miss2009.nuclear.ru

Elsbeth Kalinowskaja, Mitarbeiterin des Energiewissenschafts-Zentrums Tomsk, 32 Jahre alt, Mutter einer Tochter, Gewicht 60 Kilo, posiert im dekolletierten Kostüm vor einem Wandkalender am Schreibtisch. Margarita Chwostowa, 19, ledig, Maße: 81-59-85, aus der Kleinstadt Elektrostahl bei Moskau lässt es schon professioneller angehen: Sie hat sich für ein Portrait in Netzstrümpfen auf einem roten Sofa entschieden. Und die 22-jährige Alyona Kirsanowa, 87-60-87, blond, langbeinig und Mitarbeiterin bei "Atom-Energo-Remont" in Nowoworonesch geht gleich mit einem Foto in die Offensive, das sie im Bikini vor den Kühltürmen eines Kernkraftwerks zeigt.

Ein internationaler Wettbewerb

Die drei Russinnen bewerben sich um den Titel "Miss Atom 2009". Der Schönheitswettbewerb wird nun schon im sechsten Jahr von der russischen Atomindustrie veranstaltet. Hauptsponsor ist die staatliche Nuklear-Holding "Atom-Energo-Prom". In der Ausschreibung, die sich an Frauen zwischen 18 und 35 richtet, heißt es: "Wir freuen uns auf die charmanten Vertreterinnen unserer Branche aus Russland, Kasachstan, der Ukraine und anderen Staaten." Somit sind also auch AKW-Mitarbeiterinnen aus Biblis, Stade und Brokdorf teilnahmeberechtigt. Es müssen nur ein paar Fotos eingesandt und ein kurzer Fragebogen ausgefüllt werden. Die Bilder werden dann auf der Webseite miss2009.nuclear.ru veröffentlicht. Dort kann auch abgestimmt werden.

Angst nehmen, Haut zeigen

Derzeit liegt Alyona aus Nowoworonesch mit über 22.000 Stimmen in Führung, wobei das Bikinifoto vor den Kühltürmen inzwischen von der Webseite verschwunden ist, schließlich ist man in der Atomindustrie ja traditionell eher etwas schamhafter. In ihrer Bewerbung schreibt Alyona, dass sie als Justiziarin arbeitet: "Ich fühle, das ist meine Berufung." Ihr Hobby sei es, sich am Leben zu erfreuen und ihr größter Traum "Gerechtigkeit und Frieden auf der ganzen Welt". Noch bis zum 6. März läuft die Wahl. Die Kür der "Miss Atom 2009" findet dann auf einer großen Gala in Moskau statt. Der Siegerin winkt eine einwöchige Reise nach Kuba, die Zweit- und Drittplazierten dürfen nach Marokko beziehungsweise Kroatien fliegen.

Zu den Motiven für den Nuklear-Beauty-Contest, der dieses Jahr mit über 400 Teilnehmerinnen seinen bislang größten Ansturm erlebt, sagt Dimitri Schestakow, Vizedirektor von Rosenergoatom: "Das Wort Atom löst bei den Menschen von jeher Angst aus, vielleicht trägt der Wettbewerb ja dazu bei, dass die Atomindustrie zukünftig weniger gefürchtet wird." Wie sage doch ein bekanntes Sprichwort: Schönheit rettet die Welt.

Während sich die russischen Medien für das Ereignis kaum interessieren, wird es im Westen als mittlere Sensation empfunden. Erstaunte Blogger aus aller Welt verweisen auf die Webseite und versichern ausdrücklich, dass es sich um keine Fälschung handelt. Ein Internetportal im US-Staat Idaho hat sogar dazu aufgerufen, Slogans für die russische Miss Atom einzusenden. Die aktuellsten Vorschläge: "Miss Atom - jeder Partikel ist perfekt!" Und: "Miss Atom - heißer als ein Kernreaktor!"

Von Andreas Albes , Moskau
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
hannes_schinder (20.02.2009, 20:28 Uhr)
Aus der Entfernung
sieht man die Melanome nicht.
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