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5. Januar 2009, 18:37 Uhr
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Erster Zeuge meldet sich

Was geschah wirklich auf der Riesneralm? Der Ski-Unfall von Dieter Althaus wird immer rätselhafter. Der CDU-Politiker sieht sich "Geisterfahrer"-Vorwürfen ausgesetzt. Bewohner des Skiorts Donnersbachwald wundern sich darüber, dass der Zusammenstoß ausgerechnet an der Kreuzung passierte. Ein Zeuge könnte für Aufklärung sorgen.

Althaus, Dieter Althaus, Ministerpräsident, Ski-Unfall, Skiunfall, Riesneralm, Österreich, Beata C.

Pistenkreuzung an der Riesneralm: Althaus kann sich an den Unfall bislang nicht erinnern© Kerstin Joensson/AP

Was passierte am Neujahrstag im österreichischen Donnersbachwald? Diese Frage beschäftigt nicht nur die zuständige Staatsanwaltschaft sondern mittlerweile auch verstärkt die Öffentlichkeit. Sicher ist: Auf einer bislang unauffälligen Pistenkreuzung auf der Riesneralm stieß Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus am 1. Januar gegen 14.45 Uhr mit der Slowakin Beata C. zusammen. Beide waren mit rund 50 km/h unterwegs. Der CDU-Politiker erlitt eine schwere Schädelverletzung, die 41-Jährige starb an den Folgen des Zusammenpralls. Nun wird gegen Althaus wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Eigentlich eine Routineuntersuchung, aber mittlerweile gibt es Hinweise, dass der Regierungschef der Schuldige an dem tragischen Unfall sein könnte.

Althaus, Dieter Althaus, Ministerpräsident, Ski-Unfall, Skiunfall, Riesneralm, Österreich, Beata C.

Die stern.de-Montage basiert auf einem von der Alpinpolizei Liezen herausgegebenen Foto. Die Pfeile zeigen die Fahrtrichtungen der Unfallgegner und die genaue Unfallstelle auf der Piste© stern.de-Infografik nach Polizeifoto/DDP

Mit dem genauen Unfallhergang beschäftigen sich nun die österreichischen Ermittler. Bei ihnen hat sich inzwischen ein erster Unfallzeuge gemeldet. Seine Aussage sei für die Ermittler sehr wichtig und werde in das Gutachten des Sachverständigen einfließen, sagte Staatsanwalt Walter Plöbst am Montag in Leoben. Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

Althaus selbst hat keine Erinnerung an den Zusammenstoß und sein Bodyguard soll soweit hinter seinem Schützling zurückgelegen haben, dass er den Unfall nicht gesehen haben will. Der "Spiegel" aber mutmaßt, es sei eher unwahrscheinlich, dass die Slowakin den Unfall verursacht habe. Das Blatt beruft sich dabei auf die genaue Lage der Unglückstelle. Wie ein offizielles Polizeifoto zeigt, passierte der Unfall an einer großen und gut einsehbaren Zusammenführung zweier Pisten. Althaus fuhr die mittelschwere rote Strecke, Beata C. war auf der leichten blauen Piste unterwegs. Beide Strecken sind zusätzlich auf ein paar Metern durch ein Fanggitter voneinander getrennt. "Dass das Unglück oberhalb dieser Absperrung passierte, eindeutig auf der blauen Piste, ist eines der Rätsel, mit denen sich die Staatsanwaltschaft beschäftigen muss", schreibt der "Spiegel".

Möglicherweise sei Althaus orientierungslos gewesen, als er auf die Kreuzung kam, oder er fuhr als "Geisterfahrer" bewusst bergauf auf die blaue Piste, möglicherweise - wie der "Tagesspiegel" schreibt - um sich das kräftezehrende Abbremsen zu erleichtern. Die "Bild"-Zeitung zitiert Siegmund Schnabl, Leiter der zuständigen Alpinpolizei, ob der CDU-Politiker bergauf fahren musste, um an die Unfallstelle zu gelangen. Die Antwort laut "Bild": "Ja, da geht's bergauf. Um ins Tal zu kommen, hätte er in die andere Richtung - nach rechts - fahren müssen.

In dem 400-Seelen-Dorf am überschaubaren Skigebiet von Donnersbachwald will sich kaum jemand an den Spekulationen beteiligen. Fast scheint es so, als habe die gesamte Gemeinde ein internes Schweigegelübde abgelegt. Die Wirte der beiden Haupthütten im Skigebiet "Berghof" und "Hochsitz" wollten sich auf Anfrage von stern.de nicht einmal zum Pistenverlauf äußern. Ob Dieter Althaus bei ihnen zu Gast war, wüssten sie nicht. Der Chef der ortansässigen Skischule "Magic Snow", Martin Kerschbaumer, verweist auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft. "Das ist Privatsache, fragen sie die Behörden." Natürlich kenne er die Unfallstelle, aber ob man dort schnell zum Geisterfahrer werden könne, wollte der Skilehrer weder bestätigen noch dementieren.

Nur eine Dorfbewohnerin äußert sich über die Unfallstelle: "Ich bin die Piste schon oft gefahren, bestimmt 100 Mal. Mich wundert es stark, dass es dort zu einem Frontalzusammenstoß kommen konnte. So lange ich denken kann, gab es dort noch nie ein Problem", so die Wirtin der Pension "Riesnertreff", Marianne Reith, zu stern.de. War einer der Skiläufer vielleicht doch zu schnell oder unachtsam - oder sogar beide?

Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft soll sich mittlerweile ein Zeuge gemeldet haben, der den Unfall gesehen haben will. Der Urlauber spricht nach einer ersten Vernehmung von einem "Frontalzusammenstoß". Das könnte möglicherweise bedeuten, dass Dieter Althaus von seiner roten Piste auf den blauen Hang der tödlich verunglückten Slowakin geraten sei, weshalb es zur Kollision gekommen sei. Wie die Justizbehörde in Leoben mitteilte, werden die Gutachten der Sachverständigen, die den Unfallhergang und die Schuldfrage klären sollen, erst in etwa vier Wochen vorliegen.

Althaus, Dieter Althaus, Ministerpräsident, Ski-Unfall, Skiunfall, Riesneralm, Österreich, Beata C.

© stern.de-Infografik

Bis dahin wird auch das Untersuchungsergebnis der Blutproben von Althaus und Beata C. vorliegen. Die Mediziner prüfen also auch die Möglichkeit, ob einer der Beteiligten oder beide Alkohol getrunken hatten. "Zudem werden die Kleidung und die Ausrüstungsgegenstände auf Spuren untersucht", so die Staatsanwaltschaft. In Österreich steht auf fahrlässige Tötung eine Strafe von bis zu zwei Jahren. Klarheit gibt es inzwischen zum Tod der 41-Jährigen. Sie starb eindeutig an den Kopfverletzungen nach dem Zusammenprall mit dem Politiker, "wie die Obduktion ergeben hat", so Staatsanwalt Walter Plöbst.

Der Gesundheitszustand von Dieter Althaus entwickelt sich positiv, so das Ärzteteam. Er habe seine Orientierung zwar noch nicht voll wiedergefunden und liege noch auf der Intensivstation, sei aber ansprechbar und habe keine Schmerzen, sagten die behandelnden Ärzte auf einer Pressekonferenz. Sie seien optimistisch, dass der Ministerpräsident keine relevanten bleibenden Schäden zurückbehalten werde. Es werde bereits über eine Verlegung in die Universitätsklinik Jena beraten, einen Zeitpunkt gebe es dafür aber noch nicht.

K. Bellstedt, N. Kruse, M. Pfohl, C. Schäfer mit Agenturen
KOMMENTARE (10 von 34)
 
n8g8 (08.01.2009, 00:20 Uhr)
Zeugnisverweigerungsrecht
Jeder Verdächtige darf/muss sich nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht selbst belasten - er hat ein Zeugnisverweigerungsrecht. Dieses Recht wird Herr Althaus vermutlich genauso in Anspruch nehmen wie Christian Klar.
Das ist sein gutes Recht und die Schlüsse aus dem Schweigen von Althaus darf jeder genauso ziehen, wie aus dem Schweigen von Klar.
Nur ich bezweifel, wegen der medialen Darstellungsart, dass der Bevölkerung die Parallelen beider Fälle (das Menschenleben) bewusst ist.
Der Unterschied ist in Vorsatz und Fahrlässigkeit begründet.
PS: Ich hoffe trotzdem von den Medien, dass Althaus nicht - wie der Zocker Merckle - vom Täter zum Opfer künstlich hochstilisiert wird, sondern reale Erkenntnisse und Beweise die Straftat von Althaus belegen bzw. ihn entlasten.
Krakatoa41 (06.01.2009, 00:31 Uhr)
Gerechtigkeit
Es besteht die große Wahrscheinlichkeit, das Wahrheiten verdreht werden und die Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben wird, schliesslich war der eine Ministerpresident, also ein Halbgott und die andere nur gewöhnliche Bürgerin. In den Medien den ganzen Tag nur Berichte, das es dem Ministerpresidenten besser geht, die Tragodie über die getötete und Ihre Hinterbliebenen wie immer völlig uninteresant, So gleich sind also die Menschen. Das erstaunlichste aber, der Leibwächter hatte keinen Sichtkontakt zu seinem Dienstherrn, das bedeutet doch eigentlich fristlose Kündigung, aber wir sind ja auch alle auf der Wurstsuppe hergeschwommen und es bleibt abzuwarten was passiert, wenn der unerwartete zeuge nicht das richtige gesehen hat.
REINI2 (05.01.2009, 23:57 Uhr)
Leben, oder sterben ..... eine Sekunde entscheidet...
Die Medien übertreiben mit dem Althaus! Jede Stunde eine Direktschaltung ins Krankenhaus…. Ja, ist denn der PAPST??
Behandelt ihn wie einen „normalen“ Menschen und lasst ihn in Ruhe!
Kümmert euch lieber mehr um die Familie der Frau.
Diese Familie wurde zerstört und es wird nur am Rande erwähnt!
Ich habe es nicht besonders mit cdu Politikern, doch bitte keine Verurteilung ohne Fakten.
Wie es scheint hat Althaus den Schwung ausgenützt und ist die andere Piste zum abbremsen hoch gefahren.
Da wird er nicht der erste gewesen sein.
Die Öschis wissen das sehr wohl, haben aber keinen Arsch in der Hose um es zu zugeben!
Klar, man muss aufpassen, es geht schließlich um den Fremdenverkehr. Da würde man gesteinigt, wenn man etwas Falsches sagen würde.
Dann doch lieber die drei Affen nachmachen…... :-((((
Profiler (05.01.2009, 23:38 Uhr)
Personenschützer ist schuld
Also offensichtlich ist der fußkranke Personenschützer schuld. Althaus wollte auf ihn warten, da die rote Piste ja noch schneller wurde. Er fuhr also in die blaue ein, und dann kam´s wie bei einenm Flugzeugzusammenstoß: beide sind in die gleiche Richtung ausgewichen.
Aber nun mal ehrlich, ich glaube nicht, daß der Personenschützer nichts gesehen hat. Wenn er so weit vom Althaus erfernt gewesen sein sollte, daß er ihn nicht mehr sah, dann wäre dies ein Grund für eine fristlose Entlassung, oder? Der hat´s gesehen...
albundy69 (05.01.2009, 23:17 Uhr)
ZEUGE VON DER PDS
Bestimmt findet die BILD jetzt aus, dass der Zeuge ein ehemaliger KZ-Wächter ist, der 1952 in Korea und 1959 auf Kuba zuerst gegen die Kommies und dann mit den Kommies gegen und dann für die Weltrevolution gekämpft hat. Von 1966 bis 1969 war er Redenschreiber bei Kiesinger und U-Boot von Brandt. 1990 trat er in die PDS ein und wurde darauf trainiert 2009 an der Stelle zu sein wo er Althaus "abschiessen" konnte !
Sternchen2020 (05.01.2009, 22:36 Uhr)
Allen Eiferern zum Trotz,.
eine lückenlose Aufklärung kann auschließlich dazu dienen, versicherungsrechtliche und damit geldwerte, entschädigende Fakten zu kreieren. Ich betone "geldwerte". Denn ganz gleich, wer Schuld hat oder nicht, die Frau ist tot, vier Kinder stehen ohne Mutter da und D. Althaus wird ein Leben lang darunter leiden. Alles andre spielt eine völlig unrergeordnete Rolle. Welcher Fehler oder welches Versäumnis die Ursache auch immer sein mögen, niemand hat das gewollt oder beabsichtigt. Es ist eine Tragödie für alle Beteiligten!
campesino (05.01.2009, 22:22 Uhr)
Hallo Leboz
So ganz stimmt das nicht. Strauß war indirekt verantwortlich für tote Starfighter-Piloten und Wiesheu baute im Suff einen Unfall mit Todesfolge und wurde später ironischerweise Verkehrsminister. Aber schau dir auch mal das Eschede-Unglück genauer an...
Das Buch kenne ich auch, ich habe mich gut amüsiert.
Aber was ich damit ausdrücken wollte, die Justiz in Österreich ist nicht besser oder schlechter wie die anderer europäischer Länder und die Ermittlungsbeamten werden sich sicher anstrengen. Deshalb finde ich solche Unterstellungen nicht gerade gut.
Mal schauen was rauskommt, ich bin auch skeptisch was die momentanen Spekulationen über Fahrtrichtungen usw. angeht.
friedolin (05.01.2009, 21:21 Uhr)
"Mein Anwalt sagt ...
..., dass ich mich an nichts mehr erinnere"
Ist doch noch besser, als dem ihm unbestreitbar zustehenden Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch zu machen.
leboz (05.01.2009, 21:17 Uhr)
holla campesino
bei Strauss, Koch u.a. hat man die "Politik"nicht verschont: Da ging's außerdem nur um Geld, aber nicht um Todesfälle. Meine österreichischen Beobachtungen reichen bis Lucona zurück: Beim Lesen des Buchs von Pretterebner habe ich Tränen gelacht über Österreichs Politik und Justiz - so traurig das alles war. Ich weiß aber jetzt, was bei diesem furchtbaren Unfall "rechtlich" herausschaut.
campesino (05.01.2009, 21:10 Uhr)
Naja Leboz
Soll ich jetzt mit Flick, Strauß sen. und jun., Wiesheu, Parteispenden usw. anfangen?
Umstrittene Urteile und Einflußnahme der Politik gibt es in jedem Land.
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