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8. Oktober 2008, 08:15 Uhr

McCain versiebt zweites TV-Duell

Es war vielleicht die letzte Chance des Kriegers John McCain. Und er hat sie nicht genutzt. Denn der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat das zweite TV-Duell nach Punkten für sich entschieden. Die Finanzkrise spielte auch dabei eine wichtige Rolle. Von Katja Gloger, Washington

Auch beim zweiten TV-Duell konnte Barack Obama (r.) gegen John McCain punkten© Christopher Berkey/EPA/DPA

Wann er denn endlich die Glacé-Handschuhe ausziehen werde, hatte man ihn während einer Wahlveranstaltung gefragt. Wann würde er endlich auf Angriff schalten? Da hatte John McCain gelächelt und vielsagend geantwortet: "Wie wäre es denn mit dem kommenden Dienstag?"

"Historisch". "Allesentscheidend". "Ein Moment, der über Leben und Tod entscheidet." So hatte man die zweite TV-Debatte der beiden Kandidaten angekündigt. Und die Überlebensfrage stellte sich dabei vor allem für John McCain. Denn die Zahlen sehen schlecht aus für den alten Krieger, und sie werden immer schlechter. Landesweit hat ihn Barack Obama in den Umfragen überholt, liegt jetzt auch in wichtigen, umkämpften Bundesstaaten vorn und holt selbst in den Staaten auf, in denen bislang ein Sieg der Republikaner als sicher galt. In Florida etwa, oder in Virginia oder in North Carolina.

Es sind noch vier Wochen bis zur Wahl

Angeschlagen ging John McCain in diese zweite Debatte, aber nicht ausgezählt. Und von den Toten ist dieser Mann schließlich schon mehrmals auferstanden. Auch im wörtlichen Sinn. Gestern bot sich in Nashville John McCains letzte große Chance, die Initiative wieder an sich zu reißen. Es sind noch vier Wochen bis zur Wahl, Zeit genug, Wähler umzustimmen, neue zu gewinnen. Gestern musste sich John McCain als Reformer präsentieren, der die Wirtschaft des Landes retten kann. Als Problemlöser. Als einer, der es mit dem Problemlöser Barack Obama aufnehmen kann.

Und damit hatte es John McCain so eilig, dass er manchmal nach Luft schnappen musste. Er hatte sich in einen eleganten, dunklen Anzug gezwängt, eine fast jugendlich-peppige Krawatte dazu, orange-rot gestreift, und er schien ganz begierig zu sein, Kontakt mit den Zuschauern herzustellen. Sichtlich nervös war er, hatte anfangs Probleme mit seinem Bein, wenn er sich vom Stuhl erhob und auf das Publikum zueilte, Folgen seiner Kriegsverletzung.

Es war eine Bürgerfragestunde

Eigentlich war die gestrige Debatte John McCain wie auf den Leib geschnitten - schließlich hatte er im direkten Dauerkontakt mit den Wählern im vergangenen Herbst sein politisches Comeback geschafft. Es war eine Bürgerfragestunde, ein "townhall meeting." Er liebt solche Veranstaltungen, dann kann er scherzen und voller Gefühl über seine Liebe zum Vaterland sprechen. "Meine Freunde", beginnt John McCain seine Sätze dann, und auf solchen Veranstaltungen möchte man ihm gerne glauben.

Gestern war von seiner Unbekümmertheit, seiner Lust an der Debatte nur noch wenig zu spüren. Er wusste, was auf dem Spiel stand. Aber er machte wenigstens keinen großen Fehler. Er hatte sich penibel vorbereitet, musste vor allem beim Thema Wirtschaft punkten. Er mühte sich, schlug vor, dass die Regierung alle notleidenden Kredite von Hausbesitzern aufkaufen und neue Bedingungen verhandeln solle. "Ist das teuer? Ja." Doch es gelang ihm kaum, verständlich zu machen, dass er die Sorgen und Nöte der Menschen wirklich versteht. Zu offensichtlich war, wie sehr er sich mühte, verlorenes Terrain wiedergutzumachen.

Den Durchbruch blieb er schuldig

Gestern brauchte John McCain das, was man einen "game changer" nennt. Eine neue Qualität, einen echten Durchbruch. Den blieb er schuldig. Und er wusste es, und man sah es ihm an. Hätte er etwa zugeben sollen, dass auch seine eigene Politik der Deregulierung an der Wirtschaftskatastrophe schuld ist? Er konnte Barack Obama ja auch nicht direkt angreifen. Schließlich galt es, die Fragen des amerikanischen Volkes in Zeiten einer schweren Krise zu beantworten. Und außerdem hatte John McCain in den vergangenen Tagen ziemlich negative Schlagzeilen geliefert.

Denn am vergangenen Wochenende hatte er auf das Programm Schlammschlacht geschaltet. "Go negative" und schüre ordentlich Angst - mit dieser Taktik hatten die Republikaner vor vier Jahren die Wahlen gewonnen. Und jetzt ist sich selbst John McCain, der selbst erklärte querdenkende Außenseiter, nicht zu schade, mit Dreck zu werfen. Der Mann, der Politik doch als Ehrensache versteht.

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Gisella (08.10.2008, 20:53 Uhr)
@shine
sie haben absolut Recht. Nach den Wahlen vor 8 bzw.for 4 Jahren hat sich kein Amerikaner "erinnert", den Bush gewählt zu haben..Hatten plötzlich alle das Gedächtnis verloren.
shine (08.10.2008, 13:58 Uhr)
Re: Manese
>> Die Klugen müssen eben zur Wahl gehen und
>> damit per Wahlzettel die Dummen majorisieren.
Das geht aber schlecht, wenn die "Dummen" in der Bevölkerung die absolute Mehrheit stellen, so wie es mómentan in den USA der Fall ist...
vegefranz (08.10.2008, 13:34 Uhr)
@misantro
der Vorschlag ist nicht völlig neu. der vorschlag ist auch ebenso gut wie undurchsetzbar.
manesse (08.10.2008, 13:30 Uhr)
@Johann58
Alleine seine Altershinfälligkeit wird McCain zum Verhängnis werden. Man stelle die beiden Kandidaten nebeneinander und schon ist klar ersichtlich, dass das Alte insbesondere in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage der USA ausgedient und sich diskreditiert hat. Mc Cain steht deshalb nicht für Erfahrung und Weisheit des Alters sondern bloß für ein Weiterso auf ausgetretenen und abschhüssigen Pfaden in den Niedergang. Eher hätten es sich die Demokraten leisten können, angesichts der Probleme des Landes mit einem alten Kandidaten ins Rennen zu gehen, weil dann die jetzige Opposition sozusagen einen altgedienten Fahrensmann mit Überblick zur Wahl gestellt hätte. Es war ein Grundfehler der Republikaner, nicht erkannt zu haben, dass allenfalls ein junger, unverbrauchter republikanischer Kandidat sich glaubwürdig von der katastrophalen Präsidentschaft Bushs hätte distanzieren können.
Putinki (08.10.2008, 13:28 Uhr)
Nächster US Präsident
Beide sind gleichermaßen ungeeignet. Obama ist ein junger, unerfahrener Populist und McCain überaltert mit einer einfältigen Kandidatin als Vizepräsident.
Die nächsten (4) Jahre werden wahrscheinlich unter Obama so langweilig werden, wie die deutsche Politik. Viel Gerede, nichts Genaues und schon keine Aktionen (nur Nachbesserungen oder rückwärts marschieren). Vielleicht ist das ganz gut für Amerika und für die Welt, denn jeder fühlt sich dann im orientierungslosen Zustand sehr wohl. Alle sind sie dann gleizeitig sehr wichtig und unabkömmlich, siehe Chavez & Co.
Johann58 (08.10.2008, 13:16 Uhr)
Es war ein wenig
als haette McCain schon aufgegeben und selbst die Amerikaner koennen scho nicht mehr hoeren wenn auf Russland angesprochen McCain stereotyp sagt er sehe nur die Buchstaben KGB in Putins Augen. Die Abhaengigkeit von Oel aus Staaten die Feinde Amerikas sind will McCain mit Atomenergie und off shore drilling erreichen und fuehrt ausgerechet Frankreich und GB an. Keine einzige Attacke gegen Obama mit Inhalten und immer wieder der Hinweis auf seine alten Leistungen, die zu 95% darin bestehen mit Bush gewaehlt zu haben. Obama hat sich gestern Nacht als der Bessere gezeigt, sich nicht provozieren lassen und sachlich sowie erstmalig mit einem guten Plan gezeigt. Er hat weite Teile von Hillary's Gesundheitsplan uebernommen und auch damit gepunktet. McCain hat oft mit hilflosen Grinsen reagiert. Insgesamt eine schwache Vorstellung von McCain. Interessant heute die neuen Umfragewerte abzuwarten.
manesse (08.10.2008, 12:58 Uhr)
@misantro
Wir sollten daran nichts ändern, dass diejenigen, die die Staatsangehörigen der jeweiligen Staaten sind, das Wahlalter erreicht haben und die Ehrenrechte genießen, wählen dürfen. Andere Vorab-Kriterien sollte es nicht geben. Das schafft nur Unfrieden. Die Klugen müssen eben zur Wahl gehen und damit per Wahlzettel die Dummen majorisieren.
misantro (08.10.2008, 12:31 Uhr)
Demokratische Bürgerpflichten
Ich sehe das Problem im demokratischen Wahlrecht. Ist es wirklich erstrebenswert, dass jeder ein Recht auf freie Wahlen hat? Ich möchte von keiner Partei regiert werden, die von Bürgern gewählt wurde, die nicht mal wissen wer z.B. der amtierende Außenminister ist. Oder die ins kognitive schwimmen geraten, weil ein Politiker seine Aussagen in zwei, drei Nebensätzen verschachtelt. Wäre es nicht besser, wenn man sich das Recht, an demokratische Wahlen teil zu haben, erarbeitet? Ein kleiner Fragebogen als Test würde sicherlich ausreichen, die demokratische Reife des Bürgers zu ermitteln. Gerade in den USA sehe ich das Problem, wo Präsidenten aufgrund von Fähigkeiten gewählt werden, die ein guter Moderator für eine TV-Show mitbringen muss. Aber was will man auch von einem Volk verlangen, dass sein Bildungssystem derart mit den Füßen tritt. Deutschland geht leider einen ähnlichen Weg, die Deutschen werden immer fetter, dümmer und politikverdrossener.
bernie-abg (08.10.2008, 12:22 Uhr)
...
..Zum Wahltermin wird sich niemand mehr an die ersten beiden "Duelle" erinnern, allenfalls die dritte Debatte wird dann noch, möglicherweise, Eindruck hinterlassen haben. Die nächsten drei Wochen werden jedenfalls lang und schmutzig da sich der Intriganten-Stadl aus Karl Roves alten Seilschaften mächtig reinhängen wird. Hoffe bloß die Demokraten haben dieses mal die richtige Antwort und eiern nicht so rum wie vor vier Jahren.
Gisella (08.10.2008, 12:10 Uhr)
Ich hoffe,
das die Wähler kurz vor der Wahl ihre Meinung über Obama -nicht-ändern werden, weil ja angeblich "nur" McCain als der "alte Krieger" die Sicherheit der Amerikaner gewährleisten kann. Mit der Palin natürlich. Ansonsten, wie schon in anderen Beiträgen hier beschrieben-die Voting Machine ist vorprogrammiert, das ist klar.Na, warten wir es ab.
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