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2. Juni 2010, 21:26 Uhr

Mit aller Kraft gegen Rüttgers

Die CDU in NRW will unbedingt eine Große Koalition, es ist ihre einzige Chance, an der Macht zu bleiben. Doch Hannelore Kraft, die starke SPD-Frontfrau, hält auch nach der dritten Sondierungsrunde Abstand - vor allem von Jürgen Rüttgers.

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Sieht nicht so aus, dass Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers noch zu einander finden© Volker Hartmann/DDP

Der Poker um die Macht in Nordrhein-Westfalen ist auch dreieinhalb Wochen nach der Landtagswahl weiter offen. CDU und SPD konnten sich auch bei ihrer dritten Sondierungsrunde am Mittwoch in Düsseldorf nicht dazu entscheiden, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. Die Sozialdemokraten wollen nach den Worten ihrer Verhandlungsführerin Hannelore Kraft zunächst mit Grünen und FDP die Möglichkeit einer Ampelkoalition ausloten. Im Anschluss werde die Landes-SPD ihrer Basis die Ergebnisse der Sondierungsgespräche vorstellen.

Kraft sagte, in den Gesprächen mit der CDU sei zwar deren Versuch erkennbar geworden, "zu einem neuen Miteinander zu kommen". In vielen Bereichen habe die CDU aber "Klarstellungen vermissen lassen". Zudem sei die CDU zu einem personellen Neuanfang "derzeit nicht bereit". Heißt: Sie hält an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers fest.

Knackpunkt Schulpolitik

Insbesondere bei der Schulpolitik scheint eine Einigung schwierig. Kraft sagte, bei der Frage nach längerem gemeinsamen Lernen gebe es keine einheitliche Linie. Auch CDU-Verhandlungsführer Rüttgers sprach von vielen Fragen rund um das Schulsystem. Seiner Einschätzung nach gibt es jedoch "eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten". Seine Partei sei bereit, bei der Schulpolitik auf die SPD zuzugehen.

Der CDU-Landeschef bekräftigte nach den insgesamt 14-stündigen Gesprächen mit der SPD, zur Bildung einer stabilen Regierung müssten die beiden großen Parteien aufeinander zugehen. Bei der Sondierung sei feststellbar gewesen, "dass wir nicht nur ein Minimum an Gemeinsamkeiten haben". Vielmehr seien alle Voraussetzungen erfüllt, dass Koalitionsverhandlungen "erfolgreich abgeschlossen werden können".

Rüttgers will Regierungschef bleiben

"Wir sind sicher, dass mit einem guten Willen es möglich ist, ein attraktives Zukunftsprogramm für Nordrhein-Westfalen gemeinsam zu entwickeln", sagte Rüttgers. "Man wird jetzt abwarten müssen, wie die weiteren Gespräche, die Frau Kraft führen wird, ablaufen." Die CDU werde "gegebenenfalls zu weiteren Gesprächen natürlich zur Verfügung" stehen.

Rüttgers betonte, als stärkste Partei habe die CDU den Anspruch, den Regierungschef zu stellen. Außerdem mache jede Partei ihre Personalvorschläge selbst. CDU und SPD haben im Landtag jeweils 67 Mandate, die CDU ist mit einem Vorsprung von knapp 6000 Stimmen stärkste Partei.

Grüne bereit zu schnellen Ampel-Gesprächen

Die Grünen bekräftigten derweil ihre Bereitschaft für zeitnahe Gespräche mit SPD und FDP. Aus Sicht ihrer Partei "sollte das unkompliziert zustande kommen", sagte die Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann im WDR. Als große inhaltliche Probleme zwischen Grünen und FDP nannte Löhrmann die Bildungspolitik und die schwierige Finanzlage der Kommunen. "Und da kenne ich überhaupt nicht die Position, wie die FDP den Kommunen helfen will."

Den Weg für Ampelgespräche in NRW hatte zu Wochenbeginn der FDP-Landesvorstand durch einen Beschluss frei gemacht. Darin zeigen sich die Liberalen auch offen für Sondierungsgespräche über eine sogenannte Jamaika-Koalition gemeinsam mit CDU und Grünen. Ein solches Bündnis schlossen die Grünen aber erneut aus. "Wir haben das vor der Wahl sehr klar ausgeschlossen als Grüne, und dabei bleibt es auch, weil wir nicht einer abgewählten Regierung sozusagen weiterhin zur Macht verhelfen", sagte Löhrmann. Bei der Landtagswahl am 9. Mai hatte das bisherige Regierungsbündnis aus CDU und FDP seine Mehrheit verloren.

joe/AFP/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
leobissinger (03.06.2010, 17:19 Uhr)
...der ehemalige Ministerpräsident ...
...hat federnführend das bachelor-master system in deutschland eingerührt. Vegesst ihm das nicht.
Johann58 (03.06.2010, 12:30 Uhr)
Die FDP ist nicht sauer
auf die CDU, die FDP hat Schiss! Die FDP hat aus der Opposition heraus 15% in Berlin erreicht, aber durch ihre Regierungsarbeit davon wohl fast alles bis auf laecherliche 3% wieder verloren. im bevoelkerungsreichsten Bundesland jetzt wieder auf der Oppositionsbank zu landen wird fuer die FDP bedeuten in der Bedeutungslosigkeit zu landen.
tannebaum (03.06.2010, 11:26 Uhr)
ampel ist krafts chance...
ansonsten ist es vorbei mit dem traum des amtes. daher wird sie alles dransetzen und auch kröten schlucken... jede menge sogar!!!

und natürlich ist die fdp sauer, denn merkel sitzt alles aus und antwortet nicht. das die regierung so begonnen hat, liegt ja auch sehr an ihrer nichtsmacherei... was im wahlkampf und auf parteitagen versprochen wurde, dass hat sie plötzlich gestoppt, weggewischt oder behauptet gar das gegenteil.
Bitte-sachlich (03.06.2010, 10:12 Uhr)
Die FDP muss ganz schön sauer auf die CDU ...
... sein, wenn sie jetzt doch über die Ampel verhandelt. Und ich habe keinen Zweifel, dass Kraft jetzt mit aller Kraft darauf hinarbeitet :)) Ich tippe auf die Ampel.
brigitteramsau (03.06.2010, 07:13 Uhr)
"Starke SPD Front-Frau".
...ach ja.
Papayu (03.06.2010, 03:07 Uhr)
Die Frommen
ueberall sind sie vertreten und muessen die Meinungsfreiheit einschraenken. Eine Zeitlang war ich gezwungen die "Deutsche Welle"
als Information einzuschalten. Der Oberste ist ja so was von scheinheilig, wirbt andauernd fuer die CDU. Der sollte sich zum Pabst waehlen lassen. Dessen Besuch in D mjusste ich den lieben langen Tag ansehen. Aber es gibt ja keine freien
TVSender mehr, ueberall nur schwarze
Jetzt hat es wieder einen Scheinheiligen erwischt. Stichwort Freiburg.
Gruesse an Herrn Bettermann!
n8g8 (03.06.2010, 01:27 Uhr)
@Rocky:
Meinte natürlich Sie bzgl. dem Hinweis zum Artikel zur Süddeutschen. Sorry.
n8g8 (03.06.2010, 01:22 Uhr)
@Prolog:
Herzlichen Dank, den hab ich überlesen. :-)
Hat der Bellut überhaupt was im Freyen Zeitalter zu melden? Ich befürchte nicht. Vermutlich wird er eher in den Freyen Beichtstuhl beordert. Naja, was solls!
Ich kann den Schramm einerseits verstehen, dass er sich nicht weiter für den fernsehbeiratsgesteuerten Mainstream instumentalisieren lassen will. Und andererseits tut mir der Priol herzlich leid, denn der ist auch verdammt gut und auch zuweilen treffend kritisch.
Nur: Wenn für den Bürger die politische Welt inzwischen zum reinen Kabarett geworden ist, kann das Kabarett diesen Zustand kaum mehr übertreffen.
Das einzige, was Kabarett bei diesen Verhältnissen noch leisten kann, ist, dem Volk eine amüsante Schlaftablette zu überreichen.
Nur wird sich mit diesem medikamentösen Job kein echter Kabarettist zufrieden geben, es sei denn, er kassiert als angepasster fette Kohle wie z.B. Jonas etc.
Georg Kreisler hat schon vor zig Jahren gesungen: Das Kabarett ist tot!
Und Recht hat er.
Damals und heute.
rockyciano (03.06.2010, 01:04 Uhr)
@n8g8
Dazu ein Artikel in der süddeutschen vom 28.05.2010:Ich bin ein pathologischer Optimist.
n8g8 (03.06.2010, 01:01 Uhr)
Winseln
Hoffen wir mal allesamt, dass nicht nur die CDU sondern auch die SPD rapide schwindet.
Denn es muss gelten:
Verantwortung, wem Verantwortung für den demokratischen Verfall gebührt!
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