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"Niggemeier hat ideologische Scheuklappen"

Der Medienblogger Stefan Niggemeier kritisiert eine Forsa-Umfrage des stern: Die Erhebung sei manipulativ, weil es nicht hinreichend Antwortmöglichkeiten gegeben habe. Ein Interview mit Forsa-Chef Manfred Güllner.

Von Werner Mathes

Forsa-Umfrage zu Angela Merkels Griechenland-Poltik stößt auf Kritik

Die Forsa-Umfrage zu Angela Merkels Griechenland-Poltik stößt auf Kritik. Der Chef des Instituts Manfred Güllner dementiert die Vorwürfe

Herr Professor Güllner, Sie haben am Montag, nachdem sich die EU mit Griechenland geeinigt hatte, für den stern eine repräsentative Umfrage gemacht. Die Frage lautete: Hat sich Kanzlerin Angela Merkel alles in allem richtig verhalten oder hätte sie Griechenland zu einem Ausstieg aus dem Euro zwingen sollen? Der Medienjournalist Stefan Niggemeier moniert in seinem Blog, die Befragten hätten zu wenige Alternativen bei der Antwort gehabt. Hat er recht?

Nein. Wir haben genau das gefragt, was die Alternativen für Merkel in Brüssel waren - nämlich alles dafür zu tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten oder Griechenland hinauszudrängen. Das kann man nicht fachlich kritisieren, wenn es einem ideologisch nicht gefällt. Merkels Vorgehen wird von den Bundesbürgern mehrheitlich gebilligt, ob es nun Herrn Niggemeier gefällt oder nicht.

Niggemeier argumentiert: Wenn sich sehr viele Grünen-Anhänger - nämlich mit 75 Prozent - für die Antwort entscheiden, dass Merkel gut verhandelt habe, könne das auch nur bedeuten, dass sehr viele gegen einen erzwungenen "Grexit" sind.

Wir erfinden keine Zahlen, sondern referieren, was die Menschen sagen. Warum soll es nicht plausibel sein, dass auch viele Anhänger der Grünen Merkels Verhandlungsführung für richtig gehalten haben? Merkel hat gerade bei weiblichen Grünen-Wählern eine hohe Reputation, was man auch an der hohen Zustimmung der Grünen-Anhänger zu Merkel bei der Kanzlerpräferenz im stern-RTL-Wahltrend sehen kann. Das muss man zur Kenntnis nehmen. Außerdem: Wenn die Grünen am Freitag im Bundestag über das neue Hilfspaket abstimmen, haben sie auch nur ein Ja oder ein Nein und keine Alternative, abgesehen von einer Enthaltung - aber die gab es auch in unserer Umfrage.

Schon die Formulierung der beiden Antwortmöglichkeiten sei unseriös und manipulativ, kritisiert Medienblogger Niggemeier. Können Sie das nachvollziehen?

Nein. Der Leiter unserer Politikforschung und ich hatten uns mal einen halben Tag Zeit genommen, um Herrn Niggemeier das Einmaleins der Umfrageforschung nahezubringen - wir haben es aufgeben, weil wir an seiner ideologischen Verbohrtheit und Ignoranz gescheitert sind. Er geht offenbar mit ideologischen Scheuklappen durch die Welt, und das ist das Gegenteil von Journalismus. Was in Brüssel an Handlungsalternativen vorhanden war, haben wir abgefragt. Wenn die Befragten mit einer Fragestellung nicht einverstanden sind, sagen sie uns das in der Regel - das war hier nicht der Fall. Wenn Herr Niggemeier sich schon mit der Meinungsforschung beschäftigen will, sollte er sich mit den schwarzen Schafen in der Branche beschäftigen - aber nicht mit dem Institut, das bei den letzten vier Bundestagswahlen die präzisesten Prognosen hatte und damit seine methodische Qualität nachhaltig unter Beweis stellen konnte.

Kommentare (3)

  • Wahlstatistiker
    Wahlstatistiker
    @Alfred: Interessanter Link! Nach den Plätzen 1, 3, 7 & 10 gab es für Forsa bei der Bundestagswahl davor sogar nur Rang 8/8. Immerhin da hat Güllner eingesehen, dass Forsa nicht die "präziseste Prognose" abgegeben hat. Komisch. Dabei ist doch 8 zwei Plätze besser als 10 ;-)
  • derherrnick
    derherrnick
    Dass jemand wie Güllner anderen ideologische Scheuklappen vorwirft, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der gute Mann hält ja auch ernsthaft die Grünen für eine diktatorische Gefahr für "den zweiten Versuch, die Demokratie in Deutschland dauerhaft zu etablieren". Man kann von den Grünen ja halten was man will - aber ein bisschen lala ist das schon.
    http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/forsa-chef-guellner-gruene-gefaehrden-die-demokratie-a-857375.html
  • AlfredG
    AlfredG
    "bei den letzten vier Bundestagswahlen die präzisesten Prognosen"

    Von welcher Bundesrepublik sprechen Sie? Deutschland kann es ja wohl nicht sein.

    Bundestagswahl 2013 - Platz 1 - ok stimmt
    Bundestagswahl 2009 - Platz 3 - naja fast
    Bundestagswahl 2005 - Platz 7 - leicht daneben
    Bundestagswahl 2002 - Platz 10 - zweiter von hinten

    Siehe: http://www.wahlabsicht.de/leseprobe.pdf
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