21. April 2010, 16:17 Uhr

Stipendien erhöhen Chancengleichheit

Bildungsministerin Annette Schavan stellt das neue Stipendien-Programm der Bundesregierung vor und alle kreischen empört "Elitenförderung!" Dabei ist es längst an der Zeit, dass Deutschland gute Studenten angemessen fördert. Ein Kommentar von Theresa Breuer

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Studenten im Hörsaal: Künftig sollen zehn Prozent von ihnen Stipendien erhalten©

Kaum hat Bildungsministerin Annette Schavan das von der Bundesregierung geplante Stipendien-Programm vorgestellt, kreischt es empört aus allen Ecken "Elitenförderung!". Das Programm sei nichts anderes als ein "Geschenk an die Reichen", klagt die SPD. Es privilegiere chancenreiche Akademikerkinder, wettern die Grünen. Und die Linke schließt sich diesen Vorwürfen naturgemäß an. Dabei täte die Opposition gut daran, einmal genauer hinzusehen.

Bislang werden nur rund zwei Prozent der deutschen Studierenden mit Stipendien gefördert - das ist wenig im europäischen Vergleich. Künftig sollen bis zu zehn Prozent der Studierenden gefördert werden, und das mit 300 Euro im Monat. Die Stipendien sollen unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben werden und sich nicht bloß an guten Noten orientieren. Auch das soziale Engagement sei ein Auswahlfaktor sowie die Hindernisse, die ein Student eventuell im Leben zu überwinden hatte. Wer den Studienkredit Bafög erhält, kann die 300 Euro oben drauf packen.

Die Auswahl der Stipendiaten ist überhaupt ein wichtiger Punkt. Man schaue sich nur mal die Organisationen an, die Stipendien vergeben. Da gibt es katholische Einrichtungen, die nur an Christen Stipendien verleihen und muslimische Studenten diskriminieren. Oder die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, bei der ein Stipendiumsanwärter zunächst seine liberale Gesinnung belegen soll, bevor er aufgenommen wird. Das neue Programm wäre politisch und konfessionell unabhängig. Es würde sich zwar zur Hälfte aus staatlichen Mitteln und zur anderen Hälfte aus privaten Mitteln - zum Beispiel aus der Wirtschaft - finanzieren. Letztlich hätten aber die jeweiligen Hochschulen das Sagen, wer ein Stipendium erhält.

Stipendium belohnt Leistung

Kritiker des Stipendienprogramms sind der Ansicht, das Geld solle lieber für eine Bafög-Erhöhung genutzt werden. Damit käme es den Studenten zugute, die mehr Geld wirklich benötigen. Dabei sind Bafög und das Stipendienprogramm zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Eine alleinige Erhöhung des Bafögs hat in der Vergangenheit die "Qualität" der Hochschulabgänger nicht messbar beeinflusst, weil es nur auf die Eingangsschwelle "zu arm zum Studieren" zielt. Bafög fehlt der Fördercharakter - im Gegensatz zu einem Stipendium, das Leistung tatsächlich belohnt.

Das Stipendium würde einem "ärmeren" Studenten, zum Beispiel einem Bafög-Empfänger, zahlreiche Möglichkeiten eröffnen. Zum einen könnte er das Geld sparen, um nach dem Studium den aufgenommenen Studienkredit möglichst schnell zurück zu zahlen. Zum anderen könnte der Student das Geld für ein Auslandssemester nutzen, denn auch das ist bei dem vorgesehenen Stipendienprogramm möglich. Bislang war es für einen Studenten aus wohlhabendem Elternhaus kein Problem, in den Semesterferien ein Praktikum in, sagen wir, Burkina Faso zu machen, für einen Bafög-Studenten schon. Auch das würde sich ändern.

Wer studiert, gehört sowieso schon zur Elite

Dass es sich bei dem Programm der Bundesregierung um Elitenförderung handele, ist ziemlicher Unsinn. Das Gegenteil ist richtig, es würde die Chancengleichheit unter den Studierenden fördern. Denn bei der kritischen Diskussion sollte eines nicht außer Acht gelassen werden: Wer studiert, gehört sowieso schon zu einem erlauchten Kreis und einer geistigen Elite. Dass noch immer viel zu wenige junge Menschen aus sozial schwachen Familien studieren, ist zwar ein ernsthaftes Problem. Doch mit dem Stipendienprogramm hat dieses Problem rein gar nichts zu tun.

Ein Kommentar von Theresa Breuer
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
knilch_59 (23.04.2010, 08:35 Uhr)
@Popobawa
Meine Argumentation ist NICHT hinfällig, weil es ja darum geht, dass das Stipendium das BAFöG kürzen würde.
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Skillet4 (23.04.2010, 03:28 Uhr)
Interessant,
die Diskussion hier.

Was mir an dem Kommentar von Frau Breuer nebenbei auffiel, ist der Begriff

*eine geistige Elite*.

Gibt es demnach also mehrere *geistige Eliten* ?

Und was ist das eigentlich, eine *geistige Elite* ?

Hat der Begriff evtl. mit Standesdünkel oder auch Einbildung zu tun?
Popobawa (22.04.2010, 22:22 Uhr)
@knilch_59
Wow Wikipedia....
"400 Euro-Jobs (sog. Minijobs) sind ohne BAföG-Kürzung möglich."

http://www.studentenwerk-pb.de/fileadmin/inhalt/studienfinanzierung/nebenverdienst.pdf
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Somit ist ihre gesamte Argumentation hinfällig schade das dies keiner mehr lesen wird.
knilch_59 (22.04.2010, 19:40 Uhr)
@popobawa - und wenn Sie es noch so oft schreiben ...
... so wird es doch nicht wahr!
.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesausbildungsf%C3%B6rderungsgesetz#H.C3.B6he_der_Leistungen

1. BAFöG ist eine Sozialleistung, für die "Bedürftigkeit" vorliegen muss
2. Eigenes Einkommen vermindert diese "Bedürftigkeit"
3. Nach allen bekannten Regeln müsste das Stipendium als Einkommen gewertet werden
4. immer dazu betrachtet werden muss, dass ein Teil des BAFöG ohnehin nur als Darlehen gegeben wird
5. Mehr als 684 Euro darf ein auswärtig Untergebrachter Student nicht haben - sonst droht BAFöG-Rückforderungsanspruch
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Fazit: Haupt-Nutznießer des Stipendiumgedankens in dieser Form sind Studenten, die noch bei Mama wohnen und kein BAFöG beantragt haben.
Daneel (22.04.2010, 18:15 Uhr)
Das wahre Problem
Das wahre Problem ist, dass irgendein Student überhaupt Geld braucht. Das Studium sollte weder den Studenten noch seine Familie etwas kosten, Studiengebühren sowieso nicht, aber auch nicht Lebenshaltungskosten. Alles andere ist ungerecht. Punkt.
Popobawa (22.04.2010, 16:18 Uhr)
Wie oft soll ich das noch schreiben?
Bis zu 400 Euro monatlich werden nicht den Bafög angerechnet. Also nochmal die Rechnung, Bafög ca 500 bei Hartz4 Eltern, 180 Kindergeld und 300 Stipendium, macht fast 1000. Das Stipendium fällt unter die 400 Euro die man sich dazu verdienen kann und ich glaube wirklich nicht das sich diese Reglung in zwei Jahren geändert hat.
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Was die Bedarfsgemeinschaft betrifft, das ist wohl selbstverständlich das die Sätze neu berechnet werde müssen, wo soll das den enden Ehepaar in 80m² Wohunng von Steuerzahler finanziert?
rockyciano (22.04.2010, 15:20 Uhr)
Das Vorhaben
wird an der Umsetzung scheitern.Die Hochschulen sind mit sich selbst und ihren Reformen beschäftigt und sollen nun auch noch Sponsoren besorgen bzw. bemühen.

Außerdem sagen Zensuren überhaupt nichts über die Kompetenzen eines Studierenden aus - als bestes Beispiel braucht man nur in den Bundestag schauen nicht wahr?!
Leseratte79 (22.04.2010, 12:38 Uhr)
@Popobawa
Meine Studienzeit liegt nun schon ein paar Jahre zurück, aber ich weiß nicht wie alle auf so horende BaFög Summern kommen. Ich habe Kindergeld bekommen und 68? BaFög. Dazu durfte ich 400? verdienen. Sollte ein Elternteil gut verdienen muss der entweder freiwillig zahlen oder verklagt werden. Das Amt hilft da nicht weiter.
Der Ratschlag mit dem Ausziehen aus dem Elternhaus ist zwar ein guter Tip. Leider werden da die Behörden Eltern die Hartz4 beziehen die Hölle heiß machen. Da die Kinder im regelfall bus zum Studienbeginn einen Hartz4 Anspruche haben dürfen diese unter 25 Jahren gar nicht so einfach ausziehen. Zuerst müssen sie sich vom Amt abmelden (was auch nicht immer so leicht ist) und dann haben die Eltern den schwarzen Peter- die Wohnung ist dann zu groß, usw.
ich verstehe nicht warum erfolgreiche Studenten sich verschulden müssen während Hartz4 Empfänger wenn Sie wieder arbeiten gehen nichts zurückzahlen müssen. Ich habe nichts gegen Bedürftige- aber warum werden die Studenten so gegängelt wenn auf der anderen Seite Menschen Geld bekommen und nur alle 3 Monate der Meldepflicht unterliegen. Darüber sollte die Politik mal nachdenken. Und jetzt bitte nicht über das hohe Akademikergehalt argumentieren. Ich kenne viele die einen guten Abschluß haben und sofort nach dem Studio Hartz4 beantragen mussten oder im Niedriglohnsektor untergekommen sind.
cogito1 (22.04.2010, 12:24 Uhr)
es wäre besser...
...wenn die 300 Millionen statt in Stipendien ins Bafög gesteckt würden. Das würde Kindern gerade aus einkommensschwachen Haushalten mehr helfen doch ein Studium absolvieren zu können. Zumal ich vermute dass die Stipendien in der Mehrheit doch wieder nur an Kinder aus besser betuchten Haushalten vergeben werden würde, alleine schon deshalb, weil Kinder in diesen Familien von Grund auf wesentlich besser gefördert wurden (Geld für Nachhilfe ist ja reichlich vorhanden), wofür andere einkommensschwache Familien einfach nicht das Geld haben. Diese Kinder sind aber sicher nicht dümmer...
knilch_59 (22.04.2010, 12:11 Uhr)
@Popobawa
Die Frage ist, wer die Chance auf diese 1.000 Euro Netto haben soll. Schauen Sie sich zunächst die geltenden BAFöG-Bestimmungen an. Zwar gibt es irgendwas, aber hierzu wird das Einkommen der Eltern, das eigene und sogar Vermögen angerechnet. Für wie Weitergewährung von Kindergeld ähnlich. Wenn man während des Studiums Geld dazu verdient, wird rückwirkend BAFöG gekürzt, Kindergeld zurückgefordert. HIERBEI WÜRDE DAS STIPENDIUM ALS EINKOMMEN GEWERTET!
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Wenn man als Student aus der elterlichen Bedarfsgemeinschaft ausscheidet, werden dort natürlich die Sätze neu berechnet: weniger Wohngeld, weniger Hartz-IV, ... Dafür bekommt ja der Student eigene Leistungen, aus einer Akte werden zwei. Aber das Prinzip der Subsidiarität der Sozialleistungen bleibt, wonach die erst gewährt werden, wenn kein anderer Leistungsträger einspringt. Und solange nicht glasklar formuliert ist, dass das Stipendium KEIN Einkommen im Sinne anderer Leistungsgesetze ist, bleibt das so. Und den maximalen BAFöG-Satz bekommt man eben nur, wenn man keine anderen Einkommen oder Vermögen hat.
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Das führt in der Praxis dann dazu, dass einem Studenten, dem BAFöG bewilligt wurde, zurückzahlen müsste, nicht das Stipendium, aber, teilweise, das BAFöG. Klingt zwar unlogisch, wäre aber unter den derzeitigen Voraussetzungen zwingend so gegeben. Einen echten Mittelzufluss hätten nur Studenten, bei deren Eltern die Günstigkeitsberechnung in der Steuererklärung statt Kindergeld den Kinderfreibetrag in Ansatz bringt UND die kein BAFöG beantragt haben. Oder für die Studenten, die sowieso über ausreichendes eigenes Erwerbseinkommen oder Vermögen verfügen und die deshalb kein BAFöG bekommen. Wer mag das wohl sein?
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Wenn man den besonders Guten unter denen jetzt 300 Euro monatlich zusätzlich geben will, ist das ja in Ordnung. Aber eine Sozialleistung ist das dann sicherlich nicht, und im Sinne einer Elitenförderung fördert man nur die Studenten, deren Eltern auch schon zur Elite gehört haben. Ist es das, was man will?
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Als Problem wurde eingangs dargestellt, dass viele Begabte heute deshalb nicht studieren, weil sie es sich finanziell nicht leisten können. Für den Großteil dieser jungen Leute würde diese Form der Förderung explizit das Problem nicht lösen!
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