5. Oktober 2012, 16:39 Uhr

Assad zieht Truppen von Grenze ab

Zwei Tage nach dem Angriff auf ein türkisches Grenzdorf hat Damaskus offenbar seine Soldaten zurückbeordert. Eine Schuld an der tödlichen Attacke will das Assad-Regime aber nicht einräumen.

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Nach den Freitagsgebeten demonstrierten Regimegegner in mehreren syrischen Provinzen gegen Präsident Assad, wie hier in Erbeen nahe Damaskus©

Im Grenzkonflikt zwischen der Türkei und Syrien stehen die Zeichen auf Entspannung. Die Türkei will keinen Krieg mit dem Nachbarland, und auch Syriens Präsident Baschar al Assad soll seine Truppen von der Grenze zurückbeordert haben. Eine offizielle Entschuldigung für den Mörserangriff auf die Türkei will Assad allerdings nicht aussprechen.

Der türkische Fernsehsender NTV berichtete am Freitag, das syrische Regime habe seinen Truppen befohlen, ab sofort zehn Kilometer Abstand von der Grenze zur Türkei zu halten. Das Internetportal des Senders schrieb, diese Anordnung gelte sowohl für die Luftwaffe als auch für Artillerietruppen. Offiziell gibt es dafür bislang keine Bestätigung. In den vergangenen Monaten hatte die syrische Luftwaffe mehrfach Ziele in der Nähe der Grenze bombardiert.

Die türkische Regierung sendete nach ihrem Vergeltungsschlag auf Ziele in Syrien derweil Friedenssignale aus. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan versicherte nach türkischen Medienberichten vom Freitag, sein Land wolle keinen Krieg mit Syrien. Der Weltsicherheitsrat verurteilte den Angriff auf die Türkei und forderte von beiden Seiten Zurückhaltung.

Beileid, aber keine Entschuldigung

Damaskus weigerte sich auch zwei Tage nach dem Granatenangriff auf das türkische Grenzdorf vom Mittwoch, die Verantwortung für den Tod der fünf Zivilisten im Nachbarland zu übernehmen. Die Staatsmedien schwiegen sich zu dem Thema aus. Das Ergebnis der von der Regierung angekündigten Untersuchung zu dem Angriff wurde bislang nicht veröffentlicht.

Die syrische Regierung hatte der Türkei zwar kurz nach den Angriff ihr Beileid ausgesprochen. Ihr UN-Botschafter in New York, Baschar al Dschafari, betonte aber, dies sei aus "Solidarität" mit der Familie der Getöteten geschehen. Es sei aber keine Entschuldigung.

Die Mitglieder des Sicherheitsrates hatten stundenlang um eine Formulierung gerungen, weil die Russen keine Kritik an der syrischen Regierung wollten. Der amtierende Präsident des Sicherheitsrates sagte, dass "der schwerwiegende Vorfall unterstreicht, welche Auswirkungen die syrische Krise auf die Sicherheit der Nachbarn sowie Frieden und Sicherheit in der Region" habe. "Der Rat fordert, dass solche Verletzungen des internationalen Rechts sofort aufhören und sich nicht wiederholen."

Proteste nach Freitagsgebeten

In Syrien setzt jetzt auch ein Großteil der ehemals friedlichen Protestbewegung ganz auf eine gewaltsame Lösung des Konflikts. In mehreren Provinzen demonstrierten Regimegegner nach dem Freitagsgebet unter dem Motto: "Wir wollen Waffen, keine politischen Erklärungen."

Demonstrationen gab es unter anderem in Idlib, in Al-Rakka, in kurdischen Bezirken der Provinz Aleppo und in mehreren Vororten der Hauptstadt Damaskus. In mehreren Provinzen wurde am Freitag gekämpft. Bis zum Nachmittag zählten die Regimegegner 40 Tote, darunter 16 Soldaten.

Hilfe für syrische Kinder

Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrates (SNC), Abdelbaset Sieda, sagte vor der Presse in Istanbul, es sei schlimm, dass die Türkei, die viele Flüchtlinge aufgenommen habe, nun von den Truppen des syrischen Regimes beschossen worden sei. Sieda bat das UN-Kinderhilfswerk (Unicef), Unterricht für die Kinder in den Flüchtlingslagern zu organisieren.

Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer forderte die Einrichtung besonderer Schutzzonen für Kinder in Syrien. "In dem Konflikt wurden bereits Tausende Kinder getötet", erklärte ein Sprecher am Freitag in München. Wegen der Kämpfe wurde das SOS-Kinderdorf in Aleppo geräumt. Kinder und Mütter wurden ins SOS-Kinderdorf Damaskus gebracht. Dort betreibt die Organisation ein Nothilfeprogramm für 4000 Kinder und Erwachsene, die in Schulen, Turnhallen oder bei Familienangehörigen versorgt werden.

Eine syrische Rebelleneinheit drohte damit, 45 iranische Geiseln zu töten. In einem Video, das arabische TV-Sender veröffentlichten, sagt ein Rebellenführer, die Verhandlungen mit der syrischen und der iranischen Regierung über eine Freilassung der Geiseln seien gescheitert. Sollte die Forderung der Revolutionäre nach einer Freilassung von Gefangenen und einem Ende der "willkürlichen Angriffe auf wehrlose Zivilisten" bis Samstag nicht erfüllt worden seien, werde man dann damit beginnen, die Geiseln zu töten.

Das staatliche Fernsehen meldete, die Sicherheitskräfte hätten in Kudsia, einem Vorort von Damaskus, acht Männer befreit, die von "bewaffneten Terrorbanden" entführt worden seien. Die Regimegegner berichteten von zahlreichen Festnahmen in dem Viertel.

mlr/DPA
 
 
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