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28. Juni 2010, 12:30 Uhr

Warum Wulff eine kleinere Rente will

Noch vor seiner Wahl denkt Präsidentschaftskandidat Wulff über seine Finanzen nach der Wahl nach. Außerdem: Wie eine Autorin Guttenbergs erste Biografie gründlich verhunzt hat und welche Wahlfrau in Konstanz Döner verkauft. Von Hans Peter Schütz

 
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Präsidentschaftskandidat Christian Wulff: Wenn er Bundespräsident wird, steht ihm eine Rente von knapp 200.000 Euro zu© Nigel Treblin/DDP

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Bundesrepublik in der Person von Christian Wulff den mit Abstand jüngsten Bundespräsidenten aller Zeiten in Schloss Bellevue amtieren sieht. 51 Jahre jung. Und damit verbindet sich ein sehr spezielles Problem - für Wulff persönlich. Was wäre, wenn er nach der ersten Amtszeit von fünf Jahren Ex-Präsident wäre, etwa weil sich bis dahin die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung zu seinen Ungunsten geändert hätten? 56 wäre er dann. Und nach einer zweiten Amtszeit auch erst 61 Jahre "alt". Seiner engsten Umgebung hat er längst gestanden: "Dann gehe ich wieder ganz normal arbeiten. Ich kann doch nicht in diesem Alter Ruhestand als Pensionär praktizieren. Ich arbeite auf jeden Fall bis 67".

Bauchschmerzen bereitet Wulff auch der Gedanke, nach dem Amt des Präsidenten bis an sein Lebensende ein jährliches Gehalt von knapp 200.000 Euro zu beziehen. Bei den Amtsvorgängern Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler ist dies der Fall. Das Grundgesetz sieht das so vor. Wulff sagt schon jetzt: "Ich bin bereit darüber zu reden, dass die Bestimmung des weiteren Bezugs des vollen Amtsgehalt von meiner Person an für die Zukunft in eine normale Pension geändert wird." Eigentlich dürften Bundestagsparteien, die die Rente mit 67 einführen und Nullrunden bei der Rentenhöhe fahren, diese bemerkenswerte Einladung zu einer Reform nicht ausschlagen.

*

Dass Karl-Theodor zu Guttenberg ein Senkrechtstarter ist, wird in der Politszene längst nicht mehr bestritten. Manche Kollegen neiden es ihm auch. Seit einigen Tagen wird ihm aber auch gewisses Mitleid zuteil. Denn über den gerade mal 38-Jährigen ist die erste Biografie (Fackelträger Verlag) erschienen. Seine Person wird darin - physikalisch einigermaßen verwirrend - als "Aufsteiger von oben" beschrieben, die für den "Aristokraten, Politstar, Minister" (man beachte die undemokratische Abfolge) wohl irgendwann in der politischen Höhe des Kanzleramts enden werde. Noch verwirrender ist der Bucheinband. Quer über einem Guttenberg-Porträt steht in Großbuchstaben "Anna von Bayern". Nein, nicht er ist damit gemeint - so heißt die Autorin. Im Adelsranking steht sie weit über ihrem Untersuchungsobjekt, denn sie stammt aus der fürstlichen Familie von Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Korrekt müsste man sie mit "Königliche Hoheit" ansprechen, sagt zumindest die Protokollchefin des Hauses Wittelsbach.

Im Kapitel "Auf Bismarcks Spuren" erfährt der Leser, wie der Verteidigungsminister einst seine heutige Frau Stephanie erobert hat: "Kann man eine Techno-Nudel wie Dich auch zum klassischen Konzert überreden?" Ferner: Dass er die "stets blitzblanken Schuhe" selbst putzt und seiner Frau beim Küchenabwasch hilft. Welchen Wert die Information hat, dass er "Raststättenklos ohne Drehkreuz bevorzugt" bleibt rätselhaft. Weil es dann schneller geht? Oder nichts kostet? Die Textpassage über die Kundus-Affäre ist mit "Deep Shit" überschrieben. Ob das der Grund war, dass sich zu Guttenberg für diese Biografie der Autorin nicht zum Gespräch zur Verfügung stellte?

*

Wer ist der interessanteste Wahlmann bei der Präsidentenwahl am kommenden Mittwoch? Ganz klar Saliou Gueye: ein Schwarzer, der im Mai 2009 als Parteiloser mit den Grünen Horst Köhler wählte und jetzt als SPD-Mitglied für Joachim Gauck stimmen wird. Geboren wurde der Schwarzafrikaner 1968 im Senegal, studierte dort Literaturwissenschaft, ab 1995 in Dortmund Raumplanung, wo er vor zehn Jahren den begehrten Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studenten erhielt. Heute ist er Integrationsbeauftragter der baden-württembergischen Stadt Ludwigsburg. Er bewundert Gauck für dessen Kampf um mehr Bürgerrechte.

Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Peter Friedrich ist stolz auf diesen ungewöhnlichen Wahlmann: "Wir können damit zeigen, dass Baden-Württemberg bunter und vielfältiger, ist als Herr Mappus überhaupt denken kann." Gueye spricht elegantes Hochdeutsch, räumt aber ein, dass er an seinem Schwäbisch noch üben muss. "Aber ich verstehe es perfekt." Sein Konzept für die Integration von Kindern mit Immigrationshintergrund: frühkindlicher Sprachunterricht vor der Grundschule und parallel dazu Sprachförderung der Eltern.

Für eine bunte Bundesversammlung sorgt die SPD auch mit der Wahlfrau Zahide Sarikas. Die alewitische Kurdin, Genossin aus Konstanz am Bodensee, ebenfalls im Politikfeld Integration aktiv, hat daneben noch ein ganz besonderes Talent: Sie verkauft Döner in einer Döner-Bude an der deutsch-schweizerischen Grenze. Keinen normalen Döner, sondern den "Kuyu"-Döner, der schon einmal bei einem bundesweiten Test als Geschmackssieger preisgekrönt worden ist. Ob Mappus jetzt statt zum Spätzleessen bald auch mal zum Dönerfuttern nach Konstanz fährt?

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Stern007 (29.06.2010, 15:56 Uhr)
Peanuts
Ich habe grade den Bildbeitag von Stern angeschaut. Sehr interessant!
Wenn ich dei Bezüge alle überschlage, dann sind das p.A. ca. 1 Mio, die dr BP zur Verfügung hat. DAS IST DOCH EIN NICHTS!!!! 1. MIO!!!!!!! und davon muss er auch noch das Personal bezahlen, vom Gärtner bis zum Koch udn chaffeur udn Empfänge muss er auch davon finanzieren. Mal ehrlich, wegen des Geldes macht das doch keiner, das Gehalt in Höhe von 200.000? ist doch im Vergleich mit Topmanagern aus der Wirtschaft ein Vogelsch...ß...
Und die lebenslange Rente, nun für den Haushalt sind p.A: 200.000 auch eher eine Summe im promill Bereich.
Also darüber braucht man sich wirklich icht aufzuregen...
HenningHerbst110 (29.06.2010, 13:19 Uhr)
Die Würde des Alters fehlt völlig.
Wullf ist zu lala und Gauck zu selbstverliebt. Man sollte lieber einen Künstler, Philosophen oder Schriftsteller für dieses Amt nominieren. Für mich wäre bspw. Günter Grass oder Peter Sloterdijk für dieses Amt nominieren. Die anderen Kandidaten sind ohnehin gleichgeschaltet.
Millhouse (29.06.2010, 08:58 Uhr)
Bunte Bundesversammlung
Also mir ist es völlig egal ob die Bundesversammlung bunt ist - die Meinung des Volkes wird da sowieso nicht abgebildet.

Allerdings wünsche ich mir für die Delegierten einen IQ-Test a la Einwanderer. Ich bin mir fast sicher das viele Delegierte da durchfallen würden - schließlich benötigt man zum Bestehen eines solchen Testes eine eigene Meinung und Abschreiben ist nicht erlaubt.
Skillet4 (29.06.2010, 00:03 Uhr)
HenningHerbst110 (28.06.2010, 15:41 Uhr)
Ich möchte Ihnen hiermit in aller Form beipflichten.
Wobei man sagen möchte, dass wer immer diesem Verein das Wort redet, schon irgendwie antisozial eingestellt sein muss.
Und wenn ich den Begriff *Intellektualität* den politischen Parteien in Deutschland gewichtend zuordnen sollte, so wäre die CDU weit abgeschlagen.
Musterbeispiele der entsprechenden Klientel brauch man nicht lange suchen.
Tempelhofer (28.06.2010, 16:13 Uhr)
@ HenningHerbst110
Ich teile Ihre Auffassung nicht.

Die CDU ist eine gute Partei, und die Koalition erbringt viel Positives für Deutschland.
tannebaum (28.06.2010, 15:53 Uhr)
@HenningHerbst110
aber viel mehr wähler wollten diese partei die anderen.

aber henning, sie stehen dafür für versagertum, mißgunst, neid... nur weiter so.
HenningHerbst110 (28.06.2010, 15:41 Uhr)
CDU - unsozial, unsozial, unsozial.
Das Problem ist nicht Herr Wulff sondern die CDU die er vertritt. Diese Partei steht für Spendenskandale, Wirtschaftslobbyismus, Kriegsverharmlosung und die konsequente Umverteilung von arm zu reich.

"Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten."
rockyciano (28.06.2010, 14:40 Uhr)
Lieber Herr Schütz -
ich kann Ihnen nur den Artikel von Richard David Precht im heutigen Spiegel empfehlen:"Die entfremdete Republik".

Das ist Journalismus auf höchstem Niveau.
bayerbienengift (28.06.2010, 14:16 Uhr)
Rente 200.000 ? - Ich bin bereit darüber zu reden....
- reden - aus dem Mund eines Politikers der König der CDU werden will...wieder einmal völlig am Volk vorbei. Wer bekommt schon für 5 Jahre wohnen im Schloss eine lebenslange Rente von 200000 Euro? Es lebe die Demokratie.
satyrffm (28.06.2010, 14:11 Uhr)
Komplett abschaffen!
Die Rente / Pension für den Bundespräsidenten muss komplett abgeschafft werden. Maximal eine Aufstockung zum bisher erarbeiteten Pensions- oder Rentenanspruch im Arbeitsleben bis 67 Jahre ist hinzunehmen. Alles andere ist ein Schlag jeden hart arbeitenden Steuerzahlers.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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