. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. Februar 2012, 14:04 Uhr

Wulffs letzter Akt

Keine vier Minuten dauerte Wulffs Abschiedsrede, es war ein letzter Versuch der Selbstrechtfertigung. Doch zurück bleibt nur ein Trümmerfeld. Von Lutz Kinkel

Wulff, Rücktritt, Bellevue, Angela, Merkel, CDU, Bundespräsident, Nachfolger

Persönliche Tragödie: Christian Wulff erklärt auf Schloss Bellevue seinen Rücktritt als Bundespräsident© Maurizio Gambarini/DPA

Keine Atempause. Geschichte wird gemacht. 11 Uhr Pressekonferenz im Bundespräsidialamt, 11.30 Uhr Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Als diese Taktung am Freitagvormittag bekannt wurde, war klar, was passieren würde: Christian Wulff tritt nach nur 597 Tagen im Amt des Bundespräsidenten zurück. Aus. Vorbei. Angela Merkel muss personalpolitisch mal wieder die Reset-Taste drücken. Es ist auch ein Debakel für die schwarz-gelbe Bundesregierung.

Christian Wulff betritt den Großen Saal in Bellevue durch die rechte, weiße Flügeltür, neben ihm Gattin Bettina im klassischen schwarzen Kostüm, schon an Wulffs Gang ist zu erkennen, dass etwas in ihm zerbrochen ist. Mit versteinerter Miene hält er eine kurze Rede, weniger als vier Minuten lang. Es ist eine Art Vermächtnis, ein Zuruf an die Historiker, eine letzte Selbstrechtfertigung.

Fallhöhe maximiert

Drei zentrale Elemente enthält diese Rede. Es ist die Aufzählung der politischen Botschaften, mit denen Wulff seine Amtszeit verknüpft sehen will: Integration, Zusammenhalt, Engagement. Es ist die Schuldzuweisung an die Medien, von denen er sich verfolgt und verletzt fühlt. Und es ist Proklamation der eigenen Unschuld, der vermeintliche Gewissheit, nichts Unrechtes getan zu haben. Während ihr Mann am Pult redet, steht Bettina frei im Raum, die Hände hinter dem Rücken, sie versucht ein Lächeln.

Für Wulff persönlich ist dieser Tag eine Tragödie, er hat als Politiker das höchste Amt erklommen - und doch nur seine Fallhöhe maximiert. Er wird in die Geschichte eingehen als der Bundespräsident mit der kürzesten Amtszeit, der Einzige, gegen den bisher staatsanwaltschaftlich ermittelt wurde, ein Fehlgriff und Ausrutscher in der Ahnengalerie, in der solche Namen wie Theodor Heuss und Richard von Weizsäcker glänzen. Alle Vergünstigungen, die Wulff jemals eingestrichen hat, wiegen nicht den persönlichen Schaden auf, den er davongetragen hat. Die Schmach, das politische Aus und die horrenden Anwaltskosten, die inzwischen mehr als 100.000 Euro betragen dürften.

Dröhnendes Echo

Am Gesicht Angela Merkels, die nur rund 20 Minuten später im Kanzleramt spricht, ist auch der politische Schaden zu erkennen, den Wulff hinterlassen hat. Geduckt und gepanzert wie eine Schildkröte steht Merkel vor der blauen Medienwand, ihre Augen sind klein und gerötet, viel Schlaf kann sie in der Nacht nicht bekommen haben. Regungslos liest sie ihre Erklärung vom Blatt, Nachfragen sind nicht zugelassen, sie muss nun nach vorne schauen und einen Nachfolger suchen, der auch das Vertrauen der Opposition genießt. Wulff war ihr Kandidat, sein Rücktritt ist auch ihre Niederlage.

Die Wahl des nächsten Präsidenten wird schon bald erledigt sein, das Gesetz lässt dafür nur 30 Tage Zeit. Dafür vererbt Wulff eine Debatte, die noch lange nachhalten wird: Wie viel Nähe zwischen Politik und Wirtschaft muss, wie viel darf sein? Wollen wir die gesponserte Republik? Wer schafft wieder Vertrauen in die Demokratie, in ihre Institutionen? Angela Merkel wird in ihrem Bürgerdialog das Echo auf Wulff hören.

Von Lutz Kinkel
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Karneval reagiert auf Rücktritt Wulff "K.o." statt "angeschlagen"

Schnell reagiert: Auf dem Mainzer Karneval wird Christian Wulff K.o. gehen - und nicht mehr nur als angeschlagener Politiker in den Seilen hängen. Auf den Rücktritt des Bundespräsidenten sei man bereits vorbereitet gewesen, verrät der Mainzer Wagenbauer. mehr...

Die Krise des Bundespräsidenten Aus.

Deutschland hat keinen Bundespräsidenten mehr. Mit seinem Schweigen hat sich Christian Wulff selbst isoliert und zerstört. Ein Abschied in Melancholie. mehr...

Reaktionen zur Wulff-Affäre "Ich glaube, das war's"

Christian Wulffs Rückhalt schwindet: Auch aus den eigenen Reihen werden nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover die ersten Abgesänge laut. Die Opposition fordert jetzt offen den Rücktritt des Bundespräsidenten. mehr...

Bundespräsident Wulff Der lange Weg zum Rücktritt

Kredite mit Geschmäckle, kostenlose Urlaube bei Freunden und ein Polter-Anruf bei der "Bild": Bundespräsident Christian Wulff blieb so lange im Amt, bis die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität beantragte. Dann trat er zurück. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe