Dolce Vita in Italien - das war einmal! Das Volk ist von der Politik genervt, das Leben ist teuer - und, oh weh, die Männer haben ihren Charme verloren. Die Lösung: ein Neuanfang. Am besten mit einem jungen, charismatischen Regierungschef. Und dabei, verrät der italienische Schauspieler Bruno Maccallini im stern.de-Interview, denkt er nicht an Berlusconi.

Addio Dolce Vita: Italienische Kerle sind heutzutage keine Charmebolzen mehr, sagt Bruno Maccallini© www.brunomaccallini.com
Na klar, auch in Italien kann das Kaffeetrinken einen in Flirt-Laune versetzen. Ich verrate Ihnen ein paar Tipps: Der Kaffee nach dem Abendessen suggeriert "komm, ich weck dich ein bisschen auf", schließlich hat man noch viel vor. Und nach einem Vormittag am Strand kann auch der 16-Uhr-Kaffee eine klare Nachricht übermitteln: "Ach, lassen wir uns doch ein bisschen Zeit und genießen den Tag". Das sind natürlich nicht meine eigenen Flirtregeln - das ist allgemeine Praxis (lacht).
Ach was, ich muss sagen, dass ich hier in Deutschland schon wirklich guten Kaffee getrunken habe, und das soll keine Schmeichelei sein. Aber wenn ich eine Rangliste machen sollte: An den neapolitanischen Kaffee, der mit einer speziellen Mokkamaschine gebrüht wird, kommt kein anderer heran. Wenn ich zum Beispiel in Neapel bin, hole ich mir sofort einen San Giuseppe, das ist ein Spritzkuchen mit Crème-Füllung, und ein Tässchen Caffè, das ist das Allerbeste!
Nein. Ich wüsste nicht, was ich ihm sagen sollte. Zugegeben, anfangs hatte ich sogar gewisse Sympathien für ihn als Unternehmer, auf den ersten Blick ist es erstaunlich, zu was er es gebracht hat. Aber als Politiker hat er mich abgeschreckt.
… so einen wie mich? (lacht)
Ich verrate Ihnen jetzt etwas: Ich kann mir sogar vorstellen, bei dieser Parlamentswahl zum ersten Mal meinen Stimmzettel ungültig zu machen. Ich werde zur Wahl gehen, weil das meine Bürgerpflicht ist, aber ich weiß zum ersten Mal in 30 Jahren als wahlberechtigter Bürger nicht, welchem Kandidaten ich meine Stimme geben soll.
Ja, ich kenne eine Menge Leute, die auf diese Art protestieren werden. Es ist traurig, aber das ist die einzige Möglichkeit, seine Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Glauben Sie mir, wir Italiener sind angewidert von 25 Jahren politischer Misswirtschaft, von einer Politikerriege, die nur die eigenen Interessen durchsetzt, sich bereichert und dabei zusieht, wie immer mehr Menschen in Armut leben. Die Italiener haben die Politiker satt.
Sicherlich gibt es auch in Deutschland viel zu kritisieren, aber die wesentlichen Aspekte des alltäglichen Lebens funktionieren: die Infrastruktur, der öffentliche Dienst. In Rom gelingen diese Dinge nicht, ständig wird gestreikt. Das lähmt die Stadt und die Menschen. Auch auf politischer Ebene gibt es riesengroße Unterschiede. An der Großen Koalition in Deutschland lässt sich vieles ablesen: Klar, es gibt unzählige Streitpunkte und die Koalition kann nicht alle Probleme lösen. Aber eines ist sicher: Da machen Politiker ihre Arbeit. Die Deutschen krempeln die Ärmel hoch, wenn es darauf ankommt. Die italienischen Politiker packen die Probleme nicht an.
Zur Person Der römische Schauspieler, Autor und Regisseur Bruno Maccallini, 48, ist in Deutschland als "Herr Angelo" in einem Cappuccino-Werbespot berühmt geworden und hat mit den Worten "Isch abe gar kein Auto..." ein Stück Werbegeschichte geschrieben. Bei Dreharbeiten zum Film "Das schönste Geschenk meines Lebens" lernte der Italiener 2003 die Schauspielerin Jutta Speidel, seine Lebensgefährtin, kennen. Maccallini hat eine 17-jährige Tochter aus zweiter Ehe.