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25. Mai 2011, 08:23 Uhr

"Kommt zu uns, Genossen!"

Die Linkspartei und die SPD: ein schwieriges Verhältnis. Sigmar Gabriel geht jetzt auf die Linke zu und bietet Reformern in der Partei die SPD-Aufnahme an. Der stern traf den Chef-Genossen zum Gespräch mit dem Linken Dietmar Bartsch. Es gab jede Menge Komplimente.

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Sigmar Gabriel fordert: Resozialisierung für ehemalige SED-Mitglieder© Wolfgang Kumm/DPA

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bietet reformorientierten Politikern und Mitgliedern der Linkspartei die Aufnahme bei den Sozialdemokraten. "Kommt zu uns, Genossen! Herzlich willkommen in der SPD!", sagte Gabriel in einem Gespräch mit dem Fraktionsvize der Linken, Dietmar Bartsch, für die neue, am Donnerstag erscheinende Ausgabe des Hamburger Magazins stern.

Eine frühere SED-Mitgliedschaft soll laut Gabriel kein Hinderungsgrund mehr sein. "Ich wünsche mir, dass wir nicht jedem Straftäter mehr Resozialisierungschancen geben als jemandem, der mal in der SED war", sagte er. In der Linkspartei sähen viele mit Entsetzen, was in ihrer Partei passiere. "Jeder von denen", fuhr Gabriel fort, "die eine Mitte-Links-Politik wollen, die gestalten und den schwarz-gelben Spuk beenden möchten, findet in der Sozialdemokratie eine Heimat." Es gebe Leute in der Linkspartei, die sich im Irrtum befänden, falls sie zur SPD kommen wollten – etwa solche, die Joachim Gauck nicht zum Bundespräsidenten gewählt hätten, weil er Chef der Stasi-Behörde war. "Aber es gibt einen anderen Teil der Linkspartei, bei denen die Unterschiede zu uns inzwischen überschaubar sind – vielleicht schon immer waren", sagt Gabriel im stern. "Ich würde dann nicht zuerst fragen: Hast du dich schon 33 mal von deiner Biografie distanziert?" Der SPD-Vorsitzende korrigierte damit die vor zwei Jahrzehnten getroffene Entscheidung seiner Partei, früheren SED-Mitgliedern den Wechsel zur SPD zu verweigern.

Ein Angebot von Ämtern und Mandaten für übertrittswillige Politiker lehnte Gabriel in dem stern-Gespräch jedoch ab. "Ich möchte niemanden kaufen", sagte er. "Wir machen keine Ablöseverhandlungen wie im Fußball." Jeder könne aber in der SPD etwas werden. Der frühere FDP-Generalsekretär Günter Verheugen zum Beispiel sei Bundesgeschäftsführer der SPD geworden, der Ex-Grüne Otto Schily Bundesinnenminister. Dietmar Bartsch könne "schon morgen" in die SPD wechseln. "Er ist ein Ausnahmetalent in der deutschen Politik und wird in den inneren Kämpfen seiner Partei einfach verschwendet." Auch für eine Rückkehr des Co-Vorsitzenden der Linken, Klaus Ernst, in die SPD zeigte sich Gabriel offen. "Der Werdegang von Klaus Ernst ist der eines engagierten Gewerkschafters, der sich in die Linkspartei verirrt hat." Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine hingegen werde vermutlich gar nicht erst auf die Idee kommen zurückzukehren. Gabriel fügte hinzu: "Und das ist auch gut."

Bartsch reagierte auf das Aufnahmeangebot Gabriels verhalten: "Um mich dorthin zu kriegen, müsste die Linke sich so entwickeln, dass sie nicht mehr meine Partei wäre." Auf den kommenden beiden Parteitagen werde sie sich "fangen und finden". Bartsch betonte in dem stern-Gespräch aber: "Meine Gegner sind die CDU/CSU und die FDP, nicht die SPD. Das ist bei uns in der Tat umstritten. Die Linke darf keine Partei sein, die vor allem aus der Abgrenzung zur SPD ihre Existenzberechtigung ableitet." Seine Partei solle vielmehr mit der SPD strategisch auf ein Mitte-Links-Bündnis hinarbeiten.

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