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Jetzt kann jeder den Everest besteigen

Sensation am höchsten Berg der Erde: Kletterern gelang die vollständige Dokumention der klassischen Südroute mit einer 360°-Kamera vom Basislager bis zum Gipfel des Mount Everest – ein Meilenstein des virtuellen Bergsteigens.

Baislager des Mount Everest

Everest Base Camp

Die Zeltstadt auf dem Geröll des Khumbu-Gletschers ist das Ziel Tausender Trekking-Touristen und der Ausgangspunkt für alle Bergsteiger, die von Nepal aus den Gipfel ersteigen möchten. Die durch das Erdbeben im April 2015 ausgelöste Lawinen zerstörten weite Teile des Basislagers – 18 Menschen kamen hier ums Leben.

Nach dem schweren Erbeben der Stärke 7,8, das Nepal im April 2015 erschütterte, war auch die Besteigung über die Südroute des für ein Jahr untersagt worden. Dort hatten die durch das Beben ausgelösten Lawinen das Basislager unter sich begraben.

Erst für das Frühjahr 2016 wurden von den nepalesischen Behörden wieder Expeditionen auf das Dach der Welt erlaubt. Seit Mitte Mai haben Dutzende von Expeditionen den Gipfel erreicht. Allein am Donnerstag nach Pfingsten standen mehr als 150 Bergsteiger im Laufe eines Tages auf des Mount - ein Besucherrekord.

Zu den Erfolgreichen gehörten auch vier Sherpas des Mammut-Teams, die neben ihrer Ausrüstung und den Sauerstoffflaschen auch ein spezielles Kamerasystem mit sich führten. Mit dessen Hilfe gelang ihnen erstmals eine 360-Grad-Foto- und Videodokumentation des Aufstiegs über den Normalweg vom 5380 Meter hoch gelegenen bis zum Gipfel des Mount Everest in 8848 Metern Höhe.

Die Vorbereitungszeit für das #project360 betrug zwei Jahre. Zuvor hatte der Schweizer Matthias Taugwalder, der technische Leiter und Virtual-Reality-Experte, einen Kamerawürfel entwickelt, der aus sechs GoPro-Kameras besteht. Diese werden am Ende einer Stange befestigt, die aus dem Rucksack der Bergsteiger ragt. Die synchron ausgelösten Aufnahmen ergeben später die Rundumperspektive, wenn sie in der Postproduktion am Rechner zu einem Bild zusammengerechnet werden.

Dieses Verfahren hatte sich bereits bei mehreren Bergtouren, wie beim Durchsteigen der Eiger-Nordwand und am Matterhorn bewährt. Die Ergebnisse des #project360 sind auf der Website des Bergausrüsters Mammut und über die Apps für iPhone und Android-Smartphones abrufbar und ermöglichen ein hautnahes Klettererlebnis am Berg. Denn bei dieser interaktiven Anwendung bestimmt der Nutzer die Perspektive: Je nach Neigungswinkel des Smartphones oder Tablets kann man nach links und rechts, nach oben zum Gipfel oder nach unten in den Abgrund sehen.

Bei der Umsetzung des #project360 am Mount Everest waren die Herausforderungen extrem, wie ein Video zeigt. Allein acht Tage waren für die Überwindung der fast 3500 Meter Höhenunterschied veranschlagt. Würden die Kameras und Akkus auch in großer Höhe und bei extremer Kälte einwandfrei funktionieren?

Alle vier Sherpas gelang der Aufstieg, sie kehrten von ihrem Gipfelabenteuer gesund zurück und erreichten das Basislager mit Gigabyte von Daten. Nur wenige Tage später stehen die Panoramabilder bereits im Internet. “Nicht nur einige Highlights, sondern die gesamte Route“, so Taugwalder. Lakpa , der leitende Bergführer, sagt es mit seinen Worten: “Dank der 360°-Bilder und Videos kann nun jeder an diesem Bergerlebnis teilhaben.“