10. Januar 2008, 11:32 Uhr

In Saus und Braus gelebt, dann abgestürzt

Eine kaputte Hüfte und gescheiterte Bauherrenmodelle: Der ehemalige Nationaltorwart Eike Immel stürzte nach Ende seiner Profilaufbahn ab. Die Teilnahme am TV-Klamauk "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" ist für ihn der letzte Rettungsanker. So wie ihm erging es vielen Profis nach ihrer aktiven Zeit. Von Frank Hellmann

Immel ist längst pleite - und die Euro, die ihm RTL zusteckt, seine letzte Hoffnung©

Der ein oder andere wird stutzen. Und den Mann gar nicht wiedererkennen. Dabei verrät schon der Name unzweideutig, um wen es sich bei der am Freitag startenden RTL-Sendung "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" handelt: Eike Immel, ehemals größtes deutsches Torwarttalent und legitimer Nachfolger von Sepp Maier. Mittlerweile ist er 47 Jahre alt. Und beinahe gezwungen, den zweifelhaften TV-Klamauk im fernen Australien mitzumachen, wo sich Immel unter anderem mit der ehemaligen Porno-Darstellerin Michaela Schaffrath alias Gina Wild zwischen Kakerlaken, Spinnen und anderem Dschungelgetier räkelt. Denn Immel ist längst pleite - und die Euro, die ihm RTL zusteckt so etwas wie eine letzte Hoffnung.

Schon am 29. Mai 2007 legte der Bundesliga-Torwart von Borussia Dortmund und des VfB Stuttgart vor dem Amtsgericht Dortmund den Offenbarungseid ab. "Plötzlich stand der Gerichtsvollzieher an der Tür", erinnert sich Immel, "ich konnte nicht zahlen, hatte keine Einnahmen mehr. Meine Krankheit hat mich völlig aus der Bahn geworfen." Das aber ist nur die halbe Wahrheit, denn die künstliche Hüfte, die sich der Lockenkopf hat einsetzen lassen müssen, ist mitnichten allein verantwortlich für die finanzielle Misere. Der 535-fache Bundesliga- und 19-fache Nationalspieler hat nämlich zeit seines Lebens über seinen Verhältnissen gelebt. Mit 18 Jahren fuhr er einen Porsche schrottreif, er soll um riesige Beträge gepokert haben, verspekulierte sich mit Bauherrenmodell, scheiterte peinlich als Geschäftsführer für Nobelkarossen. Gibt es für ihn noch einen Ausweg? "Ein Job ist die Basis für alles. Wenn ich wieder eine Arbeit finde, kann ich auch wieder Fuß fassen." Er will wieder als Torwarttrainer arbeiten - doch mit einer kaputten Hüfte geht das kaum. Ein Teufelskreis.

Liste der gescheiterten Existenzen ist lang

Immel ist längst kein Einzelfall. Die Liste der gescheiterten Existenzen aus dem Profifußball ist lang. Viel zu lang. Wochenlang lieferte der Fall Erwin Kostedde Schlagzeilen. "Ich will nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen." Dieser Satz ist aus seiner Zeit als Bundesliga-Torjäger aus den 70er Jahren überliefert. Der dunkelhäutige Mittelstürmer glaubte für immer ausgesorgt zu haben. Ein Trugschluss. Kostedde legte sein Geld falsch an, musste wieder arbeiten, fand sich aber im normalen Leben nicht zurecht. 1990 saß er in Untersuchungshaft, weil er im Verdacht stand, eine Spielhalle überfallen zu haben. Zwar wurde er freigesprochen, doch heute lebt Kostedde vereinsamt und verarmt in Münster. Oder da ist der Sturz des Dribbelkünstlers Stan Libuda. Er hatte nie etwas anderes gemacht, als auf dem Fußballplatz Haken oder Flanken zu schlagen. Keine Ausbildung, keine Berufspraxis. Libuda begann zu trinken. Immer mehr. Viel zu viel. 1996 starb er 53-jährig an einem Schlaganfall. Einsam und arm.

Nicht immer muss es so schlimm enden: Doch verhängnisvoll, wie vielen Spieler es nicht mal gelang, die Verdienste aus ihrer aktiven Zeit auf die hohen Kante zu schaffen. Bei Eintracht Frankfurt verspekulierte sich beinahe eine halbe Mannschaft in den 80er Jahren mit Bauherrenmodellen - Norbert Nachtweih und Bum Kun Cah waren die bekanntesten Opfer. Und als in den 90er Jahren plötzlich Ostimmobilienfonds der vermeintlich große Gewinn waren, griffen Dutzende zu. 2001 flog indes ein Berliner Baulöwe und Fondsbetreiber auf, der das Geld umgeleitet hatte. Fußballer wie Andrzej Juskowiak verloren Millionen, während Franz Beckenbauer sein Geld gerade noch rechtzeitig abgezogen hatte.

Spirale nach unten immer nach selbem Muster

Die Spirale, die in die Schuldenfalle führt, dreht sich immer nach demselben Schema - damals wie heute. Egal ob einer 400000 Mark 1997 oder 450000 Euro 2007 verdient. Durch Ruhm und Reichtum, vor allem die völlig überhöhte mediale Aufbereitung, geraten viel zu viele Profis in eine Scheinwelt, die mit dem normalen Leben nichts mehr gemein hat. Während der Karriere leisten sich die Kicker dann eine Nobelvilla, drei Luxuskarossen, sündhaft teure Uhren und anderen Schnickschnack. Doch wenn der Vertrag ausläuft, laufen oft die Raten mit langen Laufzeiten weiter. Dann beginnen die Schwierigkeiten. "Ein Bundesliga-Fußballer verdient heute so viel, dass er nach neun oder zehn Jahren mit einer vernünftigen Finanzplanung ausgesorgt haben müsste", sagt der mit der Geldanlage von 35 Fußballprofis betraute Diplom-Vermögensberater Michael Daudert.

Heute kümmert sich auch die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) mehr denn je um Vorsorge für die Zeit danach. Denn die Erhebungen, die die VdV vorstellt, sind erschreckend: So lebt die Hälfte des ehemaligen Bundesligakaders von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1985 von der Sozialhilfe. Aus derselben Zeit gibt es Studien, dass ein Viertel der ehemals verehrten Stars aktuell mehr Schulden als Guthaben auf dem Konto hat. Nur ein Bruchteil der gescheiterten Existenzen wird öffentlich; viele fristen unbemerkt und unerkannt ein Nischendasein.

Kreuzbandriss, Vertragsende, Scheidung, Schulden

Martin Schneider, vor nicht gar nicht allzu langer Zeit Spieler bei Borussia Mönchengladbach und Duisburg, ist immer noch verschuldet, weil er Millionen mit geplatzten Immobilienfonds verlor. Bei ihm kam alles zusammen: Kreuzbandriss, Vertragsende, Scheidung, Schulden. Letzteres ist einem windigen Berater zu verdanken. "Ich kann halt nicht mehr in Saus und Braus leben." Wie so viele, die sich vor allem bei der Geldanlage über den Tisch ziehen ließen.

"Die VdV wurde auch gegründet, um Spieler vor solchen Beratern zu schützen", erklärt Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Aber auch ein mit der VdV kooperierende Finanzdienstleister weiß: Viele Profis wenden sich erst dann an die VdV, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die Organisation bietet Weiterbildungsmaßnahmen an, zeigt auf, wie wichtig sichere Anlagen sind. Nicht zuletzt die deutlich gestiegenen Gehälter und die Vielzahl der lizensierten Berater kümmern sich darum, dass es eine Karriere nach der Karriere gibt. So werden in der Sportschule Duisburg jeden Sommer sogar die arbeitslosen Fußballprofis beschäftigt - und neben dem Training referiert ein Laufbahn-Coach.

Vom strahlenden Star direkt ins Unglück

Dennoch geraten auch heute noch prominente Namen auf die schiefe Bahn. Bei manchen ist der Absturz jedoch eine unheilvolle Mixtur aus Unwissenheit und Unglück. So wie bei Jimmy Hartwig, heute 53, der sich dreimal scheiden ließ, auch dabei viel Geld verlor. Sein Rettungsanker war derselbe wie bei Eike Immel. Er spielte mehr schlecht als recht beim Deutschen Nationaltheater Weimar, nahm 2004 dann an der zweiten Staffel der Reality Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" bei RTL teil.

Hartwig hat nach seiner strahlenden Zeit als Profi des Hamburger SV selten auf der Sonnenseite des Lebens gestanden. Er verprasste seine Ersparnisse, rutschte ins Drogenmilieu ab. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde bei ihm Prostatakrebs festgestellt; er ließ sich operieren, machte Chemotherapie, schien die Krankheit besiegen zu können. Doch 2004 kehrte der Krebs zurück, im vergangenen Jahr erkrankte der Vater von Schauspieler und Moderator Daniel Hartwig auch noch an einem Hirntumor.

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
TobiFrei (11.01.2008, 23:20 Uhr)
Das geschieht ihm recht
Wenn ich das höre gerade auf RTL: "Und hoffentlich bewerten die Leute einen so wie man rüberkommt" (Eike Immel). Ich würde den in allen Belangen mit der Schul-Note 6 bewerten:
1.) Unternehmerisch - hat man ja in seinen "erfolgreichen" Investitionen des Geldes, das er als Torwart verdient hat, gesehen. Er hat mehr Kohle rausgeschmissen als er eingenommen hat. Und das war tierisch viel, der Typ wurde schließlich Deutscher Meister. Und er fängt achon wieder so an: In Australien mit dem iPhone. Ich hab auch eins, hab mehr Kohle als der. Aber ich lass es von Auslandsaufenthalten zu Hause. Tja Eike, Australien ist T-Mobile Zone 3: D.h. eine Minute telefonieren kostet 3 Euro, SMS 50 Cent, aber das Datenroaming wird dich wieder ruinieren: Das Handy zieht Daten auch wenns aus ist, und das in der Woche bis zu 30 Megabyte, wobei ein MB 16 Euro kostet). Vielleicht warst Du ja so schlau und hast Roaming aus. Aber das traue ich Dir aufgrund Deines Lebenslaufs nicht zu... Note 6
2.) Menschlich - Immel gab sich in der Presse immer als ultrasympathisch. War er aber in keinster Art und Weise. Ich weiss noch im Sommer 1992. VfB war Deutscher Meister und ich war zusammen mit ein paar Kumpels als Ordner vor dem Clubheim. Frage nach einem Autogramm: "Jetzt nicht, später". Und das ging dann so weiter bis die Veranstaltung aus war. Du warst immer der einzigste, der ultracool mit Sonnenbrille kein Autogramm gab. Nicht mal meinen im Rollstuhl sitzenden Cousin, für den Du ein Gott warst - Note 6
Vielleicht kommt Deine Hüftkopfnekrose aber auch einfach nur vom Saufen. Ist nur ne Vermutung, kommt beim Menschen aber laut Wikipedia recht of von da.
Also Du bist genau da, wo Du hingehörst. Irgendwo im australischen Urwald. Hoffentlich bleibst Du da noch eine ganz lange Zeit. Und verschonst uns von Deiner Anwesenheit
Giubar (10.01.2008, 19:57 Uhr)
Und Fußballer sind doch
dämlich. Und immer werden Umstände für die Notlage angeführt, die "normale" Menschen jeden Tag erleben, und die niemals die finanziellen Möglichkeiten haben, die diese sogenannten Promis gehabt haben. Liebe arme ehemalige Fußballprofis, geht sterben.
faustjucken_de (10.01.2008, 17:54 Uhr)
so what?
Andere Menschen haben auch Schulden.
JoDo (10.01.2008, 17:17 Uhr)
He Cool....
Ich bin Murks IV holt mich hier raus!
Als Hartz IV Geschädigter sollte ich mich vielleicht auch mal für den Australien Trip anmelden, RTL machts möglich.
Sorry das ich keine Millionen verprasst habe, kann ja noch kommen.
Dudu (10.01.2008, 16:43 Uhr)
Sinn
des Artikels ist doch nicht etwa Mitleid zu erwecken?
In Fällen, wo Krankheit die Ursache ist, wie bei Jimmy Hartwig, O.K.
Allein von den Zinsen hätte diese Herrn toll leben können, aber so ist das halt im Leben
heiner5362 (10.01.2008, 16:40 Uhr)
solche leute
im zenit ihrer karriere sind ein gefundenes fressen für schwerstkriminelle abzocker.
auch wenn die birne etwas weicher ist von den köppern mann bleibt auf dem boden der realität.
Kalox (10.01.2008, 16:37 Uhr)
tja...
...ein pendel kommt eben immer auch wieder zurück...
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