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4. November 2009, 15:44 Uhr

Die Briten jubilieren

Was in Deutschland Entsetzen auslöst, nennen britische Gewerkschaftler fantastisch.Die Regierung in London verspricht schon vollmundig finanzielle Unterstützung für General Motors. Von Cornelia Fuchs, London

Zoom
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Ein Opel Vauxhall Astra steht vor dem Werk in Ellesmere Port. Dass der Deal mit Magna geplatzt ist, wird dort positiv bewertet© Paul Ellis/AFP

Dies sei die richtige Entscheidung für Großbritannien, verkündet Gewerkschaftsführer Tony Woodley in den BBC-Nachrichten. Staatsbeamte aus dem Wirtschaftsministerium sprechen von einer "gesunden Zukunft einer der effizientesten Autoproduktionen in Europa".

Zwei Fabriken hat General Motors in Großbritannien, 600 Jobs wären in Ellesmore Port und Luton mit dem Magna-Deal verloren gegangen. Jetzt werden die Karten neu gemischt - und die britische Gewerkschaft Unite hält das für die beste Lösung. "Es war nie besonders logisch, General Motors zu zerteilen", glaubt Gewerkschafts-Chef Woodley. Und sein Vertreter John Featherstone, Arbeitnehmerführer in Ellesmore Port, sagt: "Wir sind froh, dass wir weiter mit GM verhandeln können - die kennen wir. Wir verstehen deren Kultur, und die wissen, wo wir herkommen."

Die Arbeiter selber sehen die Situation etwas weniger begeistert. Und ziemlich realistisch. Vauxhall ist schließlich eine der letzten großen Automarken, die überhaupt noch in Großbritannien produzieren. Die Briten leben schon seit Jahren mit dem langsamen Sterben ihrer Autoindustrie.

Es gibt keine Garantien

"Das heißt doch nur, dass sie immer weiter verhandeln müssen", sagt einer, der im Halbdunkel zu seiner Frühschicht antritt. "Es scheinen gute Nachrichten für uns zu sein - aber es gibt keine Garantien. Es wird überall in Europa umstrukturiert werden müssen."

Die Briten waren von Anfang an nicht glücklich über den Deal mit Magna, der mit Hilfe der deutschen Regierung voran gebracht wurde. Da war auf der einen Seite der Einfluss der russischen Sberbank. Die Gewerkschaften fühlten sich an den Ausverkauf des Autoherstellers MG Rovers erinnert - dessen chinesischer Investor holte nach langem Gerangel um die bankrotte traditionelle Automarke die Produktion nach Nanjing und liefert inzwischen Ersatzteile aus China. Ganze Autos sollen folgen.

Auch sei Russland, so die Angst der Briten, nur an der Technik interessiert. Langfristig würden die Arbeitsplätze dann in einen Staat abwandern, der seit Jahren sehr schlechte Beziehungen nach Großbritannien pflegt. Seit dem spektakulären Mord an dem Ex-Geheimdienstler Litwenenko in London gibt es diplomatische Schwierigkeiten zwischen den beiden Ländern. Russland wird von den Briten vor allem als Problem wahrgenommen, nicht als verlässliches Land für eine wirtschaftliche Kooperation mit Zukunftsaussicht.

Verhältnis "verschlechtert sich rasend schnell"

Doch Gewerkschaftsführer Woodley meinte wohl nicht nur die Russen, als er davon sprach, dass die Amerikaner der britischen Kultur näher ständen. Seine Gewerkschaftler fühlten sich auch von der harten Gangart der deutschen IG Metall überrumpelt. Britische Zeitungen meldeten im Sommer, dass sich das Verhältnis bei Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen zwischen den Briten und Deutschen "rasend schnell verschlechtert".

Zwar kam Woodley mit Magna überein, dass bei einer Übernahme zunächst anstelle von weit über 1000 nur 600 Arbeitsstellen verloren gehen würden. Doch glaubten sich die britischen Vauxhal-Angestellten im Nachteil: Die deutschen Fabriken würden im Vergleich ungleich weniger Arbeitsstellen verlieren.

Der Unmut erreichte auch den Wirtschaftsminister Lord Peter Mandelson. Gerade erst aus Brüssel zurückberufen, wusste er sehr wohl, dass Brüssel über die deutsche Finanzhilfe mit eindeutig politischem Hintergrund weniger als erfreut sein dürfte. Mandelson schrieb daher in einem Brief an die europäische Wettbewerbskommission, dass Magna nicht die wirtschaftlich sinnvollste Lösung bieten würde. Die Kommission begann mit Ermittlungen.

"Mir ist der Teufel lieber, den ich kenne."

Mandelson fordert nun, dass direkt in Detroit neu verhandelt werden müsse. Er wolle so schnell wie möglich mit der GM-Führung sprechen, ließ er englische Zeitungen wissen. Außerdem versprach er finanzielle Unterstützung aus der Downing Street für eine "langfristige und nachhaltige Lösung".

Die 5500 Arbeiter der Vauxhall-Fabriken schienen sich heute Morgen den Streikaufforderungen aus Deutschland nicht anschließen zu wollen. Sie setzen auf die neuen Verhandlungen und werkeln ansonsten weiter an den Astras und Lieferwagen, die sie durch den Fall des Pfundes inzwischen mit weit größerem Profit exportieren können als noch vor einem Jahr. Sie sehen dadurch ihren Stellenwert im Konzern stark im Aufwind.

Sie glauben ihrem Gewerkschaftschef, der wiederholte, was er von Anfang an wohl auch seinen deutschen Kollegen gesagt haben dürfte: "Mir ist der Teufel lieber, den ich kenne. Die Pläne von General Motors wären ohne Frage für unsere englischen Arbeiter besser gewesen als die von Opel." Die englische Tageszeitung "Daily Telegraph" formuliert es etwas anders: "Deutschland wird einen großen Teil der schmerzvollen Veränderungen schultern - und dafür auch noch eine ziemlich große Rechnung zahlen müssen."

Von Cornelia Fuchs, London
KOMMENTARE (5 von 5)
 
rynaldo (04.11.2009, 18:22 Uhr)
GM
... ist doch nur ein abgewrackter alter Kahn.
muemmelfrau (04.11.2009, 18:19 Uhr)
@S-achte
jawoll, und die amis sollten sich die europäer vom hals halten, dann gehts GM in den usa wieder besser und mercedes und BMW können hier konkurs anmelden.
rynaldo (04.11.2009, 18:00 Uhr)
Das solidarische,
vereinte Europa wie wir es kennen. Und unsere Regierung wird wieder mal den Geldbeutel richtig aufmachen und den Retter aller europäischen Opel-Standorte spielen müssen.
kfpdm (04.11.2009, 17:20 Uhr)
So lange...
... sich die Gewerkschaften untereinander die Wurst von der Stulle nehmen, gewinnt nur einer..... und das ist bestimmt nicht der Arbeitnehmer....

Gruß,
A.
CheSmittyVara (04.11.2009, 16:59 Uhr)
Himmelhoch jauchzend...
...zu Tode betrübt. Die Damen und Herren Gewerkschaftler werden schnell merken, dass unter der Führung eines fast bankrotten Unternehmens weniger zu holen ist, als mit neuen Kräften.
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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