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6. Oktober 2010, 09:30 Uhr

Schäubles letzte Frist

Der Finanzminister bot seinen Rücktritt an - doch die Kanzlerin ließ ihn nicht. Nun hat sich der gesundheitlich angeschlagene Schäuble eine letzte Frist gesetzt, berichtet der stern. Von Hans Peter Schütz und Axel Vornbäumen

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Wolfgang Schäuble gibt sich vier Wochen Frist, um gesund zu werden© Tobias Kleinschmidt/DPA

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat kurz vor seinem aktuellen Krankenhausaufenthalt Angela Merkel seinen Rücktritt angeboten. Merkel indes überredete ihn zu einer letzten vierwöchigen Frist, wie der stern in seiner neuen Ausgabe berichtet. Der querschnittsgelähmte Schäuble, der in diesem Jahr bereits mehrere Wochen nur eingeschränkt seine Ministertätigkeit ausüben konnte, ist offenbar entschlossen, sein Amt aufzugeben, sollte es ihm nach dieser Schonfrist nicht besser gehen. "Wenn ich nach vier Wochen merke, es geht nicht mehr, ziehe ich die Konsequenzen. Davon hält mich niemand ab", sagte Schäuble Vertrauten.

Schäuble hat in den vergangenen Monaten stärker unter seiner angeschlagenen Gesundheit gelitten, als der Öffentlichkeit bekannt war. Es sei ihm oft "sauschlecht" gegangen, berichtet sein Bruder Thomas. "Das über halbjährige Wundsein hat ihn zermürbt." Schäuble hatte selbst seinen Sommerurlaub auf Sylt immer wieder für Krankenhausaufenthalte unterbrechen müssen. Grund für seine Dauerbeschwerden ist eine nicht verheilende Wunde am Gesäß, nachdem ihm im Frühjahr in einem schweren, achtstündigen Eingriff ein Gerät zur Regulierung der Darmfunktion implantiert worden war. Schäuble selbst räumt mittlerweile ein, sich gegen den damaligen ärztlichen Rat nicht genug geschont zu haben. Die Ärzte hatten ihm zu mindestens drei Wochen Pause geraten. "Da habe ich gedacht, na schön, das kann ich auch in Etappen abliegen." Dies sei aber ein Selbstbetrug gewesen.

Brüderle soll Schäuble vertreten

Nach Informationen des stern wird die Entscheidung, ob Schäuble sein Amt weiter ausüben wird, diesmal definitiv vom Genesungsverlauf abhängen. "Es ist nicht so, dass man mich aus dem Amt davontragen muss", erzählte Schäuble kürzlich einem Vertrauten. Er wisse schon, "dass angesichts der Häufigkeit, mit der ich in diesem Jahr doch ausgefallen bin, man sich einer Grenze nähert".

Schäuble hat seine Entscheidung, noch einmal in die Klinik zu gehen, auch ausführlich mit CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder besprochen. FDP-Chef Guido Westerwelle und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle wurden ebenso in die Entscheidungsfindung einbezogen. Mit Brüderle soll vereinbart worden sein, dass er den Finanzminister wenn nötig bei internationalen Konferenzen vertreten wird. Das gilt als Honorierung der von Brüderle in den letzten Wochen geleisteten Regierungsarbeit.

Der Kandidat de Maizière

Bisher hat sich Schäuble strikt geweigert, in internen Gesprächen den Namen eines potentiellen Nachfolgers zu nennen, sollte er sein Amt aufgeben müssen. Der derzeitige Bundesinnenminister Thomas de Maizière gilt als ein Kandidat, der das entsprechende Fachwissen mitbrächte, zumal er schon einmal Landesfinanzminister in Sachsen gewesen ist. Es ist jedoch nicht erkennbar, dass die schwarz-gelbe Koalition akuten Handlungsbedarf sieht. Übereinstimmend versichern Regierungskreise, dass die Ergebnisse des neuen Klinikaufenthalts abgewartet werden sollen. Schäuble müsse endlich die Chance bekommen, seine gesundheitlichen Probleme in aller Ruhe auszukurieren.

Die Bevölkerung traut Schäuble zu, dass er seine Amtsgeschäfte vom Krankenbett führen kann. 54 Prozent waren in einer Forsa-Umfrage für den stern dieser Meinung. 40 Prozent der 1001 Befragten waren dagegen der Ansicht, dass ein anderer sein Amt übernehmen sollte.

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Von Hans Peter Schütz und Axel Vornbäumen
 
 
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