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Horst Seehofer: Der Rückzieher vom Rücktritt: Auch diese Politiker überlegten es sich wieder anders

Hinschmeißen, nur um dann doch zu bleiben: Eine Reihe von Politikern hat in den vergangen 60 Jahren ihren Rücktritt angekündigt, von dem später keine Rede mehr war. Drei der prominentesten Beispiele.

Sebastian Ostendorf

Horst Seehofer, Konrad Adenauer, Ludwig Erhard

Ludwig Erhard (links) und sein Vorgänger im Kanzleramt Konrad Adenauer.

DPA

Horst Seehofer hat es wieder geschafft: Erst den Rücktritt ankündigen, nur um später weltmännisch zu erklären, doch dem Amt treu bleiben zu wollen. Immerhin hat der Bundesinnenminister zwei prominente Kollegen, die es ihm vorgemacht haben. Und auch er selber trieb seine Partei mit dieser Taktik bereits in den Wahnsinn.

Konrad Adenauer will auch als Bundespräsident mitreden

Für Konrad Adenauer schien die Lage günstig: Im Jahr 1959 endete die Amtszeit von Bundespräsident Theodor Heuss. Nach dem Willen des "Alten" sollte aber der erste Mann im Staate kein Liberaler oder gar Sozialdemokrat werden. Adenauer schwebte sein Wirtschaftsminister Ludwig Erhard vor. Doch dieser Vorschlag stieß nur auf geringe Zustimmung in der CDU.

Da verfiel sein engster Vertraute Hans Globke auf den Gedanken, Adenauer könne doch selber ins Amt des Bundespräsidenten wechseln. Der Kanzler konnte sich damit zunächst gut anfreunden. Denn anders als damals politische Beobachter zunächst mutmaßten, sollte dieser Schritt nicht sein Abschied aus der aktiven Politik bedeuten. Adenauer wollte als Bundespräsident die großen politischen Linien der Politik bestimmen, ganz nach dem Vorbild der Französischen Republik. Über Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier ließ er am 7. April 1959 verkünden, er wolle die Kandidatur annehmen.

Doch nur fast zwei Monate später machte Adenauer wieder einen Rückzieher. Er hatte in seinem Urlaub das Grundgesetz studiert. Das verbietet nun mal dem Bundespräsidenten jedweden Einfluss auf die Tagespolitik. Was für den Alten aber ausschlaggebend gewesen sein dürfte, wäre die Nachfolgefrage im Kanzleramt. Anders als in Frankreich hätte er als Präsident keinen Kandidaten vorschlagen dürfen. In der CDU kündigte sich bereits an, dass Ludwig Erhard nachrücken könnte.

 Für den "Alten" ein Graus, der seinen Wirtschaftsfachmann für unfähig hielt. Als er merkte, unter diesen Umständen einen Kanzler Erhard nicht verhindern zu können, ließ er am 5. Juni die Bombe platzen: Die ganze Sache sei wieder vom Tisch. Adenauer rettete sich zwar so in seine vierte Kanzlerschaft, doch unter den Konservativen wuchs der Wunsch ihn los zu werden.

Dieter Althaus zieht sich beleidigt zurück

Auf das politische Fiasko folgte der Rücktritt Hals über Kopf: Dieter Althaus verlor als erster thüringischer Ministerpräsident für die CDU 2009 die absolute Mehrheit: Nur drei Tage nach dem Debakel gibt der Landesvater am 3. September 2009 fluchtartig seinen Rücktritt vom Posten des Ministerpräsidenten und den des Landesvorsitz der CDU Thüringen bekannt.

 Innerhalb der Partei sorgte er schon während des Wahlkampfs für Unmut. Die Kampagne sei völlig auf die Person Althaus zugeschnitten, der Vorsitzende habe den Kontakt zur Basis verloren, beschwerten sich Parteifreunde. Einen schweren Fehler leistet sich Landeschef weniger Tage vor der Wahl. Er sprach sich in einem Interview für die Abschaffung des Solidaritätszuschlages aus.

Als Althaus sich sein Scheitern nach der Wahl eingestehen muss, ist auch die partei-interne Kritik an ihm angeschwollen. Mit dem Chef der Staatskanzlei bereitet er seinen Rücktritt vor, und schmeißt dann spektakulär hin. Seine Parteifreunde erwischt dieser Schritt völlig kalt. Immerhin sollte Althaus noch Koalitionsgespräche führen. Der meldete sich wenige Tage später wieder zurück und will die Amtsgeschäfte bis zur Berufung einer neuen Regierung weiterführen. Althaus begründet dies mit der Landesverfassung. Doch die Süddeutsche Zeitung mutmaßte damals, der Regierungschef auf Abruf wollte ein letztes Mal Einfluss auf seine Nachfolge ausüben.

Horst Seehofer verzögert die Nachfolgefrage

Bevor Horst Seehofer sich Volten um seinen vermeintlichen Rücktritt im Sommer 2018 leistete, ging er seiner Partei bereits zwischen 2012 und 2014 gehörig auf die Nerven. Schon damals drängte die Frage, wer ihm denn in die Bayrische Staatskanzlei nachfolgen könnte. 

Seehofer hatte im Oktober 2012 noch selber verkündet, er wolle sich 2018 aus der Spitzenpolitik verabschieden. Der Kandidat hätte dann als Spitzenmann oder Spitzenfrau in die Landtagswahl 2018 ziehen können. Doch zwei Jahre später ist für Seehofer dieser Plan vom Tisch. Er schließe nicht mehr aus, auch 2018 kandidieren zu wollen.

Seehofer dürfte wie so vielen altgedienten Politikern davor gegraust haben, wer ihn beerben könnte. Schon 2014 kündigte sich an, dass sich sein Parteifreund und Lieblingsfeind  Markus Söder im Rennen durchsetzen könnte. Kandidaten wie Ilse Aigner oder Joachim Herrmann waren zwar nicht aussichtslos, doch Söder war immer der Rücksichtslosere.

Am Ende bringt als das Taktieren Seehofers nicht. Die CSU kassiert bei der Bundestagswahl 2017 eine Trachtprügel und ihr Chef ist so angeschlagen, dass er einen Nachfolger Söder nicht mehr verhindern kann. Am Ende muss Seehofer sich als Bundesinnenminister nach Berlin verabschieden.

tis