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10. Dezember 2008, 12:24 Uhr

Westerwelle droht Schwulen-Hassern

2009 will Guido Westerwelle an die Macht - am liebsten mit der CDU, zur Not auch anders. Im stern-Gespräch bewirbt er sich für das Amt des Außenministers - und droht Staaten, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandeln oder Homosexuelle hinrichten. Von Axel Vornbäumen

Zoom
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Öfter glücklich: FDP-Chef Guido Westerwelle© Ralph Orlowski/Getty Images

Sollte seine Partei 2009 nach elfjähriger Oppositionszeit wieder an die Regierung kommen, peilt FDP-Chef Guido Westerwelle den Posten des Außenministers an. "Wenn ich mir ein solches Amt nicht zutrauen würde, hätte ich nicht Vorsitzender der FDP werden dürfen," sagte er in einem Gespräch mit dem stern. Westerwelle wäre der erste bekennende Schwule, der das Außenamt leiten würde. Ein Hindernis sieht der FDP-Chef darin nicht: "Die ganz große Mehrheit der Bevölkerung hat überhaupt kein Problem mit meinem Privatleben. Es würde unserer Außenpolitik übrigens gut anstehen, wenn sie diesen Geist der deutschen Toleranz in andere Länder tragen würde".

Im stern-Interview sprach Westerwelle sich explizit dafür aus, jenen Staaten die Entwicklungshilfe zu streichen, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelten "oder wo Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind". Deutsche Außen- und Entwicklungspolitik müsse "immer auch die Vermittlung von freiheitlichen Werten sein".

Gnade mit Fischer

Westerwelle warf der Bundesregierung vor, das Thema Abrüstung zu vernachlässigen. Durch die geplante Raketenstationierung der USA in Polen und Tschechien sei "die Gefahr der Aufrüstungsspirale unmittelbar vor unserer Haustür" sehr groß geworden. Es sei ein Versäumnis, dass der vom designierten US-Präsidenten Barack Obama geäußerte Wunsch nach eine nuklearwaffen-freien Welt von der Bundesregierung nicht aufgegriffen und in eine deutsche oder europäische Initiative umgesetzt worden sei. Der FDP-Chef ließ in dem stern-Gespräch auch durchblicken, dass er die Rolle des früheren Außenministers Joschka Fischer im Nachhinein weit positiver sehe, als er das noch zu dessen Amtszeit zugegeben habe. Fischer habe "schon Verdienste: Die Raubauzigkeit, mit der Gerhard Schröder international aufgetreten ist, hätte zu sehr viel größeren Problemen für Deutschland geführt, hätte Außenminister Fischer sie nicht geglättet. Auch das erkenne ich an."

Westerwelle machte klar, dass er auch im Falle einer Wahlniederlage in der Politik bleiben werde. Er sei ein "Alphatier," habe klare Werte und eine Leidenschaft fürs Gestalten und Führen. Er hege keinerlei Ausstiegsfantasien - "was soll ich auf einem fetten Motorrad wochenlang in der Wüste?" Und auch das Alter schrecke ihn nicht - "dazu bin ich noch nicht nah genug dran".

Kinder und Melancholie

Beim Gespräch in seinem Abgeordnetenbüro in Berlin-Mitte bezeichnete sich Westerwelle als "zufriedenen - und sogar öfter als man es verlangen darf - glücklichen Menschen." Schade sei allerdings, dass es sich für ihn nicht ergeben habe, Kinder zu haben. "Wenn ich sehe, wie viel Glück mit Kindern verbunden ist, kann ich manchmal schon melancholisch werden, ja."

Das gesamte Interview

Das gesamte Interview ... mit FDP-Chef Guido Westerwelle lesen Sie im neuen stern

Von Axel Vornbäumen
KOMMENTARE (10 von 30)
 
utospatz (11.12.2008, 21:13 Uhr)
Mit den Liberalen hab ich
eigentlich nix am Hut.
Nur wenn sie es nicht mehr gibt, ist's auch nicht gut.
Als ich 1954 auf einen Ausbildungsplatz gewartet, hat mein verstorbener Pappa seine Freunde dann gestartet! Dank seiner Freunde hab ich dann 1956 schon, eine Ausbildung zum maschinenbauer erhalten!
Der erste Lehrspruch meines damaligen Lehrmeisters war:" Dort wo deine Nasenspitze aufhört, fängt das Leben deines Nachbarn an! Ich habe danach niemals versucht, bei der Maisernte meine 2 Kaltblütler auf sein Grundstück zu lenken.!
Sternenzeit (11.12.2008, 07:33 Uhr)
Genau...
@Amylou
Halten Sie mal schön an ihren Frauen-und Schwulenrechten fest. Und an ihrer Hoffnung; die bekanntlich ja zuletzt stirbt. Warum nicht, ist ja vielleicht auch einfacher. Schwarz und Weiß sehen ja auch ganz nett aus. Ein Kommentar zum nachdenken und "flapsig" spare ich mir, ist mir die Zeit nicht wert!
"....laufen Sie, laufen Sie!"
Einen schönen Tag noch.
Amylou (10.12.2008, 22:45 Uhr)
Frauenrechte sind Menschenrechte
@ Sternenzeit
Ihre Bemerkung z. "Rattenfänger" kann ich nicht nachvollziehen, sie ist mir einfach zu flapsig.
Ich hoffe auf sein Engagement für Schwulen- und Frauenrechte, ob mit oder ohne das Amt eines Außenministers.
Salzsteuer (10.12.2008, 21:29 Uhr)
Die Idee mit der Monarchie
finde ich gar nicht so schlecht.
Schlimmer als manch einer unserer Politiker kann ein x-beliebiger Adelsspross auch nicht sein.
Sternenzeit (10.12.2008, 18:06 Uhr)
Bitte nachdenken!
@Amylou
Rechte sind "grund"sätzlich wichtig und richtig. Egal für welche Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Sommer, Winter, 10, grün, blau usw...!! Aber eine Bemerkung sei erlaubt: Wenn Sie dafür diesen Rattenfänger brauchen, tut es mir leid!! Sorry....
Amylou (10.12.2008, 17:42 Uhr)
Ja zu Guido Westerwelles Vorschlag
@ Halodri73
Ihr Hinweis, das "Argument FRAUENRECHTE ist albern, in vielen Ländern geht es erstmal um Menschenrechte" - was soll denn das?
Sind Frauen keine Menschen? Haben Frauen keine Rechte?
Von mir ein klares Ja zum Vorschlag von Guido Westerwelle.
Wie weit in der Bevölkerung Homophobie verbreitet ist und wie zweitrangig heute noch Frauenrechte betrachtet werden, zeigen mir die vielen Kommentare auch in anderen Foren. Darüber bin ich entsetzt. Das sind zwei Tatsachen, die sich gegen Menschenrechte richten.
SethusCalvisius (10.12.2008, 17:25 Uhr)
@globalhumanist
"Wie um alles in der Welt, kommt dieser ... denn darauf, daß er in der zukünftigen bundesrepublikanischen Politik etwas zu sagen haben könnte??"
Das kann ich Ihnen sagen. Weil er nämlich mit ziemlicher Sicherheit 2009 mit Merkel die Regierung bilden wird. Diese Vorstellung ist zwar für die meisten von uns ein Horrorszenario, trotzdem deuten die Umfragen daruf hin. Man könnte tatsächlich an der Demokratie zweifeln.
An alle, die hier Toleranz fordern für Länder, in denen Frauen unterdrückt und Schwule hingerichtet werden: Habt Ihr sie noch alle?
sedanon (10.12.2008, 16:02 Uhr)
Bitte, bitte wieder die Monarchie einführen !
Dann bleibt uns wenigstens das Schaulaufen dieser geschmierten und gekauften Schlappschwänze erspart.
nightmare_online (10.12.2008, 15:44 Uhr)
@whismerh2
Die Entwicklungshilfe für China wird in 2009 eingestellt.
http://www.tagesschau.de/inland/china486.html
Aber nochmal: Entwicklungshilfe in erster Linie der Einflussnahme. In zweiter Linie profitieren deutsche Unternehmen. Und dann - vielleicht - kommt das Nehmerland. Da wird - ich betone es nochmal - keine Überweisung an das Nehmerland getätigt.
Was die Lage hier in D angeht: Es ist traditionelles Ziel der Neoliberalen in den letzten 3 Jahrzehnten, Deutschland zum Billiglohnland zu machen, und die Unterschicht zu "entsorgen". In Teilen ist das gelungen. Kaufkraft-technisch liegen wir altuell auf Platz 10 oder 11 in Europa. Praktisch die gesamte "alte" EU ausser Südeuropa liegt vor uns.
Daraus aber einen Gegensatz zu Entwicklungshilfe zu konstruieren ist IMHO albern. Entwicklungshilfe ist im Bundeshaushalt Peanuts.
walhalla (10.12.2008, 15:40 Uhr)
Mein Gott,
ist der hässlich.
Eines fernen Tages brauchen wir keine Parteien mehr, die das Konzept der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wählbar machen. Dann herrschen die Konzerne selbst.Bis dahin gibt es aber noch ein wenig Zeit, und schwule Menschenhasser wie Herrn Westerwelle.
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