14. Mai 2009, 14:17 Uhr

Obamas Schwächeanfall

Es ist der erste große Wortbruch des "Heilsbringers": Anders als angekündigt will US-Präsident Barack Obama nun doch keine weiteren Fotos veröffentlichen, die zeigen, wie US-Militärs gefoltert haben. Mit dieser Fehlentscheidung schwächt sich Obama selbst - völlig ohne Not. Ein Kommentar von Niels Kruse

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Zugeständnis an die Konservativen: Obama will keine weiteren Folterfotos veröffentlicht sehen©

War's das schon, das von Barack Obama angekündigte Großreinemachen nach der schmutzigen Ära von George W. Bush? Entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf will der US-Präsident nun doch keine weiteren Folterbilder aus Gefangenenlagern in Irak und Afghanistan an die Öffentlichkeit geben. Die weiteren Belege für US-Exzesse im Anti-Terrorkampf bleiben unter Verschluss, vorerst zumindest. Eigentlich hatte die Regierung vor kurzem noch gelobt, die Fotos aller Welt zeigen zu wollen. Auch, weil das von einem New Yorker Gericht so entscheiden wurde.

Weshalb nun die Kehrtwende? Er fürchte um die Sicherheit der Soldaten, wenn die Fotos an die Öffentlichkeit kämen, sagte ein wortkarger Obama. Menschenrechtsorganisationen, Linke und andere Obama-Anhänger empören sich nun zurecht über diesen Schritt des als Hoffnungsträger gestarteten Präsidenten. Denn der offene und latente Anti-Amerikanismus rund um den Globus wurzelt genau in diesen Verfehlungen, die das amerikanische Selbstbild von Freiheit, Frieden und Demokratie als verlogen und selbstherrlich entlarvt hatten.

Dass die Bilder den Anti-Amerikanismus weltweit entfachen könnten, wie Obama sagt, verkehrt schlicht Ursache und Wirkung: Nicht die Veröffentlichung der rund 40 Fotos schürt das Unbehagen gegenüber den Vereinigten Staaten, sondern deren Unterschlagung. Die Welt will sehen, wie weit die Folterknechte von CIA und US-Militär im Namen ihres Anti-Terrorkampfs gegangen sind - damit irgendwann ein Schlussstrich gezogen werden kann unter dieses Kapitel amerikanischer "Selbstverteidigung". Nur so ist der von Obama versprochene Neuanfang in den Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft im Allgemeinen und der arabisch-islamischen Welt im Besonderen möglich.

Obama weiß das natürlich. Doch der neue Mann im Weißen Haus weiß auch, dass er für einen Neuanfang die Gräben zwischen links und rechts, zwischen oben und unten, die das Land bis heute lähmen, zuschütten muss. Dazu braucht und sucht Obama, Pragmatiker der er auch ist, die Aussöhnung mit dem politischen Gegner, allen voran den Republikanern. Deswegen will er die Folterverantwortlichen aus der Bush-Ära unbehelligt lassen, der Applaus für seine Entscheidung aus der konservativen Ecke dürfte ihn bestätigen. Zudem kann Obama nicht an den einflussreichen Geheimdiensten vorbeiregieren, weshalb CIA und Co. ebenfalls nicht für die von ihnen begangenen Untaten belangt werden.

So verständlich Obamas Entscheidung machtpolitisch sein mag, so bleibt sie doch falsch. Er setzt damit sein größtes Kapital, die Glaubwürdigkeit, aufs Spiel. Er legt sich zudem unnötig mit seinen größten Unterstützern an, den Liberalen und Linken. Allerdings ist das letzte Wort in Sachen Folterfotos noch nicht gesprochen. Denn bald wird das höchste Gericht des Landes darüber entscheiden, ob die Bilder veröffentlich werden oder auch nicht. Der Fortgang der nötigen Folter-Debatte liegt dann nicht länger in Obamas Händen - ein Zeichen seiner Stärke ist das nicht.

Ein Kommentar von Niels Kruse
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
pitiplatsch (16.05.2009, 13:17 Uhr)
So langsam kommt
der Charakter des Obamas zum Vorschein. Verlogen Feige und kriecherisch, so schlimm wie der Bush oder noch feiger, weil er weiß was er tut. Das wußte der Alkoholiker Bush nicht; Obama weiß es, er ist somit noch widerlicher wie der Bush.
Aquarius2 (14.05.2009, 20:18 Uhr)
Es haben schon viele geglaubt,
dass in den USA Mr. President regiert.
U.a. am Beispiel Georg W.B. wurde jedoch deutlich, dass der Präsident nur eine Marionette ist.
Die Fäden werden an anderen Stellen gezogen.
Dies hat nun wohl auch Obama akzeptieren müssen.
aeternitas (14.05.2009, 19:25 Uhr)
Leider wussten die Gefolterten nicht worauf sie sich einlassen
deshalb finde ich es unverschämt, dass gefordert wird, dass diese Zeugnisse unvorstellbarer Demütigung offen zugänglich sein sollen! Was soll denn das? Möchten Sie sich bis in alle Ewigkeit des Internets mit entblößten Genitalien und ohne Verpixelung wiederfinden (wichtiges Bild des Zeitgeschehens!)? In eindeutiger Stellung mit sodomistischen Motiven?
Mit Fäkalien beschmiert? Beim Essen von Fäkalien? Beim Nachstellen von Sexszenen? Wie Sie beim Waterboarding sich krümmen und nach Luft schnappen?
Möchten Sie, dass IHR Gesicht zum Inbegriff der Folter wird, weil jeder, der Folter hört, an Sie denkt, wie Sie misshandelt daliegen (oder schlimmeres)?
Ist es denn so wichtig, was für ein Gesicht jemand macht, der gerade erniedrigt wird, dass es jeder sehen sollte? Oder welche Technik genau beim Fesseln angewendet wurde um maximalen Foltererfolg zu erzielen? Pfui Teufel sag ich da nur!!
Da braucht keiner Interesse und Pressefreiheit und Gerechtigkeit zu heucheln. Für die Opfer wäre DAS der ultimative Schlag ins Gesicht!
chatahootchee (14.05.2009, 19:15 Uhr)
@VIPER2024
Zitat: "...eine rücksichtlose Aufklärung.." - richtig, aber nicht durch die Massen, vorgeschoben von Voyeueren und Sensationsreportern.
Einzig und allein ein Gericht hat das Recht, sich damit zu befassen.
Viper2024 (14.05.2009, 18:04 Uhr)
Das ist der Preis den die USA bezahlen müssen
Zitat: "Stellt euch bei jedem Bild einfach vor, diese nackigen Iraker oder Araber oder Deutsche mit Migrationshintergrund wären keine Fremden sondern eure Brüder oder Väter, eure Ehemänner, Freunde. Welchen Hass würdet ihr empfinden! Ihr würdet jeden sofort zerstückeln wollen, der euren Verwandten das angetan hat oder schlimmeres. Und dann denkt noch mal darüber nach, warum Obama diese Bilder nicht veröffentlichen will...."
Natürlich würde diese Bilder gerade in der arabischen Welt Emotionen wie Hass auslösen. Aber das ist der Preis, den die USA bezahlen müssen - zumal diese Bilder auch in den USA Abscheu hervorrufen würden! Es unter den Teppich zu kehren (und niemand kann mir weiß machen das auch nur ein CIA Agent jemals für seine Verbrechen vor ein Gericht gestellt wird) ist definitiv der falsche Weg. Nur eine rücksichtlose Aufklärung könnte etwas zum Positiven bewegen und NUR so wäre sichergestellt, das so etwas nie wieder im Namen der USA begannen wird. Jeder Folterer wusste worauf er sich einlässt (das sich das politische System in den USA verändert wird) und das ein Großteil der eigenen Bevölkerung so etwas nicht gut heißen würde.
Wenn Obama nicht den Mut hat, die Verbrechen der Bush Regierung aufzuarbeiten und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen, dann ist er einfach nicht der richtige.
Und ja, ich bin mir sicher das McCain gegen die Folterer vorgegangen wäre, allein schon weil er weiß wie es sich anfühlt gequält und gedemütigt zu werden - er wurde es jahrelang in vietnamesischer Gefangenschaft.
aeternitas (14.05.2009, 17:19 Uhr)
War die nackte Menschenpyramide noch nicht genug?
Reichen die anschaulichen Berichte von Herrn Kurnaz noch nicht was die Details angeht? Muss es erst live-Anal-Vergewaltigungsvideos geben mit anschließender grausamer Tötung, damit alle Gelüste bedient sind?
Der eigenen Perversion die Pressefreiheit vorschieben oder auch noch Obama beschuldigen (!) dass er die eigenen dunklen Triebe und die eigene Neugier nicht befriedigen will, das schlägt doch dem Faß den Boden aus.
Wie schon gesagt, die einzigen, die diese Fotos jemals sehen sollten, sind die Richter, die über die Täter urteilen. Niemand kann mir erzählen, dass die Öffentlichkeit ein wissenschaftliches Interesse daran hat, solche Bilder zu sehen. Auch der Aufklärung dient es nicht. Wir alle wissen, DASS gefoltert wurde, und mit wenig Phantasie und der Gabe zu LESEN wissen wir auch WIE. Das reicht.
Und für unsere lieben Voyeure, die jetzt irgendwelche Menschenrechte verletzt sehen: Wie steht es mit den armen Opfern, die auf den Bildern zu sehen sind??? Meines Wissens hat kein Opfer zugestimmt, dass es fotografiert/gefilmt wurde. Und das allerletzte was sich ein Folteropfer wünscht ist, dass die Bilder seiner Entwürdigung frei im Netz kursieren, am besten noch so verpixelt, wie Bild es am liebsten macht (= gar nicht) um die Bilder noch krasser zu machen. Das dann unter dem Deckmantel "wichtige Bilder der Zeitgeschichte", damit man nicht unkenntlich machen muss.
Ganz abgesehen davon, jedes dieser Bilder, selbst wenn die Opfer noch einen Fetzen Stoff an sich tragen und die Geschlechtsteile nicht exponiert sind ist mehr als Gold wert in den Händen derer, die Terroristennachwuchs werben. Stellt euch bei jedem Bild einfach vor, diese nackigen Iraker oder Araber oder Deutsche mit Migrationshintergrund wären keine Fremden sondern eure Brüder oder Väter, eure Ehemänner, Freunde. Welchen Hass würdet ihr empfinden! Ihr würdet jeden sofort zerstückeln wollen, der euren Verwandten das angetan hat oder schlimmeres. Und dann denkt noch mal darüber nach, warum Obama diese Bilder nicht veröffentlichen will....
mupfeline (14.05.2009, 17:01 Uhr)
Es geht doch nicht um abstossende Bilder
es geht um wiederholten Wortbruc. Meine Güte - was habt ihr von dem Mann erwartet. Er ist der der Nachfolger eines George W. Bush und nicht irgendein weichgespülter Messias. Wie peinlich! Aber da ich nix erwartet habe kann ich nicht enttäuscht werden.
rothpe (14.05.2009, 16:55 Uhr)
Wem nützt ein schnelles Vegessen?
b) Verliert Präsident Obama evtl. den Kontakt zum Wähler und wird zu einem durch die Mächtigen und die Macht korrumpierten.
c) die Sensationsgeilen werden ihre Bedürfnisse immer irgendwie befriedigen.
Aber die die so gerne immer wieder wegschauen, wenn es eklig und blutig wird, bei denen habe ich den Wunsch sie zum hinschauen prügeln zu dürfen!
facilidad_de_ser (14.05.2009, 16:52 Uhr)
Es gibt übrigens...
... mehrere Proben von Obamas Handschrift, die im Internet frei verfügbar sind. Wer sich mit Graphologie ein wenig auskennt, kann schnell feststellen, was man von dem Herrn zu erwarten hat.
nixisfuerimmer (14.05.2009, 16:47 Uhr)
bitte keine Fotos mehr..
..wie soll ich meinem fünfjährigen Sohn erklären, warum der Mann auf dem Foto keine Kopf mehr hat....
BO hat richtig gehandelt. Diese Bilder braucht keiner mehr ausser die Richter in den USA, die den Folterknechten den richtigen Weg weisen; Hoffentlich. Wir hier in Deutschland haben genug Bilder dieser Art in den Archiven. Das müssen wir unseren Kindern erklären. Die Amerikaner sollen Guantanamo ihren eigenen Kindern erklären.
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