14. Januar 2010, 19:50 Uhr

Atommüll-Lager Asse soll geräumt werden

Es ist das größte strahlende Problem Deutschlands: das marode Atomendlager Asse. Nun steht die Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz an, was aus dem Atommüll werden soll. Nach einem Medienbericht sollen die 126.000 Fässer aus der einsturzgefährdeten Grube herausgeholt werden.

Asse, Grube, Atommüll, BfS, Gutachten

"Prekärer Zustand": Die Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll sollen aus der Asse geräumt werden

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt laut einem Medienbericht, den gesamten Atommüll aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage Asse herauszuholen. Anschließend sollen demnach die rund 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll im Schacht Konrad, einem stillgelegten Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, endgelagert werden. Das geht aus dem mit Spannung erwarteten Gutachten des BfS hervor, das am Freitag bekanntgegeben werden soll und das dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vorliegt.

Die Rückholung des Atommülls stelle "die einzige sicher umsetzbare" Alternative dar, heißt es laut dem Bericht in der 225-seitigen Expertise. Die Behörde rate der Politik zu größter Eile, angesichts des "prekären Zustands der Grube" Asse. Mit den Arbeiten solle "schnellstmöglich" begonnen werden. Die Behörde rechnet mit einem Zeitaufwand von etwa zehn Jahren.

Drei Stilllegungsoptionen verglichen

Das BfS hatte drei Stilllegungsoptionen verglichen. Neben der Ausräumung der Grube standen das Umlagern der Müllfässer in tiefere Schichten sowie das Einbetonieren des Atommülls mit anschließendem Fluten des Bergwerks zur Debatte. Über die Kosten der Aktion schweige sich das BfS aus, heißt es in dem Zeitungsbericht. In einem Gutachten des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des Tüv Nord werden sie mit über zweieinhalb Milliarden Euro beziffert - bei einem Zeitbedarf von nur knapp acht Jahren.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan räumte am Donnerstag vor dem Asse-Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags Versäumnisse beim Betrieb des Atommülllagers ein. "Nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik ist klar, dass man ein bereits ausgebeutetes Salzbergwerk nicht zur Einlagerung von Atommüll nutzen kann", sagte die CDU-Politikerin in Hannover. Eine eigene Verantwortung für Fehler sah sie allerdings nicht. In der Asse sei 30 Jahre lang geforscht worden. Danach habe sich aber gezeigt, dass "ein Forschungsinstitut nicht die Kernkompetenz für die Stilllegung einer Atomanlage hat", sagte Schavan mit Blick auf den früheren Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum.

Spätestens mit dem Ende der Endlagerforschungen in der Asse im Jahr 1995 "hätte die Verantwortung in die Hände von Experten für den Rückbau gelegt werden müssen", sagte sie rückblickend. Zudem lasse sich allein durch Endlagerforschung die Einlagerung von insgesamt 126.000 Atommüllfässern in der Asse in den Jahren 1967 bis 1978 nicht erklären. "Die Forschung wäre mit weniger ausgekommen", betonte Schavan. In den damaligen Genehmigungen habe es keine Obergrenze gegeben, und man habe die Möglichkeiten zur Einlagerung extensiv genutzt.

Schavan weist Verantwortung von sich

Eine eigene Verantwortung für die Versäumnisse in der Asse wies Schavan von sich. Das Bundesforschungsministerium sei zwar der Zuwendungsgeber und der größte Gesellschafter des Helmholtz-Zentrums, habe aber nie die Fach- oder Rechtsaufsicht über die Forschungseinrichtung gehabt. "Es gibt in Deutschland die Souveränität der Forschungsorganisationen", hob sie die Unabhängigkeit des Asse-Betreibers hervor. BfS-Präsident Wolfram König will am Freitag in Hannover erste Ergebnisse eines Vergleichs von drei Optionen zur Stilllegung der Asse vorstellen. Das Bundesamt prüft derzeit eine Vollverfüllung, eine Umlagerung des Atommülls oder dessen Rückholung an die Erdoberfläche als Möglichkeiten zur Schließung des Lagers. Bei der sogenannten Vollverfüllung ist eine Flutung des unteren Teils der Grube vorgesehen.

APN
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Xennox (15.01.2010, 17:06 Uhr)
Echt STRAHLEND
Was soll ich datu sagen? Es wird wahrscheinlich im Schacht Konrad Endgelagert. Ich komme aus Salzgitter und weiß auch, dass schon seit Jahren bei Feuerwehrübungen im Schacht Konrad nur in voller Strahlenschutz-Montur geübt wurde.
Darüber hinaus sollen dort schon aus Testzwecken Radioaktiver Müll gelagert worden sein, dieses erfahren habe ich durch Mitarbeiter die berichtet hatten, das dieses in einer Nacht und Nebel aktion geschehen ist, damit die bewohner nichts mitbekommen, doch was wenig leute wissen ist, das es eine Gleisverbindung zwischen dem Hüttenwerk und der grube gibt, die unterirdich verläuft.
Desswegen gibt es schon seit längerer zeit keine Besuchertouren mehr.
arniston (14.01.2010, 22:50 Uhr)
es barschelt sehr
auch die gerechtigkeit strahlt in politik
weiter,
nach schröder und leiharbeit , stoiber und brüssel,
nach wahlen der grünen ,
zumwinkel tragt die post aus , mehdorn an die börse, so passt asse zum rest.
die kosten tragen wir , die veranwortlich baden mit scharping in der sonne.
es barschelt sehr..
ganzbaf (14.01.2010, 21:15 Uhr)
Atomstrom...

ist ja soo billig.
bayerbienengift (14.01.2010, 21:08 Uhr)
aber dafür gibt es billigen Atomstrom...
der Müll kommt in Schwarz-gelbe Fässer, die irgendwo ganz siecher verbuddelt werden. Um das ganze auch konkurrenzfähig zu machen, wurden gerade die Solarsubventionen gekürzt.
knilch_59 (14.01.2010, 20:59 Uhr)
2.500.000.000 für den Rückbau und das Bergen der Fässer ...
... und wie teuer wird eine "sichere" Endlagerung der Fässer?
.
Immer vorangestellt, dass es sich bei dem Mist in der Asse nur zum kleinsten Teil um Abfälle aus Atomkraftwerken handelt, das Zeug, das dort lagert, ist anders angefallen.
.
Und wie teuer wird es werden, wenn die AKW-s rückgebaut werden müssen und deren Müll zur Endlagerung ansteht? Wer zahlt das?
.
Es steht zu befürchten, dass diese Kosten, einmal mehr, zukünftigen Generationen aufgebürdet werden und die Kosten durch künftige Erträge zu decken sein sollen.
.
Wenn wir eins heute wissen, dann, dass das im höchsten Maß unseriös ist. Deshalb muss sofort, von der heutigen Atomindustrie, ein Pool gefüllt werden, in dem sich genug Wert befindet, um mindestens das Fünffache dessen, was jetzt der Rückbau der Asse kostet, in der Hinterhand zu behalten. RWE, E-on und Vattenfall dürfen jetzt keine Gewinne ausschütten, solange die möglichen Risiken, einschließlich der Endlagerung, nicht zu 100% bedeckt sind.
.
Und wenn alles gut geht, kann man in zweihundert Jahren ja damit anfangen, den Sicherungsfonds allmählich aufzulösen. Das wäre Generationenvertrag einmal richtig herum!
pat26 (14.01.2010, 20:54 Uhr)
jaja
mal schauen was da noch auf uns zu kommt. Irgendwann wird sich unsere "Aus den Augen, aus den Sinn" Mentalität, was Atommüll betrifft, furchtbar rächen.
Medienbeobachter (14.01.2010, 20:31 Uhr)
Schwamm drüber
Wie sieht es denn bei den Mitglieder der Vorstände der Energiekonzerne aus? Vielleicht haben die ja noch Platz im Keller oder in der Garage? Oder bei den Politikern, die Asse abgesegnet hatten? Befürworter von Atomkraftwerken sollten sich vielleicht auch melden. Auf eine strahlende Zukunft!
MEHR ZUM ARTIKEL
Atommüll-Endlager Schacht Konrad darf betrieben werden

Schlappe für die Atomkraftgegner: Dem Umbau von Schacht Konrad in Niedersachsen zum Atommüll-Endlager steht nichts mehr im Wege. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Klage eines Landwirtes nicht zur Entscheidung an, obwohl die Richter ein gewisses "Restrisiko" sehen.

Atommüll-Lager Menschliche Asche in der Asse

Im maroden Atomlager Asse verrotten nicht nur Fässer mit hochgiftigem Arsen und strahlendem Plutonium. Dort lagert auch Asche von menschlichen Leichenteilen. Sie stammt von zwei Technikern, die bei einem Unfall im bayerischen Kernkraftwerk Gundremmingen getötet worden sind.

Atommülllager Asse Das Dreckloch ist noch dreckiger

Es ist das größte Dreckloch der Republik - und Deutschlands wohl gefährlichste Deponie: Im Atommülllager Asse lagern nicht nur atomarer Abfall, sondern auch Arsen und Blei, wie der stern herausgefunden hat. Da der Salzstock sich langsam auflöst, werden die 126.000 zum Teil korrodierten Müllfässer zu tickenden Zeitbomben.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?