Dieses Jahr geht das TV-Duell der US-Vizepräsidentschaftskandidaten nicht unter. Nach Obamas verpatztem Auftritt schaut das Land genau hin: Wer ist Joe Biden und wofür steht Paul Ryan? Ein Vergleich. Von Niels Kruse und Nora Schmitt-Sausen

Die Bilder täuschen: Nicht Joe Biden (l.) ist der Aggressive, sondern Paul Ryan.© Tannen Maury/EPA/DPA
Barack Obama ist in höchster Not. Lange Zeit lag der US-Präsident in den Umfragen vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Doch seit dem verpatzten TV-Duell führt plötzlich der Republikaner - selbst in einigen wichtigen Staaten, in denen die Wechselwähler die Wahl entscheiden könnten.
Nun debattieren die Vize-Kandidaten Joe Biden und Paul Ryan im Fernsehen. Während Obama hofft, dass seine rechte Hand die Kohlen aus dem Feuer holt, bauen die Konservativen auf die klare Kante des Katholiken. stern.de vergleicht die beiden Kontrahenten, die unterschiedlicher nicht sein können.
| Joe Biden Katholik aus dem Ostküsten-Bundesstaat Pennsylvania. Vater Autoverkäufer. | Paul Ryan Strengkatholischer Spross einer gutbürgerlichen Familie aus Wisconsin. |
| Joe Biden Joseph Robinette Biden, Jr. wurde 1942 geboren, studierte Geschichte, Politik und Jura. Arbeitete zunächst als Anwalt und war von 1973 bis 2009 Senator in Washington. 1972 kamen seine damalige Frau und Tochter Naomi bei einem Autounfall ums Leben, seine beiden Söhne überlebten schwerverletzt. Bis heute rührt ihn das Unglück zu Tränen - auch vor laufenden Kameras. Mittlerweile wieder verheiratet, drei Kinder. | Paul Ryan Paul Davis Ryan, Jr. wurde 1970 geboren, studierte zunächst Medizin, wechselte aber schnell zur Ökonomie. Bereits 1992 begann er erste politische Erfahrungen zu sammeln, sechs Jahre später wurde er in den US-Kongress gewählt. Verheiratet, drei Kinder. |
| Joe Biden Tickende Zeitbombe mit großem Kumpel-Faktor. Wegen seiner berüchtigten Ausrutscher (engl. Gaffe) hat die | Paul Ryan Bärbeißiger Ultra-Neoliberaler und Lichtgestalt all derer, die sich das "gute, alte Amerika" der 50er Jahre zurückwünschen. Im Gespann mit dem faden Präsidentschaftskandidat Mitt Romney soll er mit seinen erzkonservativen Ansichten für klare Kante sorgen. |
| Joe Biden Verdammt viel. Kennt den Betrieb in Washington seit 40 Jahren - kommt sowohl mit politischen Freunden als auch mit Feinden gut aus. Außerdem ist er ein ausgewiesener Außenpolitiker, auf dessen Rat nicht nur sein Chef Barack Obama hört. | Paul Ryan Ausreichend. Wurde insgesamt siebenmal in den US-Kongress gewählt und gilt dort als Kopf hinter der rigiden sowie umstrittenen Haushaltspolitik der Republikaner. Was ihm jedoch fehlt, ist Erfahrung mit politischen Debatten, vor allem solche vor einem Millionenpublikum. |
| Joe Biden Für amerikanische Verhältnisse ein "Liberaler": Er unterstützt als Vizepräsident die bundesweite Einführung der Homoehe und half als Senator mit, die Waffengesetze zu verschärfen. Joe Biden ist ideologisch das genaue Gegenteil des rechten Scharfmachers Paul Ryan. | Paul Ryan Selbst für amerikanische Verhältnisse ein Erzkonservativer: Dass er als Katholik Scheidung und Abtreibung ablehnt, versteht sich fast von selbst. Der Staat soll sich nach seinem Willen weitgehend aus der Wirtschaft heraushalten. Unterstützungen, etwa für das Gesundheitswesen sollen abgeschafft werden, höhere Steuern für Reiche kommen für ihn nicht in Frage. Weil der Großteil der Amerikaner seine rigorosen Ansichten nicht teilt, könnten sie seine große Schwachstelle werden. |
| Joe Biden Würde auch in einer beliebigen US-Serie eine gute Figur machen: etwa als dynamisch-rüstiger Großvater. Wirkt mit seinem strahlenden Lächeln und der warmen Ausstrahlung wie eine Mischung aus Ex-Präsident Jimmy Carter und Saft-Onkel Dittmeyer. | Paul Ryan Drahtig, bodenständig und ein etwas schludriger Kleidungsstil. Seine politischen Freunde loben vor allem sein Talent, komplizierte Zusammenhänge einfach auszudrücken. Dass er trotz seiner Rechtsaußen-Ansichten gerne Led Zeppelin und Rage against the Machine hört, empfindet er nicht als Widerspruch. |
| Joe Biden Zweifellos vorhanden, auch wenn niemand weiß, ob seine Witze als solche gedacht waren oder seiner Gedankenlosigkeit geschuldet sind. Barack Obama machte er einst das zweifelhafte Kompliment, er sei "der erste Mainstream-Afro-Amerikaner, der sich artikulieren kann, gescheit und sauber ist". | Paul Ryan Beschränkt sich auf gelegentliche, bodenständige Selbstironie, wie sie in den USA geschätzt wird. Bezeichnet die Hauptstadt Washington zum Beispiel als "silly place" - als albernen Ort. Lästert auch gerne über die von Mitt Romney geschätzte "Fahrstuhlmusik". |
| Joe Biden Gibt es unzählige. Er benutzt in der Öffentlichkeit gerne das in den USA absolut verpönte F-Wort und forderte auch schon einmal einen Senator auf, aufzustehen - obwohl dieser im Rollstuhl saß. Biden brachte zudem jüngst seinen Chef Obama unnötig in Zugzwang, als er Ja zur Homoehe sagte und den Präsidenten damit nötigte, sich ebenfalls dazu zu bekennen - ausgerechnet kurz vor der Wahl. | Paul Ryan Neben seinen als herzlos empfundenen Äußerungen, die Unterstützungen für Veteranen, Arbeitslose und Rentner drastisch zusammen zu kürzen, machte vor einiger Zeit ein Bild die Runde, das vielleicht mehr über den Charakter von Paul Ryan sagt, als alle seine Statements zusammen. Da ließ er sich bei der |
| Joe Biden Umstritten. Obwohl Vizepräsidenten traditionell im Hintergrund agieren, schwingt bei ihrer Wahl immer die Überlegung mit, ob sie im Fall der Fälle in der Lage sind, das Land zu regieren. Bei Biden gibt es angesichts seiner diversen Patzer erhebliche Zweifel. Schlimmer: In seiner gesamten Amtszeit wurde ihm sogar regelmäßig die Fähigkeit zum Vize-Präsident abgesprochen. | Paul Ryan Unbekannt. Ist bislang nur als Kongressabgeordneter aufgefallen, der wenig Neigung zum Kompromiss erkennen lässt. |
| Joe Biden In den Umfragen liegen die beiden Vize-Kandidaten Biden und Ryan gleichauf mit einem Vorteil für den Republikaner. Bitter allerdings für Obamas "Running Mate": Gefragt nach dem anstehenden TV-Duell, glauben die | Paul Ryan In den Umfragen liegen die beiden Vize-Kandidaten gleichauf mit einem Vorteil für Paul Ryan. Worüber sich der Republikaner freuen dürfte: Gefragt nach dem anstehenden TV-Duell, glauben die |