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Abtauchen all inclusive

Hunderttausende Urlauber verbringen ihre Ferien in einem Club. Was einst harmlos in Armeezelten anfing, bedeutet heute 24-Stunden-Animation und Buffetverpflegung. Oder? Ein Ratgeber für den Cluburlaub. Von Swantje Dake

Wenn Melanie auf dem tunesischen Aerobicplatz den Takt zählt oder Robert am ägyptischen Pool die Freiwilligen aus den Liegestühlen scheucht, dann sind die Anfänge des Cluburlaubs fern. Der Vater des Cluburlaubs ist ein Belgier. Der Ort der Geburt: die Ferieninsel Mallorca, wie könnte es anders sein. Allerdings war die Baleareninsel in den 50er Jahren nicht annähernd so beliebt und überlaufen wie heute. Gerard Blitz hieß der Mann, der die Idee von einem erschwinglich Gruppenurlaub unter warmer, südlicher Sonne hatte - und für heutige Maßstäbe unorthodox umsetzte. Er stellte 1950 Armeezelte im Pinienwald von Alcudia auf, für 2300 Urlauber, nennt das provisorische Dorf Club Méditerranée, kurz Club Med. Gleich in der ersten Saison mussten angeblich mehrere tausend Anfragen abgelehnt werden. Die Geburtsstunde der Urlaubsform Cluburlaub war gleich ein voller Erfolg, und ein Jahr später entstand der zweite Club in Armeezelten in Italien.

Zunächst war der Club Med ein gemeinnütziger Verein. Das Bedürfnis in und mit der Natur zu leben und sich sportlich zu betätigen, sollte erfüllt werden. Der Gedanke der Gemeinnützigkeit verschwand recht schnell. Andere Merkmale des Cluburlaubs manifestierten sich hingegen und sind heute fester Bestandteil der Urlaubswelt. 1954 erfand der Geschäftspartner von Blitz, Gilbert Trigano, die "Gentil Organisateur". Die "freundlichen Organisierer" sind heute im Allgemeinen als Animateure bekannt und berüchtigt. Schon damals tauschte Trigano die Mannschaft nach einer Saison aus, um ein Abstumpfen der Mitarbeiter zu verhindern.

Armband als Zeichen der Zugehörigkeit

Ebenfalls recht früh etablierte sich die Bargeldlosigkeit in den Clubs, denn Kosten stören jede Unbekümmertheit. Bei Urlaubsantritt sind Unterkunft und Unterhaltung bereits bezahlt. Das Plastikarmbändchen gilt als Nachweis und gleichzeitig als Zeichen der Zugehörigkeit. Im Club Med wurde die als Zahlungsmittel fungierende Perlenkette 1957 eingeführt, verschiedenfarbige Perlen decken unterschiedliche Preise ab. Auch aus rein praktischen Gründen: Alle Clubgäste trugen Pareros - und Hüfttücher haben schlichtweg keine Taschen.

Im Reisepreis enthalten ist zumeist auch die Kinderbetreuung. Vom Kindergartenkind bis an die Volljährigkeit heran wird der Urlaubernachwuchs auf Wunsch von morgens bis abends beschäftigt und umgarnt. So vielfältig wie die Interessen der Kinder ist mittlerweile das Angebot. Viele Clubs bieten Betreuung auch für Kleinkinder an.

Urlaub mit sportlichem Star-Faktor

Der sportliche Aspekt ist seit der Erfindung des Cluburlaubs zentraler Bestandteil. In südlichen Gefilden haben die Resorts Strandzugang, bieten viele Wassersportarten an. In den Winterclubs ist der Skipass zumeist im Urlaubspreis eingerechnet. Jeder sportliche Trend wie etwa Golf wird von den Clubbetreibern aufgegriffen. Auf Bogenschießanlage und Tennisplätze muss kein Clubgast verzichten, auch wenn den Sportarten das Ambiente der 80er Jahre anhaftet.

Beim Sport wie auch bei allen anderen Aktivitäten bleiben die Clubgäste unter sich. Fast jeder Club hat einen eigenen Strand, der Robinson Club auf den Malediven oder der Aldiana Club an der Makadi Bay in Ägypten haben sogar ein Hausriff für Taucher und Schnorchler. Ein bewährtes Konzept für Clubbetreiber sind Trainingswochen mit bekannten Sportlern oder Ex-Sportstars. Fredi Bobic kickt bei Robinson, Ina Menzer boxt, Michael Stich schlägt im Aldiana auf, nebenan im Restaurant kocht Harald Wohlfahrt.

Die Nummer mit den Achtertischen

Es gibt auch gute Gründe gegen Cluburlaub: Wer im Urlaub niemanden kennen lernen möchte, der sollte Cluburlaub meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Auf Gemeinsamkeit wird in allen Anlagen Wert gelegt, sei es bei den Spielchen am Pool, beim Turnier im Bogenschießen oder beim Essen. Als im Club Med alles begann, wurden die Achtertische in den Restaurants eingeführt. Bis heute speist man beim französischen Anbieter und beim deutschen Robinson Club so, um die Kommunikation zu fördern, wie es heißt. Ursprünglich hatte die Achterkonstellation einen pragmatischeren Grund. Man reiste mit der Bahn - in Achterabteils - in den Club, so konnten die Freundschaften von der Anreise beim Aperitif intensiviert werden.

Urlauber, die ein fremdes Land gern auf eigene Faust entdecken, die traditionelle Küche kennen lernen wollen und kein Problem haben, sich den Weg zum Museum oder Tempel selbst zu bahnen, sind nur schwer clubkompatibel. Ausflüge außerhalb der Anlage spielen eine untergeordnete Rolle. Meist finden sie im Rahmen des Sportprogramms und in der Gruppe statt. Das Land und die Kultur lernt man so kaum kennen. Gelegentlich ist die Anlage im landestypischen Stil gebaut und ein, zwei Gerichte vom allabendlichen Buffet sind aus der Landesküche - oder was der Urlauber dafür hält.

Wer ein durchorganisiertes Tagesprogramm, ein nahezu unerschöpfliches Sportprogramm und reichlich gedeckte Buffettische im Urlaub schätzt, ist in einem Club richtig. Nur in welchem? Denn trotz vieler Gemeinsamkeiten hat jeder Clubanbieter seine Eigenarten und Besonderheiten.

Eine Übersicht über die wichtigsten Cluburlaubanbieter finden Sie auf den folgenden Seiten:

Cluburlaub
Cluburlaub
Cluburlaub
Cluburlaub
Cluburlaub Morgens Yoga, abends Toga
 
 
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