28. Juli 2012, 15:30 Uhr

Polizei findet neue DNA im Fall Barschel

Uwe Barschels Tod liegt fast 25 Jahre zurück, doch eine Frage ist noch immer nicht geklärt: War es Mord oder Selbstmord? Nun gibt es eine neue Spur, die eine Antwort bringen könnte.

Uwe Barschel, Tod, Mord, DNA, Spuren

Der CDU-Politiker Uwe Barschel (Archivbild von 1987) wurde tot in einem Genfer Hotelzimmer gefunden. Die Umstände seines Todes sind bis heute mysteriös©

Überraschung im Fall Uwe Barschel: Fast 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod des CDU-Politikers in einem Genfer Hotelzimmer haben Spezialisten des Kieler Landeskriminalamts den genetischen Fingerabdruck eines Unbekannten entdeckt. Dies sagte der frühere schleswig-holsteinische CDU-Landtagsabgeordnete Werner Kalinka - er hatte die Untersuchung angeregt - und bestätigte damit einen Bericht der "Welt am Sonntag".

Danach haben die Ermittler DNA-Rückstände einer fremden Person an Kleidungsstücken sichergestellt, die der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in der Nacht seines Todes im Genfer Hotel Beau Rivage trug. Kalinka forderte die Staatsanwaltschaft Lübeck auf, die bereits 1998 eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen. Diese hatte damals in ihrem Abschlussbericht erklärt, es gebe derzeit keine Perspektive für weitere Untersuchungen, könne aber jederzeit wieder ermitteln. Die Anklagebehörde war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mord oder Selbstmord - bis heute ungeklärt

Barschel war am 11. Oktober 1987 nach seinem durch einen politischen Skandal erzwungenen Rücktritt in dem Hotel tot in der Badewanne von Zimmer 317 gefunden worden. Ob es Mord oder Selbstmord war, konnte bis heute nicht geklärt werden. Das genetische Material des Unbekannten ist dem Zeitungsbericht zufolge noch gut genug erhalten, um es mit möglichen Verdächtigen vergleichen zu können. Ein und dieselbe Person habe ihre Spuren auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte des Toten sowie auf dem Handtuch des Hotelzimmers hinterlassen.

Kalinka sagte dem Blatt, durch die Funde habe sich der Verdacht erhärtet, dass Barschel ermordet worden sei. "Die Staatsanwaltschaft Lübeck ist nun nachdrücklich aufgefordert, die Ermittlungen wieder aufzunehmen." In den vergangenen Jahrzehnten sei die Arbeit der Staatsanwaltschaft Lübeck "alles andere als ruhmvoll" gewesen. "Es drängt sich geradezu die Frage auf, ob an bestimmten Ermittlungen kein oder nur wenig Interesse besteht."

Noch im vergangenen Jahr hatte die Generalstaatsanwaltschaft nach einer Strafanzeige von Barschels Witwe Freya wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt die Kieler Anklagebehörde mit einer Untersuchung beauftragt. In der Anzeige gegen Unbekannt ging es um ein fremdes Haar aus Barschels Genfer Hotelbett, das bei der Staatsanwaltschaft Lübeck verschwunden war.

tkr/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Fall Barschel Dubioser Umgang mit Beweismitteln

Im Fall Barschel ist der frühere Chefermittler wegen seines Umganges mit Beweismitteln heftig in die Kritik geraten. Beweisstücke sind offenbar gegen geltende Vorschriften aufbewahrt worden, ein Buch aus dem Hotelzimmer des gestorbenen CDU-Politikers hatte der Ermittler einfach mit nach Hause genommen.

Uwe Barschel Haar-Analyse könnte Todesumstände klären

Seit über zwei Jahrzehnten wird über den Tod von Uwe Barschel spekuliert. Die DNA-Analyse eines Haares könnte ein entscheidender Hinweis sein, ob sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident selbst das Leben nahm oder ermordet wurde.

Uwe Barschel Neue Erkenntnisse durch alte Beweisstücke?

Die Staatsanwaltschaft Lübeck lässt Kleidung und einen Badvorleger des früheren Kieler Regierungschefs Barschel auf DNA-Spuren überprüfen. Die Behörde ist aber skeptisch, ob das 24 Jahre nach dem mysteriösen Tod Aufklärung bringt.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?